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Moçambique : Böses Spiel

  • -Aktualisiert am

Das Reisen auf den Überlandstraßen ist gefährlich geworden, oft wird dort wahllos geschossen Bild: Obie Oberholzer/laif

In Moçambique kehrt die Gewalt zurück. Die frühere Rebellenpartei Renamo hat den geltenden Friedensvertrag aufgekündigt. Überfälle und Ausschreitungen sorgen auf den Straßen für Unsicherheit.

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          Eine aufgegrabene Straße hindert den Bus an der Weiterfahrt, und sobald er stoppt, wird wahllos das Feuer eröffnet. Auf der Estrada National 1 in Moçambique sind solche Zwischenfälle seit nunmehr fast zwei Monaten wieder beinahe zur Regel geworden – Zwischenfälle, von denen Beobachter geglaubt hatten, das Land hätte sie längst hinter sich gelassen. Erst vor wenigen Tagen starben wieder zwei Menschen bei einem Überfall nach diesem Muster. Inzwischen sichert die Armee die Konvois auf der wichtigsten Überlandstraße des Landes.

          Die neue Welle der Gewalt in Moçambique ist politisch motiviert. Deshalb trifft sie das Land ins Mark. Die ehemalige Bürgerkriegspartei Renamo („Resistência National Moçambicana“) hat den seit 1992 geltenden Friedensvertrag aufgekündigt. Sie übt sich seither in Guerrilla-Überfällen, und keiner im Land weiß so genau, warum. Es ist von „Benachteiligung“ die Rede und von der „Arroganz“ des ehemaligen Bürgerkriegsgegners Frelimo („Frente de Libertação de Moçambique“), der seit 1992 das Land regiert. Was man eben so sagt, um das Abschlachten von Menschen zu rechtfertigen. Vermutlich geht es nur um Geld.

          Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West

          Einundzwanzig Jahre ist es her, dass Moçambique nach einem verheerenden Bürgerkrieg Frieden mit sich selbst geschlossen hat. Wobei das sechzehn Jahre dauernde Gemetzel nie ein Krieg der Bürger war, sondern vielmehr ein Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West – weltpolitisch gesehen. Auf der einen Seite kämpfte die marxistische Frelimo mit ihren Militärberatern aus der DDR, auf der anderen die Renamo mit der Unterstützung des damals noch unter dem Joch der Apartheid stehenden Südafrikas. Als der Eiserne Vorhang fiel und sich in Südafrika ein Ende der Apartheid abzeichnete, stürzte der Krieg in Moçambique in sich zusammen. Renamo und Frelimo schlossen Frieden und stellten bei der Gelegenheit fest, dass sie so viel nun auch wieder nicht trennte. Die Frelimo gewann die Wahl 1992, und die Renamo übernahm ohne Protest die Rolle der Opposition. Es waren gute Voraussetzungen für einen Neuanfang.

          Seither geht es rasant aufwärts für das ehemalige Hungerland. Moçambique hat sich von einem minenverseuchten Trümmerfeld zum afrikanischen Liebling ausländischer Großinvestoren entwickelt. Das Wirtschaftswachstum beträgt seit vielen Jahren beständig über sieben Prozent. Das hat in erster Linie mit den großen Rohstoffvorkommen zu tun: Steinkohle und Erdgas. Rio Tinto, Halliburton, Ena, Statoil – alle großen Konzerne stehen Schlange, um Konzessionen zu ergattern.

          Auf dreizehn Milliarden Tonnen werden die Kohlevorkommen in der nördlichen Provinz Tete geschätzt, womit sie zu den größten der Welt zählen. Der brasilianische Konzern Vale, der mit Abstand größte Investor in Tete, ist davon überzeugt, dass seine Mine in Moatize alsbald die höchsten Erträge der Welt erzielen wird. Von den dann jährlich bis zu 24 Millionen geförderten Tonnen Kohle soll der größte Anteil nach Indien und China verschifft werden. Das amerikanische Geological Survey Institute schätzt die von 2015 an exportierte jährliche Menge an Steinkohle aus dem Tete-Becken sogar auf mehr als 40 Millionen Tonnen.

          Koffer packen für den Neuanfang

          Die Ausbeutung der riesigen Erdgasvorkommen des Landes steht erst noch bevor. Die Erdgasmenge im Rovuma-Becken vor der Küste der Provinz Cabo Delgado wird auf 100 Billionen Kubikfuß geschätzt, das ist mehr als in Kuweit. Moçambique ist drauf und dran, einer der größten Gasexporteure der Welt zu werden – und eines der reichsten Länder des afrikanischen Kontinents. Das hat sich auch bis nach Lissabon herumgesprochen, wo arbeitslose Akademiker zu Tausenden die Koffer packen, um im fernen Maputo einen Neuanfang zu wagen.

          Vor wenigen Wochen aber kam die Gewalt mit Macht zurück. Das bahnte sich schon früher an, Ende vergangenen Jahres, als der Renamo-Anführer Afonso Dhlakama mit rund 260 „Leibwächtern“ zurück in den Busch ging. Dhlakadama, der seit Jahren eine Politik der Totalverweigerung pflegt und die Renamo damit in die Bedeutungslosigkeit geführt hat, drohte, das Land „anzuzünden“, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden. Wie die allerdings aussehen, darüber schweigt er sich bis heute aus.

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