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Nigeria : Boko Haram will entführte Mädchen „verkaufen“

  • -Aktualisiert am

Vor schwerem Gerät: Abubakar Shekau verkündet die Versklavung der Mädchen von Chibok. Bild: AFP

Boko Haram hat die Entführung der mehr als 200 Schülerinnen bestätigt. Nigerias Regierung hat bislang keinen Entführer gefunden - dafür aber eine Organisatorin der Protestmärsche zur Rettung der Mädchen verhaften lassen.

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          Die radikal-islamische Sekte Boko Haram hat am Montag die Verantwortung für die Entführung von mehr als 200 Schulmädchen übernommen, die vor drei Wochen aus einem Internat in der Ortschaft Chibok im Norden Nigerias verschleppt worden waren. In einem Video, das der Nachrichtenagentur AFP in Lagos zugespielt wurde, sagte der mutmaßliche Anführer der Sekte, Abubakar Shekau, die Mädchen seien nunmehr „Sklavinnen“, die „verkauft und zwangsverheiratet“ werden sollen. Die Schülerinnen sind zwischen 12 und 17 Jahre alt.

          Gerüchte, wonach die ersten dieser Mädchen bereits für umgerechnet 12 Dollar nach Tschad „verkauft“ worden sein sollen, konnten bislang aber nicht bestätigt werden. Shekau begründete die Entführung mit dem Schulbesuch der Mädchen. Die Ausbildung von jungen Frauen müsse endlich aufhören, sagte der Terrorist sinngemäß. Der Name Boko Haram heißt übersetzt: Westliche Bildung ist Sünde. Die Entführung der Schülerinnen und die Unfähigkeit der Sicherheitskräfte, die Geiseln zu finden und zu befreien, haben inzwischen zu einer politischen Krise in Nigeria geführt. In der Hauptstadt Abuja, der Wirtschaftsmetropole Lagos und der größten Stadt des muslimischen Nordens, Kano, waren in den vergangenen Wochen mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die „Untätigkeit“ der Regierung zu protestieren.

          Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan gab am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Abuja zu, keine Informationen über den Aufenthaltsort der Mädchen zu haben. Er widersprach damit dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte, der behauptet hatte, genau zu wissen, wo die Geiseln festgehalten werden, aber aus Sorge um ihre Unversehrtheit nicht einzugreifen. „Wir haben Flugzeuge und Hubschrauber mit Wärmekameras eingesetzt, sind über alle Orte geflogen, von denen uns gesagt worden war, das seien potentielle Lager der Geiseln, aber gefunden haben wir nichts“, sagte Jonathan. Zu Verhandlungen mit Boko Haram und einer eventuellen Lösegeldzahlung für die entführten Schülerinnen äußerte sich Jonathan ausweichend: „Um Verhandlungen aufzunehmen muss man erst einmal wissen, wer der andere Verhandlungsteilnehmer ist“, sagte er.

          Regierung verhaftet Kritikerinnen

          Unterdessen wurde eine der Organisatorinnen der Protestmärsche der vergangenen Woche nach einer Audienz bei der Ehefrau von Jonathan, Patience Jonathan, am Sonntag unter dem Vorwurf festgenommen, sich fälschlicherweise als Mutter einer der Geiseln ausgegeben zu haben. Das Präsidialamt bestätigte die Festnahme. Dabei hatte Naomi Mutah nach Auskunft der Organisation „BringBackOurGirls“ nie behauptet, Mutter eines Opfers zu sein, sondern sich nur als besorgte Nigerianerin in der Gruppe engagiert. „Die sind einfach nur ahnungslos“, sagte Hadiza Bala Usman, die Gründerin von „BringBackOurGirls“. Frau Bala Usman zeigte auch wenig Verständnis für die Ankündigung von Patience Jonathan, in der kommenden Woche einen Protestmarsch zum Gouverneurspalast von Borno State anzuführen, um gegen die Entscheidung des Gouverneurs zu demonstrieren, die Schule in Chibok offen gehalten zu haben.

          „Wir verwahren uns ausdrücklich gegen politische Spielchen, die das Leben von mehr als 200 Mädchen gefährden“, sagte Hadiza Bala Usman am Montag. Einem Bericht der nigerianischen Tageszeitung „The Punch“ zufolge soll auch die Leiterin der Schule, aus der die Mädchen am 14. April verschleppt worden waren, am Sonntag verhaftet worden sein. Hajiya Asabe Kwabura hatte in den zurückliegenden drei Wochen immer wieder die offenbar falschen Zahlen der Geiseln, mit der die Armee operiert, nach oben korrigiert und die Regierung damit bloßgestellt.

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