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Muslime gegen Christen : Ratlos in Zentralafrika

  • -Aktualisiert am

Volle Deckung: Eine fliehende Frau und französische Soldaten während eines Feuergefechts in Bangui. Bild: AP

Ein neues Massaker von Séléka-Rebellen an Christen in der zentralafrikanischen Republik zeigt, dass die Gefahr trotz des französischen Einsatzes noch lange nicht gebannt ist.

          Was sich am Montag in der zentralafrikanischen Ortschaft Boda abgespielt hat, ist nach wie vor nicht klar. Fest steht nur, dass wieder einmal viele Menschen eines gewaltsamen Todes starben, weil sie der falschen Religion angehörten. Nach Angaben eines lokalen Geistlichen sollen mehr als 70 Menschen, ausnahmslos Christen, von muslimischen Rebellen der Séléka massakriert worden sein - jener Rebellengruppe, die im März vergangenen Jahres den inzwischen gestürzten Putschisten Michel Djotodia an die Macht brachte und von der man geglaubt hatte, sie sei seit dem Eingreifen französischer Truppen in der Zentralafrikanischen Republik mehr oder weniger kaserniert und entwaffnet worden.

          Doch was der Priester von Boda, Cassien Kamatari, den Polizisten in einem Nachbarort erzählte, klingt nicht nach Niederlage. Demnach hätten die Rebellen den Ort umzingelt, die Zufahrtsstraßen und damit die Fluchtwege blockiert und damit begonnen, Christen zu ermorden - als Reaktion auf die zahlreichen an Muslimen verübten Greueltaten der christlichen Wehrgruppen „Anti-Balaka“.

          Das Massaker von Boda war nicht der erste und vermutlich auch nicht der letzte Überfall der Séléka auf ein ungeschütztes Dorf. Ende vergangener Woche war eine große Gruppe Rebellen in die Ortschaft Sibut eingefallen und hatte dabei die Soldaten der Eingreiftruppe der Afrikanischen Union Misca (Mission internationale de soutien à la Centrafrique sous conduite africaine) zumindest vorübergehend in die Flucht geschlagen. Diese Séléka-Gruppe war von einem alten Bekannten kommandiert worden: Mamadou Rakis, ehemaliger stellvertretender Polizeichef des Landes von Djotodias Gnaden. Rakis war maßgeblich an den Massakern der Séléka in den zurückliegenden zwölf Monaten beteiligt. Er hat sie teilweise angeordnet. Warum ein solcher Mann frei herumläuft, anstatt von den Misca-Soldaten verhaftet zu werden, ist schleierhaft. Zwei Tage nach der Eroberung von Sibut meldete das gabunische Kontingent der Misca, die Stadt sei „zurückerobert“ und die Séléka-Rebellen „unter Kontrolle“ gebracht worden. Von Rakis aber fehlte wieder jede Spur.

          UN: Brauchen 10.000 Soldaten

          Angesichts der anhaltenden Gewalt ist es schwer vorstellbar, dass die Bürger dieses Land in absehbarer Zeit wieder zu einem friedlichen Miteinander finden könnten. Die neue Präsidentin der Zentralafrikanischen Republik, Cathérine Samba-Panza, fleht inzwischen fast täglich um mehr ausländische Soldaten. Die 500 Soldaten der beschlossenen europäischen Militärmission werden aber vermutlich keine große Wirkung bei der Eindämmung der Gewalt entfalten, denn auch die Offiziere der französischen Militärmission „Sangaris“ haben inzwischen offen zugegeben, dass ihre 1600 Soldaten es kaum schaffen, auch nur die Hauptstadt Bangui halbwegs zu sichern.

          Was sich in den ländlichen Gebieten abspielt, dringt meist nicht einmal bis in die Metropole durch. Die Vereinten Nationen schätzen, dass mindestens 10.000 Soldaten vonnöten wären, um das Land zu befrieden. Derweil tut sich die Afrikanische Union (AU) schwer, die zugesagte Truppenstärke von 6000 Soldaten für Misca bereitzustellen. Bislang sind es knapp 5000 afrikanische Soldaten, die in die Zentralafrikanische Republik entsandt wurden. Von diesen gehen aber lediglich die Truppen Ruandas offensiv gegen die Gewalttäter vor.

          410 Millionen Dollar kostet Misca pro Jahr bei voller Truppenstärke. Bei ihrem letzten Gipfeltreffen am vergangenen Wochenende in Addis Abeba konnten die afrikanischen Staats- und Regierungschefs aber nur 315 Millionen Dollar auftreiben, davon 34 Millionen Dollar von der Europäischen Union. Der größte Teil - 100 Millionen Dollar - kommt von der zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (CEEAC), ein Zusammenschluss von zehn Nationen, dem auch die Zentralafrikanische Republik angehört. „Wir müssen dieses Land auch deshalb unbedingt stabilisieren, um zu zeigen, dass wir als Kontinent mit solchen Krisen umgehen können“, erklärte der Präsident von Kongo-Brazzaville, Denis Sassou-Nguesso, den hohen Beitrag der zentralafrikanischen Länder. In anderen afrikanischen Ländern scheint man diese Meinung allerdings nicht zu teilen. Südafrikas Beitrag beispielsweise beläuft sich auf gerade einmal eine Million Dollar.

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