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Lesotho : Blut und Wasser

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Worum sich alles dreht in Lesotho, liegt auf 2500 Meter Höhe in den Bergen. Der Katse-Staudamm, knapp 200 Kilometer nördlich von Maseru, ist ein Denkmal moderner Ingenieurskunst. Über mehr als 60 Kilometer Länge erstreckt sich der künstliche See, der sich hinter einer 180 Meter hohen und 700 Meter breiten Mauer staut. Das Besondere an dieser Talsperre jedoch ist im Fels verborgen: ein 82 Kilometer langer Tunnel durch die Berge bis nach Südafrika. Jede Sekunde strömen 30 Kubikmeter Wasser durch diese Röhre in Richtung Johannesburg, Pretoria und Vereeniging und somit in den Maschinenraum der südafrikanischen Wirtschaft. Das sind knapp 2,6 Millionen Kubikmeter am Tag. Zehn Millionen Menschen in der südafrikanischen Provinz Gauteng trinken Wasser aus dem 380 Kilometer entfernten Lesotho, benutzen es zum Kochen und zum Waschen. Die Goldbergwerke in Johannesburg, die Platinminen in Marikana und die Eisenhütten in Vereeniging müssten schließen, sollte dieses Wasser nicht mehr strömen.

Aus südafrikanischer Sicht ist der Katse-Stausee im Nachbarland „von entscheidender Bedeutung für die nationale Sicherheit“, und immer, wenn es in Lesotho politisch kracht (und das passiert häufig), stehen binnen Stunden südafrikanische Soldaten an der Katse-Mauer, um eine Sprengung der Talsperre zu verhindern. „Was auch immer Südafrika in Lesotho unternimmt, es geht letztendlich nur um das Wasser“, sagt Joang Molapo, der bis zu dem Putschversuch im vergangenen Jahr Innenminister von Lesotho war und heute um sein Leben fürchten muss. Auch das hat mit dem Wasser zu tun.

Strom für Wasser

Doch der Reihe nach. Das heutige Drama in Lesotho beginnt 2012 mit dem Wahlsieg einer Koalition aus drei Parteien und einem Regierungswechsel. Der Oppositionelle Thomas Thabane von der „All Basotho Convention“ (ABC) wird zum Ministerpräsidenten ernannt. Die südafrikanische Regierung begrüßt den Machtwechsel überschwänglich und legt der neuen Regierung umgehend einen Vertrag vor: Das Abkommen zum Bau von drei weiteren Talsperren oberhalb von Katse und von Mohale, der zweiten Staustufe in den Bergen. Katse und Mohale sind bereits durch einen 32 Kilometer langen Tunnel verbunden.

Einmal fertiggestellt, sollen alle fünf Talsperren durch ein Röhrensystem miteinander verbunden werden und den Wasserbedarf Südafrikas für die kommenden hundert Jahre sichern. Das ehrgeizige Bauvorhaben nennt sich „Lesotho Highland Water Project“ und war 1986 noch mit der südafrikanischen Apartheidregierung verhandelt worden. Seither aber ist viel Wasser durch den Tunnel geströmt, weshalb die Thabane-Regierung die Meinung vertritt, dass der eine oder andere Passus dieses Vertrages an die Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts angepasst werden müsse. Die Südafrikaner reagieren verschnupft.

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Ein Jahr später, im Sommer 2013, treffen sich Vertreter aus Lesotho im vornehmen Johannesburger Stadtteil Sandton abermals mit den Abgesandten des südafrikanischen Ministeriums für Wasser und Umweltfragen. Wieder geht es um den Bau von Polihali, Tsoelike und Ntoahae, den drei geplanten zusätzlichen Stauseen. Den Südafrikanern läuft die Zeit davon. Regierungsinterne Studien besagen, dass die Wasserzufuhr aus Lesotho bis 2018 drastisch gesteigert werden muss, wenn Johannesburg nicht auf dem Trockenen sitzen soll. Doch die Lesother wollen nicht einfach unterschreiben. Sie wollen ein Gegengeschäft: Strom für Wasser. Sie schlagen den Bau eines Wasserkraftwerkes zwischen den Talsperren vor, das nicht nur den Energiebedarf Lesothos decken soll, sondern zusätzlich 1200 Megawatt für den südafrikanischen Markt produzieren würde. „Die Südafrikaner sollten uns die Abnahme dieser 1200 Megawatt garantieren, dann hätten wir dem Bau der Talsperren noch am gleichen Tag zugestimmt“, erinnert sich Molapo an die Verhandlungen.

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