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Militärschläge in Somalia und Libyen : Nadelstiche genügen nicht

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Mit der Festnahme Anas Al Libis in Libyen haben die Amerikaner einen weiteren Teil der „alten Qaida“ Usama Bin Ladins ausgeschaltet. Eine Kommandoaktion in Somalia hingegen schlug fehl. Kann durch vereinzelte Militärschläge der heutige Terror beseitigt werden?

          Spezialkräften der amerikanischen Kriegsmarine ist ein Schlag gegen den islamistischen Terror gelungen. Wenn es stimmt, dass der in Libyen gefasste Anas al Libi für die Bombenanschläge auf die beiden amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam im Jahr 1998 verantwortlich ist, dann ist das ein großer Erfolg im Kampf gegen Al Qaida.

          Die Aktion in Somalia hingegen schlug fehl. Zwar konnten in Barawe einige Shabaab-Milizionäre getötet werden. Die angeblich aus Kenia stammende Zielperson aber wurde nicht gefasst. Es wird nicht die letzte amerikanische Kommandoaktion in Somalia gewesen sein. Schon jetzt erscheinen regelmäßig Berichte über Drohneneinsätze gegen die Shabaab-Miliz. Der von Washington bereitwillig öffentlich gemachte Einsatz von Bodentruppen spricht für ein größeres militärisches Engagement der Amerikaner in Somalia. Ein Grund ist der Anschlag der Shabaab auf das Einkaufszentrum von Nairobi im Nachbarland Kenia, dem jüngst auch westliche Staatsangehörige zum Opfer fielen.

          Doch auch wenn immer wieder Führungskräfte des islamistischen Terrors ausgeschaltet werden, so tauchen stets neue auf. Mag Al Qaida in Zeiten des elften September 2001 noch hierarchische Strukturen gehabt haben, so sind unter dieser Marke mittlerweile viele klandestine und lose miteinander verbundene Zellen entstanden, die stets autark agieren können. Das zeigen Aktionen von Mali über Somalia bis hin nach Jemen nahezu wöchentlich. Aus allen diesen Staaten werden regelmäßig Tötungen „ranghoher“ Terrorfunktionäre gemeldet. Vor diesem Hintergrund ist mit der Festnahme Al Libis ein weiterer Teil der „alten Qaida“ Usama Bin Ladins ausgeschaltet worden. Aber kann dadurch allein der heutige islamistische Terror beseitigt werden?

          Das Fundament des Terrors liegt nicht zuletzt auch am grauenhaften Zustand, in dem sich Staatsruinen wie Libyen und Somalia befinden. In Somalia hat in den letzten 25 Jahren keine Regierung mehr auch nur ansatzweise für Recht und Ordnung sorgen können. Und in Libyen soll sich der jetzt verhaftete Al Libi erst im Zuge des Bürgerkriegs zurück in das Land begeben haben. In den zahlreichen rechtlosen Gebieten Libyens und anderswo halten sich weitere Terroristen und Kriminelle auf, deren Netzwerke weit über die in vielen Teilen Afrikas ohnehin oft nur auf dem Papier erkennbaren Staatsgrenzen hinausreichen. Die nicht selten mit dubiosen Figuren gespickten Regierungen haben dem nicht viel entgegenzusetzen. Aus gutem Grund waren offenbar weder die libysche noch die somalische Regierung über die Kommandoaktionen der Amerikaner informiert. Die amerikanischen Einsatzkräfte trauen den lokalen Behörden nicht, und das zu Recht.

          In einer Stabilisierung von Regionen wie Libyen und Somalia liegt einer der wesentlichen Schlüssel für die Lösung des Gesamtproblems. Aber wie bewerkstelligen? Längst hat sich der Terror internationalisiert, was auch darauf zurückzuführen ist, dass viele Geldgeber des Terrors im wohlhabenden Teil der arabischen Welt sitzen. Ob und wie der Westen in diesem Zusammenhang auf Staaten wie Qatar oder Saudi-Arabien einwirken kann, wird sicher ebenso entscheidend sein wie die regelmäßigen (amerikanischen) Kommandoaktionen.

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