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Mali : Ertüchtigte Eisverkäufer

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Dafür baut sie in einem Sandkasten eine Tal- und Hügellandschaft nach und deutet dabei auf die entsprechenden Höhenmarkierungen auf der Karte. „Wir arbeiten hier überwiegend mit Bildern, das ist eingängiger“, sagt Thiemann. Das schweißtreibende Bauen der spanischen Reiter gehört ebenfalls dazu. Im Bundeswehrjargon nennen sie das „VENÜ“: Vormachen, Erklären, Nachmachen, Üben.

Natürlich kann in den zehn Wochen, die die Ausbildung in Koulikoro dauert, nicht alles erklärt und trainiert werden, was die Deutschen den Maliern gerne über die Feinheiten des Pionierdaseins nahebringen würden. „Aber die handwerklichen Fähigkeiten bekommen wir in dieser Zeit durchaus vermittelt“, sagt Thiemann. Im Oktober soll es richtig ernst werden: Die Pioniere der dritten malischen Battle Group werden dann mit großen Schwimmbrücken üben. Diese Pontons stammen aus Bundeswehrbeständen und wurden der malischen Armee im Rahmen eines „Ausstattungshilfeprogramms“ überlassen.

Über Beziehungen in die Armee

Auch sonst hat sich die internationale Gemeinschaft bislang recht großzügig gezeigt. Zumindest die erste Battle Group, die nach dem Ende ihrer Ausbildung nach Gao verlegt wurde, ist inzwischen vernünftig ausgerüstet. Die Tschechische Republik stellte Sturmgewehre, Kroatien lieferte Granatwerfer, Frankreich Uniformen und Funkgeräte, und China zahlte die Rechnungen für die nagelneuen japanischen Toyota-Pick-ups.

Vier solcher Battle Groups sollen bis zum - vorläufigen - Ende der Ausbildungsmission im Frühjahr 2014 einsatzbereit sein. „Das ist nicht gerade viel“, sagt der Kommandeur der EU-Mission, der französische General François Lecointre. Der Marineinfanterist wird in der kommenden Woche sein Kommando turnusgemäß an seinen Nachfolger, den französischen Brigadegeneral Bruno Guibert, abgeben, und bis dahin will er ein paar Pflöcke einrammen.

Vier Battle Groups mit zusammen knapp 6000 Soldaten, so Lecointre, entsprechen genau der Hälfte der einsatzfähigen Kräfte der malischen Armee. „Warum nicht den Rest auch noch ausbilden?“, fragt er. Lecointre hat in Brüssel für die Verlängerung der Mission um ein weiteres Jahr geworben; die Idee sei auf Wohlwollen gestoßen, sagt er.

Von seiner zweiten Idee will er das nicht behaupten: den Stand der Ausbildung der Malier in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, und zwar dort, wo die Battle Groups stationiert sind. „Da denkt in Brüssel jeder sofort an Afghanistan, und dann gehen die Türen zu“, sagt Lecointre. Für ihn hingegen wäre das nichts anderes als der „Schutz einer Investition, die wir getätigt haben“. Wenn es um die malische Armee geht, lasse sich nur dann etwas zum Positiven wenden, wenn sich die EU langfristig engagiere, glaubt der General.

Der deutsche Major Thiemann ist natürlich zu höflich, das Ausbildungsniveau der malischen Soldaten als das zu beschreiben, was es ist: lausig. Eine entsprechende Nachfrage kontert er mit einer Gegenfrage: „Womit soll man es denn vergleichen?“ Man könnte es beispielsweise mit dem Ausbildungsstand der senegalesischen Armee vergleichen, mit dem der tschadischen oder der äthiopischen. In jedem Fall sähe Mali schlecht aus.

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