https://www.faz.net/-gq5-81vgn

Luftangriffe in Somalia : Die falsche Reaktion

Luftschläge in Somalia lösen die Probleme, die Kenia mit sich selbst hat, nicht. Auch unter kenianischen Muslimen gibt es längst zu viele Shabaab-Anhänger.

          Der Staatstrauer folgte die Vergeltung. Nach dem Attentat auf die Universität Garissa bombardierten kenianische Kampfflugzeuge Stellungen von al Shabaab in Somalia. Das mag das Bedürfnis nach Rache stillen, doch die Probleme, die Kenia im eigenen Land hat, lösen Militärschläge auf der anderen Seite der Grenze nicht. Ohnehin führt Nairobi dort seit 2011 schon Krieg.

          Auch unter kenianischen Muslimen gibt es längst viele Shabaab-Anhänger. Einer der Attentäter soll der Sohn eines örtlichen Regierungsfunktionärs gewesen sein. Wie die Islamisten in den Dörfern und Kleinstädten Kenias agitieren und rekrutieren, lassen sie sich nicht mit großem militärischen Gerät bekämpfen. Doch die Behörden sind entweder zu korrupt oder überfordert, um etwa illegale Grenzübertritte zu unterbinden oder rasch auf Terrorwarnungen zu reagieren.

          Denn Nairobi kontrolliert schon lange nicht mehr das gesamte Grenzgebiet zum Nachbarland und hat dort viel zu wenig investiert. Hier leben vor allem Somalier. Die meisten von ihnen wollen mit dem Terror nichts zu tun haben.

          Ob es die Armut ist, die manche Jugendliche in Kenia in die Arme der Terroristen treibt, oder ob sich immer mehr somalistämmige Kenianer ausgeschlossen und diskriminiert fühlen: Nichts davon rechtfertigt Terror.

          Trotzdem sollten die Behörden, anstatt nachträgliche Verhaftungswellen zu veranstalten und die Gräben zu diesem Teil der Bevölkerung noch zu vertiefen, die Somalier und Muslime im eigenen Land in den Kampf gegen den Terror einbeziehen. Ein Krieg zwischen Christen und Muslimen wäre genau das, was die Terroristen provozieren wollen.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Kurden beenden Hungerstreik

          Nach Appell Öcalans : Kurden beenden Hungerstreik

          An einer Protestaktion gegen die Haftbedingungen des Vorsitzenden der kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, hatten sich Häftlinge und Abgeordnete beteiligt. Der Parteichef sieht die Ziele nun erreicht.

          Weber will in Brüssel „durchlüften“ Video-Seite öffnen

          EVP-Spitzenkandidat : Weber will in Brüssel „durchlüften“

          Manfred Weber (CSU) geht als EVP-Spitzenkandidaten für die Europa-Wahl ins Rennen: „Wir sagen zu, dass wir die bestehenden Regulierungen einfach mal einem System Check unterziehen!“, fordert er bei einer Abschlussveranstaltung kurz vor der Wahl.

          Wahlbeteiligung teils doppelt so hoch

          Europawahl : Wahlbeteiligung teils doppelt so hoch

          Seit 8.00 Uhr morgens sind die Wahllokale vielerorts geöffnet. In vielen Ländern war die Beteiligung an der Europawahl zunächst höher als bei der letzten Wahl – auch in Deutschland.

          „Wir haben alles richtig gemacht“ Video-Seite öffnen

          Bremer CDU-Spitzenkandidat : „Wir haben alles richtig gemacht“

          In Bremen wird eine neue Bürgerschaft gewählt. Parallel zur Europawahl sind rund 482.000 Bremer zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahllokale sind bis 18.00 Uhr geöffnet. Am Mittag lag die Wahlbeteiligung bei 20,2 Prozent.

          Topmeldungen

          Kandidatenfeld wächst auf acht : Wer folgt auf May?

          Acht amtierende oder ehemalige Minister aus dem Kabinett der scheidenden Premierministerin haben bislang bekundet, Theresa May beerben zu wollen. Favorit ist Boris Johnson. Es gibt allerdings auch schon prominente Absagen.
          Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier gibt seine Stimme bei der Europawahl am Sonntag in Gießen ab.

          Europawahl-Liveblog : Hohe Wahlbeteiligung in Deutschland

          +++ Wahllokale seit acht Uhr geöffnet +++ Nationalistische EU-Kritiker in in einigen großen Ländern vor Triumphen +++ Streit zwischen SPD- und AfD-Kandidaten in Rastatt +++ Alle Infos im FAZ.NET-Liveblog
          Sebastian Vettel holt sich Platz zwei beim Rennen in Monte Carlo.

          Formel 1 in Monaco : Vettel dank Verstappen-Strafe auf Platz zwei

          Die Mercedes-Dominanz setzt sich beim legendären Rennen in Monte Carlo fort. Weltmeister Hamilton gewinnt. Vettel wird Zweiter, obwohl er als Dritter über die Ziellinie fährt. Ganz und gar nicht gut läuft es für den anderen Ferrari.

          FAZ Plus Artikel: Selbstverantwortung : Kümmer dich um mich!

          Deutschland diskutiert wieder über Sozialismus. Tatsächlich wollen Menschen nicht mehr so viel Verantwortung für ihr Leben haben. Sie lassen lieber andere für sich entscheiden. Wo ist der Wunsch nach Freiheit geblieben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.