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Ölförderung lahmgelegt : Vormarsch der Rebellen in Südsudan

  • Aktualisiert am

Wenigstens die Hauptstadt noch unter Kontrolle: Die SPLA in Juba Bild: REUTERS

Rebellen in Südsudan haben die Kontrolle über Ölfördergebiete übernommen. Die Truppen kämpfen mittlerweile unter dem Befehl des abgesetzten Vizepräsidenten Riek Machar.

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          Der Vormarsch der Rebellen in Südsudan dauert an. Truppen, die dem abgesetzten südsudanesischen Vizepräsidenten Riek Machar nahestehen, haben am Wochenende die Kontrolle über die Provinz Unity State übernommen, in der ein Großteil des südsudanesischen Öls gefördert wird. Das bestätigten der südsudanesische Armeesprecher und Machar. Dies wurde möglich, weil der Regionalkommandeur der südsudanesischen Armee SPLA für Unity State, General James Koang Choul, zu Machar überlief. Die Ölförderung wurde westlichen Beobachtern am Ort zufolge eingestellt. Die vorrangig chinesischen und malaysischen Ölunternehmen haben begonnen, ihre Mitarbeiter ausfliegen zu lassen. Der südsudanesische Botschafter in Khartum äußerte hingegen, Öllieferungen Südsudans ins Ausland seien durch den Konflikt nicht beeinträchtigt. Allein in Unity State soll es in den vergangenen Tagen Dutzende Tote gegeben haben.

          Den Beteuerungen des südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir und Machars zum Trotz, verhandeln zu wollen, dauern die Kämpfe auch in anderen Teilen Südsudans an. Die Armee begann am Wochenende eine Offensive gegen Machar-Truppen in der Provinz Jonglei. Mutmaßlich wird sie dabei ugandischen Einheiten unterstützt. Am Samstag waren in Jonglei drei amerikanische Flugzeuge beim Landeanflug auf die Stadt Bor beschossen worden und beigedreht. Durch den Beschuss wurden mindestens vier amerikanische Soldaten verletzt, wie das amerikanische Regionalkommando Africom mitteilte. Die südsudanesische Armee warf den abtrünnigen Truppen Machars vor, für den Angriff verantwortlich zu sein.

          Ob es sich bei dem Angriff auf die Kipprotor-Maschinen vom Typ Osprey um absichtlichen Beschuss handelte, ist nicht ganz klar. Die ugandische Luftwaffe fliegt mit Propellermaschinen Truppen zur Unterstützung Kiirs nach Südsudan; möglich ist deshalb, dass der Angriff ihnen gelten sollte. Der amerikanische Präsident Barack Obama sagte, jeder Versuch, die Macht durch militärische Gewalt an sich zu reißen, hätte das Ende der Unterstützung Amerikas und anderer Mitglieder der internationalen Gemeinschaft zur Folge. Obama teilte mit, dass die Bürger seines Landes möglichst rasch aus der Unruheregion ausgeflogen werden. Deutschland hatte seine Bürger bereits ausgeflogen.

          Schleier ethnischer Auseinandersetzungen

          In der vergangenen Woche hatte Präsident Kiir behauptet, einen Putschversuch des von ihm abgesetzten Vizepräsidenten Machar vereitelt zu haben, was Machar zurückwies und seinerseits behauptete, die Anschuldigung sei ein Vorwand für Säuberungsaktionen unter Oppositionellen. Machar äußerte am Samstag von einem geheim gehaltenen Ort aus gegenüber dem Sender BBC indes, die abtrünnigen Milizen kämpften unter seinem Kommando. Machar zeigte sich bereit zu Verhandlungen mit der Regierung, sobald die verhafteten ihm nahestehenden Politiker freigelassen und außer Landes gebracht würden. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief die beiden Kontrahenten am Sonntag auf, eine politische Lösung zu suchen. Den Angaben Bans zufolge haben derzeit mehr als 40000 Menschen Zuflucht in Lagern der Vereinten Nationen in Südsudan gesucht. Die UN bringen alle nicht dringend benötigten Mitarbeiter aus Südsudan ins benachbarte Uganda in Sicherheit. Alle zivilen Mitarbeiter der UN-Mission Unmiss seien aus Bor nach Juba verlegt worden, teilten die UN mit.

          Der politische Machtkampf der beiden im Bürgerkrieg gegen Sudan vormals verbündeten Rebellenkommandeure wird zunehmend unter dem Schleier ethnischer Auseinandersetzungen ausgetragen. Salva Kiir gehört der zahlenmäßig dominierenden Dinka-Ethnie an, der aus Unity State stammende Riek Machar ist Nuer. In den vergangenen Tagen sollen zunehmend auch Zivilisten vor allem der Dinka und Nuer aufeinander losgegangen und getötet worden sein.

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