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Staatsstreich in Burkina Faso : Präsident Compaore will nicht zurücktreten

  • Aktualisiert am

Tagelange Unruhen: Ein Mann protestiert in Burkina Faso gegen die Regierung Bild: Reuters

Nach dem Putsch des Militärs hat sich Staatschef Compaore zu Wort gemeldet. Er werde weiterhin an der Macht bleiben, sagte er in einer TV-Ansprache.

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          Der Präsident von Burkina Faso, Blaise Compaore, hat sich den Rücktrittsforderungen und massiven Protesten widersetzt. Er werde an der Macht bleiben und an der Spitze einer Übergangsregierung stehen, bis Wahlen
          stattgefunden hätten, sagte Compaore am Donnerstagabend im Fernsehen. „Ich habe die Botschaft erhalten, ich habe sie verstanden, und ich erkenne den großen Wunsch nach Veränderung“, sagte er im Sender BF1. Am Ende einer Übergangszeit werde er die Macht an einen demokratisch gewählten Präsidenten übergeben, sagte Compaore.

          Nach Ausschreitungen bei Protesten gegen den Präsidenten hatten die Streitkräfte des westafrikanischen Landes die Einsetzung einer
          Übergangsregierung angekündigt. Zudem werde das Parlament aufgelöst, der Ausnahmezustand ausgerufen und eine nächtliche Ausgangssperre erlassen, hatte General Honore Traore vor der jüngsten Stellungnahme Compaores erklärt. Auf die künftige Rolle Compaore war er dabei nicht eingegangen. Noch vor der Erklärung der Armee hatte der Staatschef selbst den Ausnahmezustand ausgerufen und Gespräche mit der Opposition gefordert.

          Zehntausende Menschen demonstrierten gegen eine geplante Verfassungsänderung, die dem 63-jährigen Compaore eine dritte Amtszeit
          ermöglicht hätte. Sie stürmten das Parlament, legten Feuer und besetzten das Staatsfernsehen. Das Vorhaben einer Verfassungsänderung gab Compaore, der 1987 durch einen Militärputsch an die Macht gekommen war, auf. .

          Das Parlament plante zuletzt eine Verfassungsänderung, wonach Compaore - der seit 1987 an der Macht ist - eine weitere Amtszeit hätte anstreben können. Compaore erklärte den Berichten zufolge am Abend Regierung und Parlament für aufgelöst, um damit „Voraussetzungen für eine neue Perspektive“ zu schaffen. Er rief die Oppositionsführer auf, die Unruhen zu beenden. Einen von ihnen zitierte die BBC aber mit den Worten: „Nur der Rücktritt von Präsident Compaore kann unserem Land den Frieden bringen.“

          Der 63 Jahre alte Compaore regiert Burkina Faso seit einem Putsch vor fast drei Jahrzehnten. Im Jahr 2000 hatte er die Verfassung schon einmal ändern lassen, um an der Macht zu bleiben. Die Wahlen sind für November 2015 geplant.

          Burkina Faso mit etwa 17 Millionen Einwohnern ist eines der ärmsten Länder der Welt.

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