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Nigeria : Soldaten sollen nach Schülerinnen suchen  

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Videobild der entführten Schulmädchen in Nigeria: Sie seien zum Islam konvertiert, erklärt die Boko Haram Bild: AFP

Bisher suchen die Vereinigten Staaten mit Drohnen und Aufklärungsflugzeugen nach den mehr als 200 von Boko Haram verschleppten Mädchen. Jetzt sollen auch Soldaten von Nigerias Nachbarland Tschad aus helfen.

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          Die Vereinigten Staaten unterstützen die Suche nach den mehr als 200 in Nigeria verschleppten Schülerinnen nun auch mit Bodentruppen. Rund 80 amerikanische Soldaten seien in das Nachbarland Tschad verlegt worden, teilte Präsident Barack Obama am Mittwoch mit. Bislang hatte sich die amerikanische Armee mit Aufklärungsflugzeugen und Drohnen an der Suche der Mädchen beteiligt, die im April von der Islamistengruppe Boko Haram verschleppt wurden.

          Die amerikanische Einheit werde die „Geheimdienst- und Aufklärungsoperation“ im Norden Nigerias und den umliegenden Gebieten unterstützen, hieß es in einem Schreiben Obamas an den amerikanischen Kongress. „Die Kräfte werden im Tschad bleiben, bis ihre Unterstützung bei der Beendigung der Entführung nicht länger benötigt wird.“

          Vergangene Woche hatte das Pentagon bestätigt, dass das amerikanische Militär eine Drohne vom Typ Global Hawk und ein Turbopropflugzeug MC-12 für Aufklärungsflüge in der Region einsetzt. Washington berät die Regierung Nigerias außerdem mit einem Expertenteam, das sich aus Militärangehörigen des amerikanischen Regionalkommandos für Afrika (AFRICOM), FBI-Polizisten sowie Mitarbeitern des Außenministeriums und der amerikanischen Entwicklungshilfebehörde USAID zusammensetzt.

          Die Entführung der Schulmädchen in Nigeria hat die Öffentlichkeit in Amerika stark bewegt. First Lady Michelle Obama hielt zu diesem Thema am 10. Mai erstmals an der Stelle ihres Mannes die wöchentliche Rundfunkansprache. Die Präsidentengattin geißelte dabei die Verschleppung als „skrupellose Tat“ einer Terrorgruppe, die jegliche Bildung für Mädchen verhindern wolle.

          Boko Haram ist für zahlreiche Gewalttaten verantwortlich und bekannte sich auch zur der Entführung der fast 300 Mädchen im nigerianischen Chibok Mitte April. Einige der Mädchen kamen zwischenzeitlich frei. Zuletzt wurde die Zahl der Verschleppten mit 223 angegeben. Mitte Mai bekannte sich der Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau in einem Video zu der Entführung. Er sagte, einige der Geiseln seien inzwischen zum Islam konvertiert. Eine Woche zuvor hatte er gedroht, die Mädchen sollten zwangsverheiratet oder versklavt werden.

          Die Verschleppung schreckte die Weltgemeinschaft auf, seither werden die Aktivitäten von Boko Haram international verstärkt wahrgenommen.

          Die Boko-Haram-Extremisten werden auch als Taliban Nigerias bezeichnet, der Name der Organisation bedeutet übersetzt etwa „westliche Bildung ist Sünde.“ Seit 2009 verübt die Gruppe immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen. Allein in diesem Jahr wurden fast 2000 Menschen bei Angriffen der Gruppe getötet. Boko Haram kämpft für einen islamistischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Die US-Regierung setzte die Gruppe im November 2013 auf ihre Liste „ausländischer Terrororganisationen“.

          Bei einem Krisengipfel in Paris beschlossen Nigerias Präsident Goodluck Jonathan und seine Kollegen aus Kamerun, Niger, Tschad und Benin am 17. Mai einen gemeinsamen Aktionsplan gegen Boko Haram. Auch die nigerianische Regierung, die wegen ihrer zögerlichen Reaktion auf die Entführung in die Kritik geraten war, bekräftigte ihre Entschlossenheit, die Schülerinnen zu finden.

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