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Südafrika : Zumas weiße Nemesis

  • -Aktualisiert am

Gut drauf: Die Parteichefin der Democratic Alliance, Helen Zille, tanzt und singt bei einer Wahlkampfveranstaltung im April in Kapstadt. Bild: AFP

Die deutschstämmige Südafrikanerin Helen Zille hat aus der Provinz Western Cape eine Erfolgsgeschichte gemacht. Auch in anderen Landesteilen treibt ihre Partei den ANC vor sich her.

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          Was sie in Europa vorgefunden habe, sei nicht gerade ermutigend gewesen, sagt Helen Zille. Ein ziemlicher Schock sogar. „Was ich in Belgien sah, die Ausschreitungen und Probleme in diesem multiethnischen Land, lässt mich fragen, ob es in Südafrika noch möglich ist, unser politisches Ziel zu erreichen.“ Zum ersten Mal, sagt die Vorsitzende von Südafrikas größter Oppositionspartei, habe sie erfahren, was für einen langen Weg auch Europa noch vor sich habe, um ein Bewusstsein zu finden, das auf gemeinsamen Werten basiert.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          In Brüssel führte Zille in diesem Monat Gespräche mit Vertretern der EU-Kommission, bevor sie in Frankfurt den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung erhielt. Zilles Traum ist der einer offenen Gesellschaft, wo Herkunft und angeborene Merkmale keine Rolle spielen und in der jeder die gleichen Chancen hat, sich frei zu entfalten. Doch davon sind viele Teile Südafrikas noch immer mindestens so weit entfernt wie in Belgien der flämische vom wallonischen Teil.

          Der African National Congress (ANC), der das Land seit dem Ende der Apartheid 1994 regiert, steckt in einer tiefen Krise. Unter Jacob Zuma hat die Korruption in Südafrika nie gekannte Ausmaße erreicht. Sinnbild dessen ist der Präsident selbst: Gegen Zuma sind mehr als 700 Klagen anhängig. Es geht um Korruption, Betrug und Geldwäsche. Gegenstand erhitzter Parlamentsdebatten ist derzeit Zumas Anwesen in dessen Heimatort Nkandla, das sich der Zulu mit 17 Millionen Euro Steuergeldern verschönern ließ. Zilles Partei „Democratic Alliance“ (DA) hat mehrere Klagen gegen Zuma eingereicht. Die meisten wurden abgewiesen oder verschleppt. „Die Politisierung unserer Gerichte und Strafverfolgungsbehörden ist enorm“, sagt Zille.

          Doch Zumas Macht bröckelt. Vor ein paar Tagen kündigte der Gewerkschaftsverbund Numsa dem ANC die Gefolgschaft auf. Die Gewerkschafter wollen eine eigene Partei gründen, da sich die einstige Befreiungsbewegung nicht mehr um die Rechte der Arbeiter kümmere. Andere Gewerkschaften kündigten ähnliche Schritte an.

          Das dürfte Südafrikas Demokratie guttun. Für Zille ist es der Anfang vom allmählichen Ende der ANC-Herrschaft. „Eine eigene Philosophie, einen Plan haben die nicht.“ Zilles DA ist die Antithese zum von Flügelkämpfen gelähmten ANC, dessen Parolen längst in die Jahre gekommen sind. „Der ANC ist heute nicht mehr als eine rassistisch-nationalistische Partei“, sagt Zille. Während der Apartheid habe er gegen ethnische Gräben gekämpft. Nun sei Zuma dabei, die Hegemonie der Zulu in einem Klientelnetzwerk zu verfestigen. Täglich werde sie von der ANC-Propaganda als Eindringling beschimpft, der die Apartheid wieder einführen wolle, sagt Zille. Dabei hat sie früher selbst gegen das Apartheid-Regime gekämpft. Aber sie ist weiß, und darauf zielt die ANC-Propaganda.

          Rassenfragen und Ausgrenzung umgaben Zille das ganze Leben. Ihre Mutter, die die Nationalsozialisten als „Halbjüdin“ einstuften, floh während der NS-Herrschaft aus Deutschland zunächst nach England und wenig später nach Südafrika. Dorthin war auch ihr Vater emigriert, ein Neffe des Berliner Milieumalers Heinrich Zille. „Meine Eltern sprachen kaum über die NS-Zeit“, sagt Zille. „Sie verharrten nicht in der Vergangenheit.“ Auch Zille will nicht zurückblicken. „Ich gehe stets voran. Ich kann nicht anders.“

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