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Luftangriffe in Somalia : Die falsche Reaktion

Luftschläge in Somalia lösen die Probleme, die Kenia mit sich selbst hat, nicht. Auch unter kenianischen Muslimen gibt es längst zu viele Shabaab-Anhänger.

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          Der Staatstrauer folgte die Vergeltung. Nach dem Attentat auf die Universität Garissa bombardierten kenianische Kampfflugzeuge Stellungen von al Shabaab in Somalia. Das mag das Bedürfnis nach Rache stillen, doch die Probleme, die Kenia im eigenen Land hat, lösen Militärschläge auf der anderen Seite der Grenze nicht. Ohnehin führt Nairobi dort seit 2011 schon Krieg.

          Auch unter kenianischen Muslimen gibt es längst viele Shabaab-Anhänger. Einer der Attentäter soll der Sohn eines örtlichen Regierungsfunktionärs gewesen sein. Wie die Islamisten in den Dörfern und Kleinstädten Kenias agitieren und rekrutieren, lassen sie sich nicht mit großem militärischen Gerät bekämpfen. Doch die Behörden sind entweder zu korrupt oder überfordert, um etwa illegale Grenzübertritte zu unterbinden oder rasch auf Terrorwarnungen zu reagieren.

          Denn Nairobi kontrolliert schon lange nicht mehr das gesamte Grenzgebiet zum Nachbarland und hat dort viel zu wenig investiert. Hier leben vor allem Somalier. Die meisten von ihnen wollen mit dem Terror nichts zu tun haben.

          Ob es die Armut ist, die manche Jugendliche in Kenia in die Arme der Terroristen treibt, oder ob sich immer mehr somalistämmige Kenianer ausgeschlossen und diskriminiert fühlen: Nichts davon rechtfertigt Terror.

          Trotzdem sollten die Behörden, anstatt nachträgliche Verhaftungswellen zu veranstalten und die Gräben zu diesem Teil der Bevölkerung noch zu vertiefen, die Somalier und Muslime im eigenen Land in den Kampf gegen den Terror einbeziehen. Ein Krieg zwischen Christen und Muslimen wäre genau das, was die Terroristen provozieren wollen.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

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