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Kopftuchzwang in Gambia : Den Königshäusern vom Golf gefallen

  • -Aktualisiert am

Seit 1994 an der Macht: Gambias Präsident Yahya Jammeh Bild: dpa

Der gambische Präsident hat sein Land zur „islamischen Republik“ erklärt und weiblichen Angestellten der öffentlichen Verwaltung Kopftücher vorgeschrieben. Mutmaßlich geht es ihm dabei vor allem um Geld für die bankrotte Staatskasse.

          Im westafrikanischen Gambia müssen alle weiblichen Angestellten der öffentlichen Verwaltung seit Jahresbeginn während der Arbeitszeit ein Kopftuch tragen. Das ordnete Präsident Yahya Jammeh persönlich an. Im Dezember vergangenen Jahres hatte Jammeh das überwiegend muslimische Gambia zur „islamischen Republik“ erklärt, ohne diesen Schritt indes zu erklären.

          In Gambia leben Muslime, Katholiken und Anglikaner bislang friedlich miteinander. Von extremistischen islamischen Strömungen ist nichts bekannt. Mutmaßlich dient die Umwandlung des Landes in eine Islamische Republik lediglich dazu, den Königshäusern vom Golf zu gefallen und Geld zu kassieren, nachdem der bislang größte Geber, die EU, im vergangenen Jahr seine Zahlungen weitgehend eingestellt hatte.

          Gambia ist faktisch pleite. Selbst die staatliche Lotterie schreibt Verluste. Der wirtschaftliche Niedergang der ehemaligen britischen Kolonie wiederum hat mit der Person Yammeh zu tun, der sich 1994 an die Macht putschte. Diktator Yammeh behauptet, Aids heilen zu können und ein Mittel gegen weibliche Unfruchtbarkeit entwickelt zu haben. Homosexuellen droht der Mann, der sich selbst zum Professor ernannte, „den Kopf abzuschneiden“. Dann wieder bezeichnet er sie als „Abschaum“, dem er eine ähnliche Behandlung angedeihen lassen will wie „Moskitos“.

          Die schwulenfeindlichen Äußerungen hatten die EU im vergangenen Jahr veranlasst, Hilfszahlungen für Gambia vorerst einzufrieren. Budgetbeihilfen in Höhe von 22 Millionen Euro waren bereits 2012 eingefroren worden, weil Jammeh nicht von der Todesstrafe lassen will. Gambia ist einer der repressivsten Staaten des Kontinents, in dessen Gefängnissen mutmaßlich mehr Regimegegner als Kriminelle einsitzen. Im Jahr 22 von Jammehs Herrschaft ist das Land völlig heruntergekommen. Nach Einschätzung der UN leben sechzig Prozent der auf 1,9 Millionen Menschen geschätzten Bevölkerung in Armut. Bis auf einige Tourismusunternehmen existiert keine nennenswerte Industrie im Land. Auf dem UN-Entwicklungsindex belegt Gambia Platz 151 von 169 Ländern. Unter den westafrikanischen Flüchtlingen, die über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen versuchen, stellen Gambier die größte Gruppe.

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