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Nairobi : Explosionen und Schüsse im besetzten Einkaufszentrum

  • Aktualisiert am

Am Montag war eine Explosion zu hören und schwarzer Rauch stieg über dem Westgate-Einkaufszentrum auf Bild: REUTERS

Drei Tage nach dem Überfall auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi drohen die islamistischen Extremisten mit der Tötung der Geiseln, sollte der Komplex von Sicherheitskräften gestürmt werden.

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          In dem von somalischen Islamisten gestürmten Einkaufszentrum in Nairobi sind am frühen Montagnachmittag erneut Explosionen und Schüsse zu hören gewesen. Anschließend stieg dichter schwarzer Rauch auf, der mehrere Kilometer weit zu sehen war, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Demnach gab es „mindestens drei Explosionen“ und „intensives Gewehrfeuer“.

          „Wir haben es geschafft, einige Geiseln zu befreien“, gab Polizeichef David Kimaiyo nach dem Beginn des Einsatzes über Twitter bekannt. Die Operation sei aber noch nicht abgeschlossen, auch seien nicht alle Geiseln frei. Sicherheitskräfte im Gebiet um das mehrstöckige Westgate-Einkaufszentrum forderten Journalisten und Rettungsteams auf, sich in Sicherheit zu bringen. Krankenwagen waren unterwegs zu den Stellen des Gebäudekomplexes, wo die Explosionen zu hören waren.

          Drei Tage nach dem Überfall auf das Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi würden die Geiselnehmer nun eingekesselt, teilte der Chef der örtlichen Polizei, David Kimaiyo, mit. In einem am Montag im Internet veröffentlichten Video hatte ein Sprecher der somalischen Al-Schabaab-Miliz verkündet, dass die Geiseln getötet würden, sollten kenianische und israelische Truppen das Gebäude gewaltsam stürmen. Immer wieder waren aus dem Einkaufszentrum heftige Schusswechsel und Explosionen zu hören. Ein Mitarbeiter des kenianischen Roten Kreuzes sagte, es komme in dem Komplex offenbar zu Gefechten.

          Verdächtiger auf dem Flughafen festgenommen

          Unterdessen geht der Einsatz von Eliteeinheiten zur Befreiung der Geiseln weiter. Die Polizei habe einen Verdächtigen festgenommen, der mit der Attacke in Zusammenhang stehen soll, berichteten kenianische Medien. Der 33 Jahre alte Mann sei kürzlich zum Islam übergetreten. Er lebe in Meru im Osten des Landes und sei gefasst worden, als er gerade ein Flugzeug in die Türkei besteigen wollte.

          Insgesamt kamen bei dem Angriff auf das Westgate-Einkaufszentrum mindestens 68 Menschen ums Leben, darunter auch Franzosen, Briten, Diplomaten aus Kanada und Ghana sowie weitere Ausländer. Die kenianische Armee hatte zuvor nach eigenen Angaben die Mehrzahl der von den Angreifern festgehaltenen Geiseln befreit. Unklar ist, wie viele Menschen neben den zehn bis 15 Attentätern noch in dem Gebäude sind. Ein Armeesprecher sagte, es handle sich um eine „sehr kleine Zahl“. Verhandlungen mit den Angreifern lehnte er ab. Die somalischen Extremisten forderten einen Abzug der kenianischen Truppen aus dem Nachbarland, das wies Kenias Präsident Uhuru Kenyatta jedoch zurück. Zur Frage, ob Geiseln mit Sprengstoffgürteln ausgestattet wurden, äußerte er sich nicht.

          Hilfsangebote aus Amerika und Israel

          Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag unterbrach wegen der Krise den Prozess gegen Kenias Vizepräsident William Ruto für eine Woche, damit Ruto in sein Heimatland zurückkehren konnte. Ihm werden genauso wie Kenyatta Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Sie sollen nach der umstrittenen Wahl 2007 eine Gewaltwelle in Gang gebracht haben.

          Das Attentat ist das folgenschwerste in Kenia seit dem Bombenanschlag auf die amerikanische Botschaft in Nairobi 1998, bei dem mehr als 200 Menschen starben. Barack Obama bot der Regierung in Nairobi seine Unterstützung an. Auch Israel erklärte sich hilfsbereit.

          Immer noch ist unklar, um wen es sich genau bei den Angreifern handelt. Für die Al-Schabaab-Milizen kämpfen Tausende somalische Islamisten, aber auch Ausländer. Die Angreifer haben in dem Einkaufszentrum Zugang zu einem großen Supermarkt. Das bedeutet, dass sie einer Belagerung möglicherweise lange Zeit standhalten könnten.

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