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Mord an Journalisten in Mali : Entsetzen in Paris - Hollande beruft Krisensitzung ein

  • Aktualisiert am

Unbekannte haben zwei französische Radioreporter erschossen. Bild: reuters

Frankreichs Präsident Hollande hat nach der Ermordung zweier Journalisten in Mali eine Krisensitzung einberufen, um über die Lage in dem zu Jahresbeginn von Terroristen befreiten Mali zu beraten.

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          Die Ermordung von zwei Journalisten des französischen Auslandsradiosenders Radio France Internationale (RFI) im Norden Malis erschüttert Frankreich. Präsident François Hollande berief am Sonntag eine Krisensitzung ein, um über die Lage in dem zu Jahresbeginn von Terroristen befreiten Land zu beraten. „Die Mörder sind diejenigen, gegen die wir kämpfen, Terrorgruppen, die Demokratie und Wahlen ablehnen“, sagte Außenminister Laurent Fabius. Hollande nannte die Tat „verabscheuungswürdig“.

          Die beiden RFI-Korrespondenten Ghislaine Dupont und Claude Verlon, zwei ausgewiesene Afrikakenner, waren am Samstag in der nordmalischen Stadt Kidal entführt und wenige Stunden später tot aufgefunden worden. Fabius sagte am Sonntag, die beiden Journalisten seien durch Schüsse getötet worden. Der malische Präsident Ibrahim Boubacar Keïta teilte Frankreich die Anteilnahme des malischen Volkes mit. Bei der Krisensitzung im Elysée-Palast stand die Sicherheitslage im Norden Malis im Mittelpunkt. Der Leiter des Auslandsgeheimdienstes DCSE, Bernard Bajolet, soll in der vertraulichen Sitzung mangelnde Fortschritte bei der Stabilisierung im Norden Malis beklagt haben.

          Mord schon vor dem Eintreffen der Armee

          Die beiden Journalisten waren am Samstagmittag in Kidal unmittelbar nach einem Interview mit Ambéry Ag Rhissa, einem prominenten Mitglied der Tuareg-Rebellengruppe „Mouvement National de Libération de l’Azawad“, verschleppt worden. Nach Angaben von Rhissa sprachen die Entführer Tamaschek, die Sprache der Tuareg. Die französische Armee, die in Kidal einen Außenposten mit 200 Soldaten unterhält, hatte kurz danach eine motorisierte Patrouille entsandt sowie zwei Hubschrauber, die allerdings aus Tessalit kamen, rund 250 Kilometer von Kidal entfernt.

          Zwei Stunden nach der Entführung fanden französische Soldaten die Leichname der beiden Journalisten rund zehn Kilometer außerhalb von Kidal. Nach Angaben des Sprechers des französischen Generalstabes haben weder die motorisierte Patrouille noch die Besatzungen der Hubschrauber „visuellen oder physischen Kontakt“ zu den Entführern gehabt. Damit scheidet ein Erklärungsversuch für den Doppelmord, nämlich dass die Entführer ihre Opfer töteten, als sie von der französischen Armee in die Enge getrieben worden waren, aus.

          Unklar ist ebenfalls, ob es einen Zusammenhang mit der Ermordung der beiden Journalisten und der Freilassung von vier französischen Geiseln aus der Gewalt der Islamistengruppe „Al Qaida im islamischen Maghreb“ Anfang voriger Woche gibt. Für die Freilassung soll nach Informationen französischer Medien und malischer Quellen ein Lösegeld zwischen 20 und 25 Millionen Euro bezahlt worden sein. In der Region von Kidal hatte sich die Nachricht von dem horrenden Lösegeld für entführte Europäer wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Die exekutionsartige Ermordung von Dupont und Verlon spricht aber gegen eine misslungene, rein finanziell motivierte Entführung, vielmehr für ein politisches Attentat.

          RFI ist die mit Abstand wichtigste und populärste Informationsquelle im frankophonen Afrika; ihre Berichterstattung wird indes häufig als „auf Linie“ mit der aktuellen französischen Außenpolitik kritisiert. Dagegen wehren sich die RFI-Journalisten seit Jahren. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie mitunter als Repräsentanten des französischen Staates betrachtet werden.

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