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Mali : Ertüchtigte Eisverkäufer

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg zur Runderneuerung: Wahlkampf in Timbuktu. Bild: REUTERS

Wenn an diesem Sonntag in Mali ein neuer Präsident gewählt wird, soll auch die Armee für Sicherheit sorgen. Doch selbst die Bevölkerung kann sie nicht ernst nehmen. Eine Trainingsmission der EU versucht nun, aus einem Lotterhaufen eine Armee zu machen.

          Die vier deutschen Pioniere mühen sich mit Äxten, Sägen und Hämmern. Es gilt, einen spanischen Reiter zu bauen, eine Sperre aus Holz und rasiermesserscharfem Stacheldraht, mit der sich „Bewegung hemmen und lenken“ lässt, wie der Kompaniechef der Pioniere, Major Lars Thiemann, erläutert. 30 malische Soldaten schauen zu, wie die Deutschen Maß nehmen und die Holzstücke auf exakt 110 Zentimeter kürzen.

          Einer der Malier gähnt herzhaft. Dafür kann er vermutlich nichts. Er war mit seinem Zug und den deutschen Soldaten die ganze Nacht im Gelände unterwegs. Das sei Teil der Ausbildung, sagt Thiemann. Sie nennen das „Team Building“.

          Die 30 Malier gehören zur zweiten „Battle Group“ der malischen Armee, die gegenwärtig von europäischen Soldaten in der Kunst der Infanterie und den dazu gehörenden Spezialisierungen geschult wird. Eine solche Battle Group besteht aus drei Infanteriekompanien und einer Unterstützungskompanie, in der Pioniere, Logistiker, ein Panzerverband und Artillerie zusammengefasst sind. Die Bundeswehr übernimmt die Ausbildung der Pioniere.

          Dazu gehören das Bauen von Sperren, das Entschärfen von Sprengfallen und das Vermitteln elementarer Kenntnisse der Fahrzeugmechanik. 184 Ausbilder aus 14 Nationen bemühen sich um die 620 Mann starke malische Battle Group, unter ihnen 13 Deutsche, die zur Panzerpionierkompanie 550 in Immendingen gehören.

          Diese Kompanie ist Teil der deutsch-französischen Brigade. Insgesamt ist das deutsche Kontingent 100 Mann stark, weil die Bundeswehr nicht nur Pioniere stellt, sondern auch den Sanitätsdienst für das gesamte Lager mit seinen 540 Soldaten aus 23 europäischen Nationen.

          Sechs Monate ist es her, dass Mali um ein Haar von radikalen Islamisten erobert worden wäre. Die Bärtigen, die damals seit einem Jahr den Norden des Landes besetzt hielten, waren im Januar auf die Hauptstadt Bamako marschiert. Die völlig demoralisierte und schlecht ausgerüstete malische Armee hatte diesem Vormarsch nichts entgegenzusetzen. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff militärisch ein und vermochte es nicht nur, die Islamisten zu stoppen, sondern auch das gesamte Land zu befreien, innerhalb von drei Monaten.

          Malische Pioniere trainieren mit Bundeswehr-Pontons

          Das vorläufige Ergebnis der „Opération Serval“ ist, dass Mali an diesem Sonntag einen neuen Präsidenten wählen kann. Die Wahl soll der erste Schritt auf dem Weg zu einer Runderneuerung des Landes sein. Dazu gehört allerdings nicht nur ein politischer Neubeginn, sondern auch die Befähigung der malischen Streitkräfte, die Landesgrenzen künftig selbst zu sichern. Das ist Sinn und Zweck der im März begonnenen Trainingsmission der Europäischen Union, der „European Training Mission for Mali“ (EUTM).

          Die Kaserne in Koulikoro, 65 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt, gleicht an diesem Nachmittag einem Ameisenhaufen. In der einen Ecke zeigen ungarische Soldaten, wie man mit dem Scharfschützengewehr „Dragunov“ umgeht, direkt daneben brüllt ein britischer Drill-Sergeant wie aus dem Bilderbuch einen Zug von Infanteristen zusammen, weil der für seinen Geschmack nicht schnell genug in Deckung hechtet. Ein Stück weiter erklärt eine spanische Soldatin den Maliern das Lesen einer topographischen Karte.

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