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Konflikt in Mali : Zurück auf Start

  • -Aktualisiert am

Ein Bild aus besseren Zeiten: Im Juli 2013 konnten malische Soldaten noch nach Kidal fahren Bild: AP

Die neue malische Armee hat eine krachende Niederlage gegen Tuareg-Rebellen eingesteckt. Peinlich – auch für die europäischen Ausbilder.

          Als die Schlacht von Kidal geschlagen war, posierten die Rebellen vor ihrer Beute. Sie filmten sich in sandfarbenen Tarnuniformen, den schwarzen Gesichtsschleier der Tuareg um den Kopf gewickelt. Eine Kalaschnikow triumphierend vor der Brust, im Hintergrund fünfzig nagelneue Pick-ups mit Tarnanstrich und malischer Flagge. Das Video stellten sie auf ihre Homepage und kommentierten es mit den Worten, die malische Armee habe eine weitere Demütigung erfahren.

          Bei der europäischen Ausbildungsmission in Mali herrschte Fassungslosigkeit. 560 Soldaten, darunter 160 deutsche, bilden seit anderthalb Jahren malische Truppen aus. Ihre Bemühungen wurden mit einem Schlag zunichtegemacht. „Weil ein Politiker die Machtprobe wollte, fangen wir nun wieder bei null an“, zürnte ein französischer Offizier.

          In Europa nahm kaum jemand von dem Desaster Notiz. Es war Mai, alle Aufmerksamkeit richtete sich auf die Krise in der Ukraine. Das kam den Staaten gerade recht, die seit mehr als einem Jahr versuchen, die malische Armee auf Vordermann zu bringen. Denn was sich vor drei Monaten ereignete, warf die Frage nach dem Sinn und Zweck der Ausbildung auf – und darüber gibt es bis heute keinen Konsens.

          Kidal ist eine Ansammlung staubiger Hütten, in denen 25.000 Menschen leben. Es gibt eine Landebahn, in der Nähe sind einige hundert Soldaten der UN-Friedensmission Minusma stationiert. Die UN-Soldaten werden von den Maliern „bewaffnete Touristen“ genannt, weil sie sich überwiegend mit der eigenen Sicherheit beschäftigen. Allerdings ist Kidal auch ein gefährliches Pflaster für sie. Immer wieder kommt es zu Angriffen und Bombenanschlägen auf die überwiegend afrikanischen Blauhelmtruppen. In der Stadt haben Tuareg das Sagen, sie wollen mit der Regierung in Bamako nichts zu tun haben. Das eint sie mit islamistischen Terroristen, die sich deshalb auch gerne dort aufhalten.

          Ohne die Tuareg geht nichts

          Durch Kidal führt ein alter Handelsweg Richtung Algerien. Wer Cannabis von Westafrika nach Arabien schaffen will, Flüchtlinge von Zentralafrika ans Mittelmeer und Waffen in alle Welt, muss dort durch. Nichts geht ohne die Unterstützung der Tuareg. Seit Malis Unabhängigkeit 1960 hat es immer wieder Aufstände des Nomadenvolkes gegen die Regierung in Bamako gegeben. Die letzte Rebellion fand vor zwei Jahren statt, als 1500 Tuareg aus Libyen zurückkehrten, wo sie als Söldner in der Islamischen Legion von Gaddafi gekämpft hatten. Die Islamisten machten sich das Chaos zunutze, ihr Marsch auf die Hauptstadt wurde erst durch die Intervention von 3000 französischen Soldaten gestoppt. Die malische Armee hatte kaum Widerstand geleistet. Sie lag am Boden, nicht mehr einsatzfähig.

          Dann kamen die Europäer. Sie wollten die Streitkräfte wiederaufbauen. Aber nur im Süden des Landes, wo es halbwegs sicher ist. Als die malischen Soldaten im Mai dieses Jahres plötzlich ihre Pick-ups mit Waffen, Munition und Verpflegung beluden, war es mit der Ausbildung zunächst vorbei. Der neue Regierungschef Moussa Mara, 39 Jahre alt und erst seit ein paar Wochen im Amt, hatte den Marschbefehl gegeben. Er wollte seinen Machtanspruch demonstrieren, auch in Kidal.

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