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Niger, Mali und Frankreich : Der Preis der Freiheit

  • -Aktualisiert am

Mit Bart: Zwei der vier Freigelassenen am Flughafen von Niamey Bild: REUTERS

Nach der Rückkehr der französischen Geiseln zeichnen sich Vorteile für Nigers Präsidenten und die Tuareg ab. Dies dürfte auch die Verhandlungen mit dem Urankonzern Areva betreffen.

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          Carambolage ist eine spezielle Form des Billards, bei der eine Kugel zwei andere treffen und in Bewegung setzen muss. Carambolage ist anspruchsvolles Billard, weil die drei Kugeln nach jedem Stoß neue Positionen einnehmen, und nur die wahren Meister dieses Spiels können vorhersagen, ob sie vorteilhafter sind als die alten. Die Befreiung der vier französischen Geiseln aus der Gewalt der Islamisten von „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqmi) zu Beginn dieser Woche war ein typisches Carambolage-Spiel.

          Das Queue führte ein 46 Jahre alter Targi aus Niger namens Mohamed Akotey, seines Zeichens Chefunterhändler des nigrischen Präsidenten Mahamadou Issoufou bei den Verhandlungen mit den Geiselnehmern. Akotey gelang es nicht nur, vier Menschen aus unmenschlicher Gefangenschaft zu befreien. Er lieferte dem nigrischen Präsidenten zugleich ein außerordentliches Druckmittel für die Verhandlungen mit dem staatlichen französischen Urankonzern Areva über eine künftige Gewinnbeteiligung an die Hand. Und er sorgte dafür, dass die Tuareg in Mali, die im Frühjahr 2012 einen Krieg vom Zaun gebrochen hatten, ihr neues Image als freundliche Retter in einen politischen Vorteil ummünzen können.

          Mohamed Akotey war seit Beginn des Geiseldramas involviert. Nahezu unmittelbar nach der Entführung der Männer am 16. September 2010 in Arlit betraute der damalige nigrische Putschgeneral Salou Djibo ihn mit der Kontaktaufnahme zu den Geiselnehmern. Das hatte auch mit Akoteys beruflicher Position zu tun: Er ist Aufsichtsratsvorsitzender von Imouraren SA, der nigrischen Tochterfirma von Areva. Die vier Franzosen waren zum Zeitpunkt ihrer Entführung für Areva tätig. Ob Djibo Akotey aussuchte, um sich im Falle eines Scheiterns aus der Schusslinie nehmen und alles auf einen Areva-Mann abwälzen zu können, ist indes strittig. Gleichwohl versicherte sich im April 2011 der frisch gewählte nigrische Präsident Issoufou ebenfalls der Dienste des Mannes, weil er nichts zu verlieren und viel zu gewinnen hatte. Sollte Akotey scheitern, hätte die nigrische Regierung behaupten können, es immerhin versucht zu haben. Sollte Akotey Erfolg haben, wäre der Areva-Konzern dem nigrischen Präsidenten zu Dank verpflichtet. Denn die nigrische Regierung streitet sich seit geraumer Zeit mit den Franzosen über höhere Tantiemen aus der Förderung von Uran in der Mine von Arlit. Areva weigert sich hartnäckig, die Forderung der Regierung zu erfüllen.

          Die französischen Dienste nicht eben erfolgreich

          Akotey, ein Targi aus dem mächtigen Ifoghas-Clan, hatte zu diesem Zeitpunkt, im April 2011, bereits Kontakt zu Abou Zaid, dem Chef von „Aqmi“. Er war einfach in die Hochburg der Ifoghas in Kidal im Nordosten Malis gereist und hatte seine Verwandtschaft um Hilfe gebeten. Die Geiselnehmer hockten gleich nebenan. Doch der Algerier Abou Zaid wollte nicht mit Akotey verhandeln, weil der damalige malische Präsident Amadou Toumani Touré bereits Iyad Ag Ghaly zum Verhandlungsführer ernannt hatte - denselben Ghaly, der im Jahr 2003 bei der Befreiung einer deutschen Reisegruppe aus der Gewalt der algerischen „Groupe Salafiste pour la Prédiction et le Combat“ (GSPC) vermittelt hatte, die sich kurz darauf in Aqmi umbenannte.

          Ghaly, der spätere Führer der Islamistengruppe Ansar al Dine, und Zaid hatten nicht vor, über Lösegeld zu reden. Sie planten einen Krieg gegen die malische Regierung. Das ahnte aber niemand in jenem Frühjahr 2011, als Akotey zu Abou Zaid vorgelassen wurde. Akotey nahm die Zurückweisung hin, eine Wahl hatte er ohnehin nicht: Ghaly ist eine Respektsperson innerhalb des Ifoghas-Clans, die er nicht einfach ignorieren konnte. Immerhin bestätigte der Terrorführer Zaid dem Targi aus Niger schriftlich, dass er gerne ab und an vorbeischauen dürfe.

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