https://www.faz.net/-gq5-7adzs

Nelson Mandela ist tot : Ikone der Freiheit

  • -Aktualisiert am

Freiheitsikone

Mandela war ein Politiker, der wie kaum ein anderer schon zu Lebzeiten eine Legende geworden war und der in seinem beständigen Bemühen um friedlichen Ausgleich und Versöhnung nur mit dem Inder Mahatma Gandhi zu vergleichen ist. 27 Jahre lang war der Jurist und Freiheitskämpfer unter dem Apartheidregime in Südafrika eingekerkert. 17 Jahre davon verbrachte er auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island in der Bucht von Kapstadt. Anfang 1990 war Mandela nach fast fünf Jahre dauernden Verhandlungen mit dem Apartheidregime über einen friedlichen Machtwechsel und ein Ende der Rassentrennung freigelassen worden. Bei den ersten freien Wahlen in Südafrika im Jahre 1994 wurde Mandela erwartungsgemäß zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Ein Jahr zuvor, 1993, hatte er zusammen mit dem letzten Präsidenten des Apartheidregimes, Frederik de Klerk, den Friedensnobelpreis erhalten.

Dabei hatte sich Südafrika in der Zeit der Verhandlungen zwischen der Befreiungsbewegung ANC und der Apartheidregierung am Rande eines Bürgerkrieges gewähnt. Dass es nicht dazu kam, war zwar nicht alleine Mandelas Verdienst, sondern auch das der Repräsentanten des alten Regimes wie eben de Klerk. Gleichwohl war es Mandelas glaubwürdige Versicherung, nach einem halben Leben in Gefangenschaft seinen Peinigern zu vergeben, die die gesamte Nation beeindruckte. Noch am Tag seiner Freilassung, dem 11. Februar 1990, forderte er „alle, die die Apartheid aufgegeben haben“ zur „Mitarbeit in einem neuen Südafrika“ auf.

De Klerk: Zusammenarbeit mit Mandela "eine Ehre"

Nach Mandelas Tod sagte de Klerk, er habe die Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Nationalhelden als Auszeichnung empfunden. Es sei eine Ehre für ihn gewesen, gemeinsam mit Mandela auf die ersten demokratischen Wahlen in dem Land im Jahr 1994 hinzuarbeiten. „Auch wenn wir politische Rivalen waren und unser Verhältnis häufig hitzig war, wir waren immer in der Lage, in kritischen Momenten zueinanderzufinden, um die vielen Krisen zu lösen, die bei dem Verhandlungsprozess entstanden.“

Nach seinem Wahlsieg war Mandela so klug, die laufenden Geschäfte den Jüngeren zu überlassen, namentlich Thabo Mbeki, der bis zu den Wahlen 1999 mit de Klerk zusammen das Amt des Ministerpräsidenten ausübte und Mandela als Präsident nachfolgte.

Trotz des hohen Ansehens, das Mandela national wie international besaß, war er innerhalb des ANC nicht unumstritten. Speziell die radikaleren Elemente waren enttäuscht von der ihrer Meinung nach zu langsamen Verbesserung ihrer sozialen Lage. Mandela und sein Nachfolger Mbeki wurden indes nicht müde, vor radikalen Schritten zu warnen, weil diese zu Kapitalflucht und dem wirtschaftlichen Niedergang Südafrikas geführt hätten.

Politisch war Mandela seit vielen Jahren nicht mehr aktiv. Obgleich ihm immer noch eine bedeutende Rolle innerhalb des ANC zugesprochen wurde, verblasste diese spätestens nach seiner Videobotschaft auf dem ANC-Parteitag in Polokwane im Dezember 2007, wo es zu einem bitteren Machtkampf zwischen dem damaligen ANC-Präsidenten Thabo Mbeki und seinem Rivalen Jacob Zuma gekommen war. Mandela forderte Zusammenhalt, unterließ es aber, eine Empfehlung für einen der beiden auszusprechen.

Weitere Themen

G7-Gipfel einigt sich auf Hilfe für Amazonas-Brandgebiete Video-Seite öffnen

Noch keine konkreten Maßnahmen : G7-Gipfel einigt sich auf Hilfe für Amazonas-Brandgebiete

Ungeachtet anhaltender Spannungen in wichtigen politischen Fragen haben sich die G7-Staaten bei ihrem Gipfel in Biarritz auf einen gemeinsamen Gegner einigen können: die Feuer im Amazonasgebiet. Die sieben westlichen Industriestaaten seien überein gekommen, den betroffenen Staaten „so schnell wie möglich“ Unterstützung zukommen zu lassen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Topmeldungen

Der Faktor Wohnen wird von den meisten Menschen in der Klimadebatte übersehen. Dabei produzieren vor allem Warmwasser und Heizungen große Kohlendioxid-Emissionen.

Wohnen und Heizen : Das ist Deutschlands Klimakiller Nr. 1

Kaum jemand will wahrhaben, dass wir mit unseren Wohnungen dem Klima mehr schaden als mit Steaks und Flugreisen. Einige Länder reagieren darauf – während sich die Politik in Deutschland nicht einigen kann.

Biarritz : Irans Außenminister überraschend beim G-7-Gipfel

Eine Überraschung für die Teilnehmer: Dschawad Zarif ist in Biarritz eingetroffen. Er trifft dort mit seinem französischen Amtskollegen und Präsident Emmanuel Macron zusammen – laut dem iranischen Außenamtssprecher aber nicht mit der amerikanischen Delegation.
Gemeinsame Geste: Mattarella und Steinmeier in Fivizzano

Deutsche Kriegsverbrechen : Verantwortung ohne Schlussstrich

In Fivizzano haben Nationalsozialisten im Jahr 1944 Massaker an der Bevölkerung verübt. Bundespräsident Steinmeier redet über frühere Greuel – und heutige Gefahren.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.