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Kongo-Ruanda : Die Kapitulation des Terminators

  • -Aktualisiert am

Bald in Den Haag? Bosco Ntaganda Bild: AFP

Der berüchtigte aus Kongo stammende Rebellenführer Bosco Ntaganda hat sich nach Ruanda geflüchtet. Die Förderer in Kigali händigten ihn den Amerikanern aus.

          5 Min.

          Der selbsternannte „Terminator“ streckt die Waffen: Der international mit Haftbefehl gesuchte kongolesische Kriegsverbrecher Bosco Ntaganda hat sich am Montag in die amerikanische Botschaft in Ruanda geflüchtet. Das bestätigten sowohl das amerikanische als auch das ruandische Außenministerium. Angeblich hat Ntaganda um seine Auslieferung an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gebeten, der ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen steckbrieflich sucht.

          Wie Ntaganda bis zur Botschaft im Zentrum der ruandischen Hauptstadt gelangen konnte, ist nicht ganz geklärt. Nach Berichten aus Kigali wurde er dort von einem Offizier der ruandischen Armee mehr oder weniger abgeliefert. Der Internationale Strafgerichtshof bemühte sich am Dienstag nach eigenen Angaben darum, die sofortige Überstellung Ntagandas in die Niederlande zu veranlassen.

          Der etwa 40 Jahre alte Ntaganda ist eine der schillerndsten Figuren in der an Halsabschneidern und Massenmördern ohnehin nicht armen ostkongolesischen Rebellenszene. Der ehemalige General der kongolesischen Armee war zuletzt einer der Führer der Rebellengruppe M 23. Am vergangenen Wochenende hatte er sich mit 630 seiner Getreuen nach Ruanda abgesetzt, nachdem er bei den seit mehreren Wochen tobenden Kämpfen zwischen zwei rivalisierenden M-23-Fraktionen in der Nähe der ostkongolesischen Regionalstadt Goma offenbar den Kürzeren gezogen hatte. Was mit seinen Kämpfern geschehen ist, darüber ließ sich die ruandische Regierung nicht aus. Ruanda wird international beschuldigt, den M 23 finanziell und militärisch zu unterstützen, was in Kigali bestritten wird.

          Die Rebellengruppe rekrutiert sich aus desertierten kongolesischen Soldaten, die im November vergangenen Jahres Goma erobert hatten und erst nach massivem Druck der Nachbarländer wieder abgezogen waren. Die kongolesische Regierung hatte der Bewegung anschließend Straffreiheit zugesichert, sollte sie den Kampf aufgeben. Innerhalb des M 23 aber hatte Ntaganda für eine Fortsetzung der Angriffe plädiert, um einer Verhaftung und Auslieferung an den Strafgerichtshof zu entgehen, woraufhin die Rebellen aufeinander losgegangen waren.

          In Kagames Tutsi-Armee

          Der aus dem Masisi-Massiv in Nordkivu in Kongo stammende Ntaganda ist ein Produkt des ruandischen Völkermordes von 1994 und seiner Folgen. Er gehört zur Ethnie der Tutsi, die in Ruanda damals von Hutu massakriert wurde. Bis zu 800.000 Menschen, Tutsi und auch moderate Angehörige der Ethnie der Hutu, fielen dem Massenmord zum Opfer. Der wurde maßgeblich von den Interahamwe-Milizen verübt, welche von der damaligen Hutu-Regierung organisiert und finanziert wurden. Mit 17 Jahren schloss sich Ntaganda deshalb der „Ruandischen Patriotischen Front“ (RPF) unter dem späteren Präsidenten Paul Kagame an, um gegen die Hutu zu kämpfen. Kagame vertrieb die Völkermörder, die Hutu-Milizen flohen ins Nachbarland Kongo und begingen Massenmorde an der dortigen Tutsi-Minderheit.

          Die neue ruandische Führung benutzte die kongolesischen Tutsi fortan als Speerspitze sowohl beim Sturz des kongolesischen Diktators Mobutu 1997 als auch bei dem Krieg gegen dessen Nachfolger Laurent-Désiré Kabila, als dieser des ruandischen Einflusses auf seine Regierung überdrüssig geworden war. Ntaganda und Laurent Nkunda, ebenfalls ein kongolesischer Tutsi, stiegen zu gefürchteten Kriegsfürsten in Ostkongo auf, wo sie vorgaben, gegen die Überbleibsel der Interahamwe-Milizen zu kämpfen, die sich heute „Front Démocratique pour la Libération du Rwanda“ (FDLR) nennen. Die ruandische Regierung unterstützte sie dabei nach Kräften.

          Bild: F.A.Z.

          Im Jahr 2000 tauchte Ntaganda in der nordostkongolesischen Region Ituri auf, wo er die militärische Organisation der Rebellengruppe „Union des Patriotes Congolais“ (UPC) von Thomas Lubanga übernahm. Bei dem Konflikt ging es vordergründig um ethnische Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen der Hema und der Lendu - tatsächlich war es ein Kampf um Rohstoffe. Uganda unterstützte die Lendu, Ruanda die Hema. Ntagandas Rolle war es, die Interessen Kigalis zu sichern. Aus dieser Zeit stammen auch die Vorwürfe des Internationalen Strafgerichtshofes, Ntaganda habe Kindersoldaten rekrutiert, Vergewaltigungen und Massenmorde angeordnet. Lubanga ist für ähnliche Vorwürfe inzwischen vom Strafgerichtshof rechtskräftig verurteilt worden.

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