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Mugabe-Dynastie in Zimbabwe? : Gucci-Grace und die Waisenkinder

  • -Aktualisiert am

Im Wahlkampf: Grace Mugabe Bild: Reuters

Robert Mugabe protegiert seine Ehefrau in ihrem politischen Aufstieg. Sie soll nach seiner Amtszeit Zimbabwes Präsidentin werden.

          Die erste Etappe ist geschafft: Grace Mugabe, die Frau des zimbabwischen Dauerpräsidenten Robert Mugabe, ist am Wochenende auf dem Parteitag der Regierungspartei Zanu-PF erwartungsgemäß zur Vorsitzenden der Frauenliga gewählt worden. Obwohl: „gewählt“ ist das falsche Wort.

          Frau Mugabe wurde vielmehr von ihrem Mann inthronisiert, der mit dem politischen Aufstieg seiner 41 Jahre jüngeren Frau anscheinend eine Dynastie begründen will. Da war es beinahe schon Nebensache, dass Mugabe selbst zum Spitzenkandidaten für die für 2018 geplanten Wahlen gekürt wurde. Dann wird Mugabe 94 Jahre alt sein.

          Es ist noch nicht einmal drei Monate her, dass Frau Mugabe ihre Ambitionen öffentlich machte und in eigener Sache auf Wahlkampftour ging. „Meet the Nation“ war die Tour durch alle zimbabwischen Provinzen getauft worden, auf der die bis dahin unbekannte Frau Mugabe sich als scharfzüngig erwies. Gefragt, ob sie Präsidentin werden wolle, antwortete Grace spitz: „Warum nicht? Ich bin schließlich Zimbabwer.“ Ansonsten gab es Seitenhiebe auf die stellvertretende Präsidentin Joice Mujuru, die lange als potentielle Nachfolgerin von Mugabe gehandelt worden war.

          Die Verbindung hat Sympathien beim Volk gekostet

          Die 1965 in Südafrika geborene Grace Marufu ist die zweite Frau des greisen zimbabwischen Machthabers. Dass sie im Volk ausgesprochen unbeliebt ist, hat in erster Linie mit den Umständen zu tun, unter denen der Staatschef und die damalige Schreibkraft sich näherkamen. Zu jener Zeit nämlich wartete Mugabes erste Frau Sally Francesca Hayfron unheilbar krank auf ihren Tod. Das war Ende der achtziger Jahre, und die frisch geschiedene Grace hat stets behauptet, es sei Mugabe gewesen, der ihr den Hof gemacht habe, und nicht umgekehrt.

          Mugabe wiederum ließ verbreiten, seine todkranke Frau sei mit dem Verhältnis einverstanden gewesen. Als die ausgesprochen beliebte Ghanaerin Hayfron 1992 an Nierenversagen starb, hatte Mugabe bereits zwei Kinder mit seiner Sekretärin gezeugt. Geheiratet haben die beiden aber erst vier Jahre später, 1996. Angeblich wollte der streng katholische Mugabe den Vatikan nicht mit einer schnellen zweiten Heirat brüskieren.

          Grace Mugabe erfüllte fortan alle Klischees des Anhängsels eines alternden Despoten. Er schmückte sich mit einer attraktiven jungen Frau, sie erging sich in kostspieligen Shoppingtouren mit dem Präsidentenflugzeug. Ihre Beutezüge, insbesondere bei einem italienischen Schuhhersteller, erklärte sie einmal damit, sie habe halt „einen so schmalen Fuß“.

          Der unbarmherzige Volksmund erfand daraufhin prompt ihren Beinamen „Gucci-Grace“. Als unter anderem die Europäische Union nach den massenhaften Zwangsenteignungen von weißem Farmland und gefälschten Wahlen Reisesanktionen gegen das Ehepaar Mugabe verhängte, reiste Madame, die auch den Spitznamen „First Shopper“ trägt, fortan einfach nach Asien. Ein britischer Reporter, der sie in Hongkong auf der Straße ansprach und Auskunft über die Herkunft ihres offensichtlich beträchtlichen Vermögens begehrte, bezahlte seine Unverfrorenheit mit einer schallenden Ohrfeige. Mit ihrem Diamantring fügte sie dem Journalisten dabei eine beträchtliche Wunde an der Wange zu.

          Benefizarbeiten, um das Image aufzupolieren

          Unter der Führung der First Lady stieg die Mugabe-Familie zum größten Grundbesitzer des Landes auf. Sie besitzt Viehfarmen, Jagdgebiete, Immobilien in bester Stadtlage, industrielle Agrarbetriebe und vertreibt bisweilen eigenhändig Landarbeiter von einer neu erworbenen Farm. Ihr Ehemann hatte sich früher nachweislich nie etwas aus persönlichem Besitz gemacht.

          Es gibt Stimmen in Harare, die Grace schon deshalb alles zutrauen, weil sie es vermochte, aus einem überzeugten Marxisten einen Erzkapitalisten zu machen. Grace Mugabe soll auch im Diamantengeschäft aktiv sein. Das könnte erklären, warum die Diamantenfelder von Marange offiziell nur Industriediamanten hervorbringen, obwohl sie insgeheim als die ergiebigsten der Welt für wertvolle Schmuckdiamanten eingestuft werden. Es wird vermutet, dass diese nach Angola geschmuggelt werden und von dort illegal auf den Weltmarkt gelangen.

          Im Gegensatz zu ihrem Mann, der kaum noch zu wissen scheint, was außerhalb seines Palastes vor sich geht, ist seine Frau seit geraumer Zeit dabei, ihr schlechtes Image durch Benefizarbeit aufzupolieren. Dazu gehört unter anderem ein von ihr initiiertes Waisenhaus am Stadtrand von Harare, das von der chinesischen Regierung finanziert wurde. Zuletzt hatte Grace Mugabe mit einer Doktorarbeit auf sich aufmerksam gemacht, für die sie ganze drei Monate benötigte.

          Der Doktortitel wurde ihr von der Universität von Harare verliehen, deren Präsident ihr Mann ist. Geforscht hat Grace Mugabe angeblich über die Sozialisierung von Waisenkindern. Überprüfen lässt sich das nicht, weil ihre Arbeit nie den Weg in die Bibliothek der Universität fand.

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