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Schwulen-Hass in Afrika : Stellvertreterkrieg der Megakirchen

  • -Aktualisiert am

In Ruanda genießt der Prediger Beistand von ganz oben. Präsident Paul Kagame protegiert Warrens Expansion. Rund 600 Freikirchen in Ruanda sollen sich seiner Doktrin bereits angeschlossen haben. Die guten Beziehungen beruhen auch hier auf persönlichen Kontakten: Kagames Frau ist eine Anhängerin Warrens.

Doch trotz aller guten Taten nutzt der Kalifornier seine Popularität vor allem zur Propagierung einer restriktiven Gesetzgebung gegen Homosexuelle. Die Waffen zur Verbreitung seiner Botschaft sind Missionare, Sozialprogramme, Bibelschulen und Stipendien. Die Fernsehsender Christian Broadcasting Network (CBN) und Trinity Broadcasting Network (TBN) sind inzwischen nahezu überall in Subsahara-Afrika zu empfangen.

Angriff auf Ubuntu

Die Rechten schmeißen mit Geld nur so um sich. Afrikanischen Predigern wird nahegelegt, Gelder von etablierten Kirchen – für die sie Rechenschaft ablegen müssen – zurückzuweisen und sich stattdessen von den amerikanischen Ultras finanzieren zu lassen. Dieses „Programm“ zeigt längst Wirkung: Die anglikanischen Bischöfe in besagten Ländern, Henry Orombi in Uganda, Peter Akinola in Nigeria, Emmanuel Kolini in Ruanda und Benjamin Nzimbi in Kenia, sind zu Warrens engsten Verbündeten geworden. Der Ugander Orombi fordert beispielsweise ein Einreiseverbot für schwule Amerikaner. Sein nigerianischer Kollege mutmaßt, die Jugend Afrikas solle mit Geld überzeugt werden, Homosexualität als gesellschaftliche Norm anzusehen. In Nigeria wurden die Strafen für Homosexualität unlängst drastisch verschärft.

„Diese Leute verkaufen Homosexualität als postkolonialen Eroberungsfeldzug und behaupten, damit sollen die traditionellen Familienwerte in Afrika zerstört werden“, sagt der sambische Priester Kaoma. In afrikanischen Gesellschaften steht nicht das Ich im Mittelpunkt, sondern das Wir. Gemeint ist damit die Großfamilie, die ganze Sippe. Dafür gibt es einen Namen: Ubuntu. „Wenn uns gesagt wird, Homosexualität zerstöre die Familienwerte, dann ist das für Afrikaner eine ausgesprochen bedrohliche Vorstellung“, so Kaoma.

Selbst den Islam bemühen die rechten Ultras, um ihre Botschaft von der Schändlichkeit homosexueller Lebensgemeinschaften zu verbreiten. Demnach stünden die Kirchen in Afrika im direkten Wettbewerb zum Islam. Der Koran verbietet Homosexualität. Also haben die Kirchen einen Wettbewerbsnachteil. Zu den Verbreitern dieses seltsamen Dreisatzes gehört unter anderem der amerikanische Prediger Pat Robertson, dessen Fernsehsendung „The 700 Club“ nahezu überall im englischsprachigen Afrika zu empfangen ist.

Es geht um Macht in der Kirche

Dabei wissen die wenigsten Afrikaner um Robertsons Unterstützung für den Krieg in Angola oder sein besonderes Faible für das südafrikanische Apartheidregime. Gleiches gilt für die Pfingstkirche „Institute on Religion and Democracy“ (IRD), die in der Vergangenheit die anglikanischen Kirchen immer wieder als „Marxisten“ verunglimpft hat, weil die stets für Freiheit und Demokratie in Afrika aufgestanden sind. Der ehemalige anglikanische Erzbischof von Kapstadt und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu ist dafür das beste Beispiel.

Die Anglikaner haben sich im Verlaufe dieses Kampfes mehr und mehr liberale Positionen zu eigen gemacht, was den amerikanischen Rechtsauslegern genau die Angriffsfläche bot, die sie in ihrem Ringen um Einfluss weltweit benötigten. Die amerikanischen Rechtsausleger erleben fassungslos, wie in ihrer Heimat die Unterstützung für die Rechte von Homosexuellen zunimmt und sogar schwule Bischöfe ordiniert werden. Das Gegenprogramm dazu läuft derzeit in Afrika. Um die Menschen auf dem Kontinent geht es dabei nur am Rande. Vor allem geht es um die Lufthoheit über die amerikanischen Kirchen: Wenn man so will, ist unter den Kirchen in Afrika gerade ein Stellvertreterkrieg entbrannt.

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