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Nigeria : Mehr als 120 Tote bei Anschlag auf Moschee

  • Aktualisiert am

Chaos in Kona: Bei dem Anschlag auf die zentrale Moschee wurden Dutzende getötet und verletzt Bild: AP

Bei einem Anschlag auf die Moschee in der Stadt Kona sollen 120 Menschen getötet worden sein. Ziel war offenbar ein Emir, der zum Widerstand gegen die Terrorgruppe Boko Haram aufgerufen hatte. Die Vereinten Nationen verurteilen die Gewalt.

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          Bei einem verheerenden Sprengstoffanschlag auf die zentrale Moschee in der Stadt Kano im Norden von Nigeria sind am Freitag mehr als 120 Menschen getötet worden. Zudem seien über 270 Menschen verletzt worden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die vorläufigen Zahlen der Rettungskräfte sowie lokale Medienberichte. Es werde befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen werde, weil sich viele der Verletzten in kritischem Zustand befänden. Die Krankenhäuser riefen dringend zu Blutspenden auf.

          Der Anschlag habe vermutlich dem Emir der Stadt, Muhammad Sanusi, gegolten, der sich Medienberichten zufolge jedoch im Ausland aufhielt. Das religiöse Oberhaupt der Stadt hatte kürzlich zum Widerstand gegen die islamistische Terrorgruppe Boko Haram aufgerufen. Obwohl sich zunächst niemand zu der Tat bekannte, wird vermutet, dass die islamistische Terrororganisation für das Attentat verantwortlich ist.

          „Wir wussten, dass etwas passieren würde“

          Augenzeugen zufolge detonierten kurz nacheinander mehrere Bomben, während sich die Muslime zum Freitagsgebet versammelten. Ein Polizeisprecher sagte, zunächst hätten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, bevor mehrere Schützen das Feuer auf die Flüchtenden eröffneten. Vier der Angreifer seien von der aufgebrachten Menschenmenge gelyncht worden, die anderen hätten im Chaos fliehen können. Augenzeugen berichteten, dass Sicherheitskräfte Schüsse abgegeben hätten, um weitere Angreifer abzuschrecken. Der Polizeisprecher schätzte die Zahl der Attentäter auf etwa fünfzehn.

          Die Moschee liegt in unmittelbarer Nähe des Palastes des Emirs. „Seit seiner Attacke auf die Boko Haram wussten wir, dass etwas passieren würde“,erklärte ein Mitarbeiter des Emirs gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Die Sicherheitsvorkehrungen sind schon seit einer Weile verschärft worden.“ Etwa 80 der 170 Millionen Einwohner Nigerias sind Muslime. Der Emir von Kano ist für sie eine religiöse Respektsperson ersten Ranges. Nur der Sultan von Sokoto genießt noch höheres Ansehen.

          Zerstörte Motor- und Fahrräder auf dem zentralen Platz in Kona

          Auch in der einbrechenden Dunkelheit suchten in den Abendstunden noch hunderte Menschen mit Taschenlampen und leuchtenden Handy-Displays unter den Opfern nach Angehörigen. Nigerias Militärsprecher Ikechukwu Eze bestätigte das Attentat gegenüber der Zeitung „Premium Times“, wollte aber keine Opferzahl nennen. Nach dem Blutbad gingen zahlreiche aufgebrachte Jugendliche auf die Straßen und bewarfen Polizei und Regierungsgebäude mit Steinen. Augenzeugen erklärten, Sicherheitskräfte und Soldaten seien erst zu der Moschee gekommen, als die Täter bereits geflohen seien. Der Tatort wurde nach den Unruhen weiträumig abgeriegelt. Die verzweifelte Bevölkerung wirft der Regierung immer wieder vor, nicht genug gegen den Terror zu unternehmen.

          Die Gewalt in Nigeria alarmiert auch die Vereinten Nationen. Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Anschlag. Für Angriffe auf Zivilisten gebe es keine Rechtfertigung. Ban rief die Behörden auf, alles zu tun, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums, Jen Psaki, nannte die Angriffe „abscheulich“.

          Kano ist mit zehn Millionen Einwohnern die größte Stadt im Norden Nigerias. Sie war bereits wiederholt Schauplatz blutiger Anschläge, der schlimmste davon im Januar 2012, als mindestens 185 Menschen starben. Zuletzt waren am 14. November bei einem Selbstmordattentat mindestens sechs Menschen getötet worden. Wenige Stunden vor dem Anschlag in Kano gelang es den Sicherheitskräften in der Stadt Maiduguri, auf einem Markt mehrere Sprengsätze zu entschärfen.

          Die Terrorgruppe Boko Haram führt in der Region seit Jahren blutige Anschläge und Entführungen durch. Ziel sind dabei nicht nur Christen sondern auch immer wieder moderate Muslime. Den Extremisten sind in den vergangenen fünf Jahren bereits Tausende Menschen zum Opfer gefallen. Die Miliz will im Norden des bevölkerungsreichsten Landes in Afrika einen Gottesstaat aufbauen.

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