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Nigeria : Ein Banker wird Oberhaupt der Muslime

  • -Aktualisiert am

Lamido Sanusi Bild: dpa

Der Zentralbankchef sanierte Banken und sorgte für einen Aufschwung der Landeswährung - bis ihn Nigerias Präsident feuerte, weil er Korruption anprangerte. Nun ist Lamido Sanusi zum Emir in Kano ernannt worden.

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          Der ehemalige Chef der nigerianischen Zentralbank, Lamido Sanusi, ist am Sonntag vom Gouverneur des Bundesstaates Kano zum neuen Emir berufen worden. Sein Vorgänger und Onkel Ado Abdullahi Bayero war am vergangenen Freitag im Alter von 83 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Wann Sanusi zum Emir gekrönt wird, steht noch nicht fest.

          Der Emir von Kano ist nach dem Sultan von Sokoto der höchste muslimische Würdenträger des Landes. Verfassungsmäßige Macht besitzt er nicht. Gleichwohl gilt sein Wort aufgrund seiner religiösen Stellung vielfach wie ein Gesetz im Norden Nigerias. Der heute 52 Jahre alte Sanusi hatte unmittelbar nach seiner Berufung zum Chef der nigerianischen Zentralbank durch den damaligen Präsidenten Umaru Yar’Adua im Jahr 2009 hart durchgegriffen, die fünf größten Banken des Landes unter staatliche Aufsicht gestellt und deren Management gefeuert. Die nigerianischen Banken galten als die korruptesten Geldinstitute des Kontinents.

          Sanusi sanierte insgesamt 24 Banken mit Steuergeldern und ordnete den ganzen Finanzsektor neu. Dass nigerianische Banken heute international als vertrauenswürdig gelten und die Landeswährung Naira ihre schwindsüchtige Inflation überwunden hat, ist das vor allem das Verdienst des Zentralbankchefs. Sanusi wurde für seine Arbeit mit zahlreichen Preisen geehrt. Das „Time“-Magazin führte ihn 2011 unter den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt.

          Sanusis steile Karriere fand jedoch ein jähes Ende, als er Anfang dieses Jahres den staatlichen Erdölkonzern „Nigeria National Petroleum Corporation“ (NNPC) beschuldigte, mehr als 20 Milliarden Dollar an Einnahmen unterschlagen zu haben, die offenbar als Schmiergeld in der Politik benötigt wurde.

          Ein politisches Signal

          Präsident Goodluck Jonathan suspendierte den Zentralbankchef mit sofortiger Wirkung im Februar, woraufhin ihm dieser „Ahnungslosigkeit“ über die „kriminelle Energie in seinem direkten Umfeld“ vorwarf. Seither herrscht Eiszeit zwischen dem Präsidenten und seinem ehemaligen Chefbanker. Vor diesem Hintergrund ist Sanusis Ernennung zum Emir von Kano vor allem ein politisches Signal. Jonathan will bei den Wahlen im kommenden Jahr abermals kandidieren, und bislang konnte er sich der Zustimmung des einflussreichen Emirs sicher sein. Mit Sanusis Thronbesteigung dürfte sich das ändern.

          Zwar war bei der Auswahl des Thronfolgers das traditionelle Verfahren eingehalten worden, das heißt vier „Königsmacher“ hatten sich über die vom Hof vorgelegte Liste möglicher Nachfolger gebeugt und anschließend dem Gouverneur des Bundesstaates Kano einen Kandidaten vorgeschlagen. Ganz oben auf der Liste soll der älteste Sohn des verstorbenen Emirs gestanden haben, dem man nachsagt, der Regierungspartei „Peoples’s Democratic Party“ (PDP) nahezustehen.

          Der Gouverneur von Kano aber, Rabiu Kwankwaso, hatte sich im vergangenen Jahr von der PDP abgewandt und war wie etliche andere Gouverneure im Norden Nigerias auch der neuen Oppositionspartei „All Progressives Congress“ (APC) beigetreten. Einer der angegebenen Gründe für den Parteiwechsel war die Unfähigkeit der Zentralregierung, dem Terror von Boko Haram ein Ende zu setzen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

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