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Nach Massenprotesten : Präsident von Burkina Faso zurückgetreten

  • Aktualisiert am

Demonstranten im Parlament von Burkina Faso Bild: Reuters

Seit 27 Jahren war Präsident Blaise Compaoré in Burkina Faso an der Macht. Per Verfassungsänderung wollte er sich eine weitere Amtszeit ermöglichen. Nach tagelangen Protesten hat er nun aber sein Amt niedergelegt.

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          In Burkina Faso ist Präsident Blaise Compaoré am Freitag nach Massenprotesten zurückgetreten. Er war seit 27 Jahren an der Macht. Eine Rücktrittserklärung wurde im staatlichen Fernsehen verlesen. Minuten zuvor hatte General Honoré Traoré vor Zehntausenden Demonstranten in der Hauptstadt Ouagadougou Compaorés Amtsniederlegung verkündet.

          In den kommenden 60 bis 90 Tagen sollen Neuwahlen stattfinden. Unklar ist, wer den westafrikanischen Staat bis dahin führen soll. Compaoré hatte am Donnerstag General Traoré zum Regierungschef ernannt.

           Blaise Compaoré im Juli Bilderstrecke
          Blaise Compaoré im Juli :

          „Im Bestreben, die demokratischen Errungenschaften und den sozialen Frieden zu erhalten (...), gebe ich ein Machtvakuum bekannt, um zu ermöglichen, dass eine Übergangszeit eingeleitet wird, die zu freien und transparenten Wahlen in einem Zeitraum von 90 Tagen führt“, hieß es in einer im Fernsehsender BF1 von einer Journalistin verlesenen offiziellen Erklärung.

          Compaoré, der sich 1987 an die Macht geputscht hatte, war seit 1991 offiziell Präsident des bitterarmen Binnenstaates. Sein Aufenthaltsort war zunächst unklar, jedoch gab es Berichte, wonach er in den Süden des Landes geflohen sein soll.

          Nach schweren Unruhen hatte er am Donnerstag angekündigt, auf eine weitere Amtszeit zu verzichten und von einer geplanten Verfassungsänderung abzusehen. Jedoch hatte er betont, bis zu den Wahlen im November 2015 einer Übergangsregierung vorstehen zu wollen.

          Danach hatten sich am Freitag abermals Zehntausende aufgebrachte Menschen in der Hauptstadt Ouagadougou versammelt. In anderen Landesteilen gingen die Menschen ebenfalls auf die Straße. Dabei blieb es Augenzeugen zufolge friedlich. Teile des Militärs unterstützten offenbar die Demonstranten.

          Nach Angaben der Opposition waren bei blutigen Unruhen am Donnerstag mindestens 30 Menschen getötet und 100 weitere verletzt worden. Die Polizei hatte mit scharfer Munition in die Menge geschossen.

          Auslöser der Proteste war der Plan Compaorés, die Verfassung zu seinen Gunsten ändern zu lassen. Dies hätte es ihm ermöglicht, sich auch im nächsten Jahr abermals zur Wahl zu stellen. Das Agrarland Burkina Faso mit etwa 17 Millionen Einwohnern ist eines der ärmsten Länder der Welt.

          Nach der Verkündung des Rücktritts brandete Jubel auf dem Platz der Nationen in der Hauptstadt auf, wo sich die Protestbewegung seit dem Morgen versammelt hatte.

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