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Nelson Mandelas Geburtsort : Geier über Qunu

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Hier schließt sich ein Kreis: Nelson Mandelas Wohnhaus in seinem Geburtsort Qunu im Osten Südafrikas Bild: Getty Images

Nelson Mandela hat sich schwer krank in seinen bitterarmen Geburtsort zurückgezogen. Derweil planen einige Angehörige längst die Zeit nach seinem Tod.

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          Zimisele Gamakhulu deutet mit seinem Arm mal hierhin, mal dorthin: da hinten habe Nelson Mandela vor 80 Jahren als Junge die Kühe geweidet. Und dort drüben, am Fluss, habe er sie getränkt. Gamakhulu ist Museumsführer, und weil in dem Nelson-Mandela-Museum in Qunu nichts zu sehen ist, was es nicht besser und ausführlicher im Apartheid-Museum im fernen Johannesburg zu sehen gibt, hat sich Gamakhulu auf die historische Deutung der umliegenden Landschaft verlegt: sanfte Hügel, auf denen ein paar bunt bemalte Rundhütten verstreut sind, dazwischen die obligatorische Armee von Ziegen und scheinbar herrenlosen Kühen. Am Hang unterhalb des Museums arbeitet sich ein qualmender Lastwagen durch den Schlamm, bis er endlich stecken bleibt.

          Hier also hat alles begonnen: Im Hinterland der Transkei, einer Region, die während der Apartheid ab 1963 als sogenanntes Homeland eingeschränkte Autonomie genoss. In diesem von Subsistenzwirtschaft und bitterkalten Wintermonaten geprägten Landstrich, dem angestammten Siedlungsgebiet der Ethnie der Xhosa, wurde einer der größten Männer der Gegenwart geboren. Ein Mann, der als politischer Häftling zu einer Ikone für die Freiheit wurde, der nach seinem Aufstieg zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes Versöhnung statt Rache predigte und dafür mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde. Und hier, in dieser Einöde, soll sich für diesen großen Mann der Kreis schließen. Qunu ist der Alterssitz von Mandela.

          Eine glückliche Kindheit

          Einer der Punkte, die in Zimisele Gamakhulus Programm deshalb nicht fehlen dürfen, ist das Haus, das Mandela seit seinem endgültigen Umzug nach Qunu 2011 bewohnt, auch wenn davon nur das Dach zu sehen ist. Die Villa ist eine exakte Kopie der Dienstwohnung des stellvertretenden Direktors der Victor-Veston-Haftanstalt von Franchhoek. Dorthin war der inhaftierte Mandela Ende der achtziger Jahre verlegt worden, weil das Apartheidregime eine „adäquate“ Umgebung für die Verhandlungen über die Machtübergabe suchte. Dass sich einer ein Gefängnishaus nachbauen lässt, ist schon seltsam genug, aber warum auch noch unmittelbar an die lärmende Schnellstraße? „Weil es da einen Wasseranschluss gibt“, sagt Zimisele Gamakhulu. Wasser wird in dem 2000-Seelen-Kaff ansonsten im Fluss geschöpft, die Stromversorgung ist wackelig, in die Regionalstadt Mthata sind es 25 Kilometer in klapprigen Sammeltaxis. Seitdem es 2006 eröffnet wurde, ist das Nelson-Mandela-Museum der größte Arbeitgeber im Ort.

          Südafrikas Ikone für die Freiheit: Nelson Mandela

          Es ist schon erstaunlich, dass nahezu alle großen Namen der ehemaligen Befreiungsbewegung und heutigen Regierungspartei „African National Congress“ (ANC) aus der Transkei stammen, das gesamte Ostkap aber nach wie vor die ärmste und rückständigste Gegend Südafrikas ist. Walter Sisulu, der Mann, der Nelson Mandela entdeckte und förderte, stammt aus Qutubeni, rund 100 Kilometer von Qunu entfernt. Chris Hani wurde ebenso im Ostkap geboren wie die beiden Mbekis: Govern Mbeki, der zusammen mit Mandela auf der Gefangeneninsel Robben Island in Haft saß, und sein Sohn Thabo Mbeki, der Mandela als Präsident nachfolgte. Und dennoch hat sich für die Menschen im Ostkap seit dem Ende der Apartheid 1994 nicht viel geändert. Jobs gibt es keine, die medizinische Versorgung ist weit weg und nahezu unerschwinglich. In Qunu findet man Arbeit nur im Museum, in der Tankstelle, in den zwei Grundschulen oder dem Krämerladen. Mehr Betriebe existieren nicht.

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