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Nigeria : Boko Haram dementiert Waffenruhe

  • Aktualisiert am

Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau (Mitte) spricht über die deutsche Geisel Bild: AFP

Wieder soll sich ein Deutscher in der Gewalt der Islamistengruppe Boko Haram befinden. Deren Anführer bestreitet in einem Video, dass es eine Waffenruhe mit Nigerias Regierung gibt. Die verschleppten Schülerinnen sollen zwangsverheiratet worden sein.

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          Die Islamistengruppe Boko Haram hält nach eigenen Angaben einen im Juli im Nordosten Nigerias entführten Deutschen als Geisel. Das sagte der Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau am Freitag in einem Video, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Shekau bestritt darin auch, dass es eine Waffenruhe mit der Regierung gebe. Zudem sagte er, die im April entführten Schulmädchen seien zum Islam konvertiert und verheiratet worden.

          Der Deutsche leitete ein staatliches Bildungszentrum in der Stadt Gombi und war am 16. Juli von Bewaffneten auf Motorrädern verschleppt worden. Gombi liegt rund 100 Kilometer entfernt von Yola, der Hauptstadt des Bundesstaates Adamawa. Zu der Entführung hatte sich zunächst niemand bekannt. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte sich am Freitag auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern.

          „Wir werden nicht verhandeln“

          Boko Haram hatte in der Vergangenheit wiederholt Ausländer entführt, darunter im Januar 2012 einen deutschen Bauingenieur. Der Mann wurde Wochen später bei einer missglückten Befreiungsaktion getötet. Ein deutscher Mitarbeiter des Bauunternehmens Julius Berger, der vergangene Woche im Süden des Landes entführt worden war, kam dagegen am Donnerstag frei. Ein weiterer Deutscher war bei der Entführung im Bundesstaat Ogun getötet worden.

          Der Boko-Haram-Anführer Shekau bestreitet in dem Video von Freitag, dass es eine Waffenruhe mit der nigerianischen Regierung gebe. Diese hatte am 17. Oktober überraschend erklärt, dass eine Einigung mit Boko Haram erreicht worden sei, die Kämpfe einzustellen und die verschleppten Schulmädchen freizulassen. Shekau sagte nun jedoch, die 219 im April aus dem Ort Chibok verschleppten Schülerinnen seien alle zum Islam konvertiert und verheiratet worden. „Wir haben mit niemandem verhandelt. Es ist eine Lüge, es ist eine Lüge. Wir werden nicht verhandeln. Was gehen uns Verhandlungen an“, sagte Shekau in dem Video, in dem er in Tarnuniform mit schwarzem Turban umgeben von 15 bewaffneten Kämpfern auftritt. Er dementierte auch, den angeblichen Boko-Haram-Unterhändler Danladi Ahmadu zu kennen.

          Nach Darstellung der Regierung dauern die Gespräche mit Danladi in Tschads Hauptstadt Ndjamena an. Bereits zuvor hatte es jedoch Zweifel an der angeblichen Waffenruhe gegeben, da die Angriffe und Entführungen Boko Harams unverändert weitergingen. Zuletzt wurden am Freitag bei einem Bombenanschlag auf einen Busbahnhof in der nördlichen Stadt Gombe mindestens acht Menschen getötet.

          Die sektenartige Extremistengruppe kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit 2009 tötete Boko Haram bei Anschlägen und Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 10.000 Menschen. Weltweit Schlagzeilen machten die Islamisten im April mit der Entführung von 276 Schülerinnen aus Chibok. Ein Teil der Mädchen konnte später fliehen, 219 Mädchen blieben jedoch in der Gewalt von Boko Haram. Die Extremisten hatten zuletzt am 5. Mai ein Video veröffentlicht, in dem die Mädchen gezeigt wurden.

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