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Libyen : Gefährlicher Gesichtsverlust

Protestritual: Anhänger der militanten Islamistengruppe Ansar al Scharia verbrennen in Benghasi eine amerikanische Flagge. Bild: AP

Die libysche Regierung stand schon vor der amerikanischen Kommandoaktion in Tripolis unter enormem Druck. Nun wird bereits über ihren Sturz spekuliert.

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          Den Bewaffneten, die zu Wochenbeginn den Sitz des libyschen Ministerpräsidenten stürmten, ging es nicht um das Schicksal des Al-Qaida-Terroristen Abu Anas al Libi, den ein amerikanisches Kommando am Samstag in seine Gewalt gebracht hatte. Die Männer gehörten zu einem Bataillon, das dem Generalstabschef der Streitkräfte zugeordnet war und wollten lediglich ausstehenden Sold einfordern. Doch der Angriff zeigt – wie viele andere ähnliche Vorfälle – wie schlecht es um die derzeitige Regierung bestellt ist. Und es wird in der Hauptstadt Tripolis schon darüber spekuliert, dass ihr die Gefangennahme Libis am Ende das Genick brechen könnte. Die Lage hat sich in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert; die ohnehin schwache Zentralregierung, die offiziell nichts von der amerikanischen Militäraktion gewusst haben will, wurde weiter bloßgestellt.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Führung in Tripolis versucht nun, den Rest an Autorität, den sie noch hat, zu wahren. Sie kritisierte die „Entführung“ Libis; Justizminister Salah al Marghani zitierte nach Angaben der libyschen Regierung die amerikanische Botschafterin Deborah Jones am Montag zu sich. Ministerpräsident Ali Zidan verlangte am Dienstag, Libi solle der libyschen Justiz überstellt werden. „Wir bestehen darauf, dass libysche Staatsangehörige in Libyen vor Gericht gestellt werden, und Libyen wird seine Bürger nicht für Prozesse in andere Länder ausliefern“, sagte er. Der libyschen Regierung und der Familie müsse es ermöglicht werden, Kontakt zu Libi aufzunehmen. Diesem solle darüber hinaus Zugang zu einem Rechtsanwalt gewährt werden, hieß es in einer Erklärung. Entsprechendes forderte auch der Nationalkongress in Tripolis. Nach libyschen Presseberichten war die Ehefrau des gefangengenommenen Dschihadisten, Umm Abdulrahman, vor dem Parlament aufgetreten und hatte die Abgeordneten um Unterstützung gebeten. Diese verurteilte die amerikanische Kommandoaktion als „frappierende Verletzung der Souveränität“ des Landes.

          Selbst wenn die bedrängte Regierung unter Zidan – dem immer wieder zu große Nähe zum Westen vorgeworfen wird – die Öffentlichkeit überzeugen könnte, nicht gemeinsame Sache mit den Amerikanern gemacht zu haben, bliebe zumindest der Vorwurf bestehen, dass sie nicht im Stande ist, ihre eigenen Bürger vor dem Zugriff aus dem Ausland zu schützen. Das ohnehin tiefe Misstrauen in Libyen gegenüber dem Westen hat zuletzt ebenso zugenommen wie entsprechende Drohungen. Dass die Gefangennahme Libis dies weiter verstärkt hat, zeigt auch die deutliche Reaktion des Chefs der UN-Mission in Libyen (Unsmil), Tarek Mitri. Seine Organisation sei sich bewusst, wie „wichtig“ und „heikel“ die Frage der nationalen Souveränität sei, teilte er in einer Erklärung mit. Die libysche Regierung und Bevölkerung hätten jedes Recht der Welt, die Hintergründe der Entführung zu erfahren sowie die Einhaltung nationalen und internationalen Rechts zu verlangen. Nicht zuletzt im Osten des Landes, wo die Zentralregierung kaum mehr etwas zu sagen hat und die Rufe der Separatisten immer lauter werden, ist die Angst vor westlichem Eingreifen groß.

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