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Machtkampf bei Boko Haram : Putschversuch bei den Dschihadisten?

  • -Aktualisiert am

Boko Haram-Führer Shekau soll an der Spitze der Terrormiliz abgelöst worden sein. Bild: AP

Die Terrormiliz Boko Haram soll einen neuen Führer haben. Das behauptet zumindest der mit den afrikanischen Terroristen verbündete IS. Doch eine Audiobotschaft wirft Fragen auf.

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          Innerhalb der nigerianischen Terrororganisation Boko Haram scheint ein Machtkampf um die Führung ausgebrochen zu sein. Anlass ist die Behauptung der Terrormiliz „Islamischen Staats“ (IS), Abubakar Shekau sei als Führer von Boko Haram durch den bisherigen Sprecher der Gruppe, Abu Musab al Barnawi, ersetzt worden. In der letzten Ausgabe des Magazins „Al Nabba“, des offiziellen Sprachrohrs des IS, wird Barnawi als neuer Führer des „Islamischen Staats“ in Westafrika vorgestellt. Boko Haram hatte sich im März vergangenen Jahres dem IS offiziell angeschlossen.

          Shekau wiederum, der in den vergangenen Jahren mehrfach fälschlicherweise für tot erklärt worden war, reagierte am Mittwochabend mit einer Audiobotschaft, in der er dem IS vorwirft, einen „Putsch“ gegen ihn betreiben und die Bewegung spalten zu wollen. Ob diese Audiobotschaft echt ist, war am Donnerstag indes noch nicht klar.

          Boko Haram verliert immer mehr Territorium

          Die Gründe für den Machtkampf sind nach Einschätzung nigerianischer Beobachter eindeutig bei den militärischen Niederlagen von Boko Haram zu suchen. In den vergangenen 18 Monaten hat die Terrorgruppe nahezu alle zuvor von ihr gehaltenen Regionen im Nordosten Nigerias räumen müssen. Die nigerianische Armee arbeitet seit einem kompletten Austausch ihres Generalstabs mit den Armeen aus Tschad, Niger und Kamerun zusammen, und die Einsätze werden gemeinsam koordiniert.

          Seither kann die Ankündigung Boko Harams, im Norden Nigerias ein Kalifat mit territorialem Anspruch zu schaffen, als gescheitert betrachtet werden. Zuletzt wurde in der vergangenen Woche die Stadt Damask an der Grenze zu Niger zurückerobert, die seit zwei Jahren im Besitz der Terroristen war.

          Zudem scheint der Führungsanspruch des offenbar umstrittenen Shekau zu Absetzbewegungen innerhalb von Boko Haram geführt zu haben. Obwohl relativ wenig über das Innenleben der Terrorgruppe bekannt ist, sind die Differenzen nicht mehr zu übersehen. Der Anführer der Terrorgruppe in Kamerun, Ba’na Bulachira, gilt beispielsweise als Unterstützer der Fusion von Boko Haram mit dem IS, während die Splittergruppe Ansaru sich eher Al Qaida im islamischen Maghreb (Aqim) zugehörig fühlt. Die Ernennung von Abu Musab al Barnawi zum neuen Führer könnte deshalb auch der Versuch des IS sein, die auseinanderdriftenden Fraktionen von Boko Haram zu einen.

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