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Konflikt um Nilwasser : Zur Kooperation verdammt

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Darin ging es in erster Linie um die Frage, wie viel Wasser noch in Ägypten ankommt, wenn der Damm fertiggestellt sein wird. Äthiopien will dem Nil zwar nicht mehr Wasser entnehmen, als in den Verträgen von 1959 geregelt ist. Gleichwohl waren die Ägypter der Ansicht, dass der Stausee durch Verdunsten viel Wasser verlieren werde. Dieses Phänomen kennt Ägypten bereits aus eigener Erfahrung mit dem 1964 fertiggestellten Assuan-Staudamm. Den würde nach Einschätzung von Salim heute „ohnehin keiner mehr so bauen“, weil er „das falsche Projekt am falschen Ort“ sei. Denn der Assuan-Staudamm liegt in einer Wüste, wo beständig hohe Temperaturen und trockene Luft gewaltige Mengen Wasser verdunsten lassen.

„Wir mussten den Ägyptern diese Furcht nehmen und haben uns dafür strikt an wissenschaftliche Erkenntnisse gehalten“, schildert Salim. Einer dieser Befunde war, dass der Renaissance-Staudamm geradezu ideal in einer halb feuchten Klimazone liegt, womit das Verdunsten des aufgestauten Wassers drastisch reduziert wird. „Diesen Platz haben die Äthiopier mit Bedacht gewählt, wie sie sich überhaupt unserer Meinung nach sehr verantwortungsvoll verhalten“, sagt Salim. Es habe zwar viel Zeit gekostet, die Ägypter davon zu überzeugen, aber „wir haben den Eindruck, dass sie sich bewegen“.

Ägypten profitiert auch von Stromproduktion

Schließlich wird auch Ägypten von dem Staudamm profitieren. Die Nennleistung des Wasserkraftwerks wird mit 6000 Megawatt weit über dem Eigenbedarf Äthiopiens liegen. Nach vorläufigen Schätzungen könnten davon mindestens 2000 Megawatt in die Nachbarländer exportiert werden, darunter nach Ägypten. Sudan hat sich nach Aussage des Energieministers bereits einen Teil der Exportmenge gesichert und plant, dafür jedes Jahr bis zu 500 Millionen Dollar aufzuwenden. Der Bedarf an Energie in der Region ist – wie überall in Afrika – jedenfalls enorm. Vorläufige Berechnungen gehen davon aus, dass sich die Entstehungskosten des Renaissance-Staudamms innerhalb von vier bis fünf Jahren amortisiert haben könnten. „Dieser Staudamm ist für Äthiopien ein Segen und für den Rest von uns ein großer Gewinn“, glaubt Salim.

Ohnehin werde sich Ägypten mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass die südlichen Nil-Nachbarn den Fluss in Zukunft stärker für die Energieproduktion nutzen. Sudan beispielsweise hängt zu siebzig Prozent von Hydroenergie ab und plant den Bau weiterer Wasserkraftwerke. Das sollen allerdings keine Stauseen sein, sondern Kraftwerke, die ähnlich wie das Inga-Wasserkraftwerk am Unterlauf des Kongos das natürliche Gefälle des Flusses ausnutzen. Solche Lösungen sind teurer als Stauseen, schonen aber die Ressource Wasser. „Wir sind bei der Nutzung des Nils zur Kooperation verdammt. Das wird früher oder später auch Ägypten einsehen“, sagt Salim.

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