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Angriff in Tunesien : Terror in Tunis

Polizisten eilen zum Tatort am Mittwoch in Tunis. Bild: dpa

Der Terror hat nun auch Tunesien erfasst. Das Land, das neben wenigen anderen in der Region Anlass zu Hoffnung gibt. Beim Kampf gegen Extremismus sollte es sich auf den Westen verlassen können, denn die Gewalt geht uns alle an.

          Der Terror hat auch Tunesien erfasst, und erstmals seit dem Anschlag von Al Qaida auf der Insel Dscherba im Jahr 2002 waren wieder Touristen das Ziel eines verheerenden Anschlags. Als berechtigt haben sich somit die jüngsten Warnungen der tunesischen Regierung erwiesen. Denn im Februar hatten die Sicherheitskräfte mehr als hundert Dschihadisten verhaftet, die Sprengstoff hergestellt und sich zum „Islamischen Staat“ bekannt hatten.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Tausende Tunesier haben sich dem „Islamischen Staat“ in Syrien und im Irak angeschlossen. Die ersten sind zurückgekehrt; im südtunesischen Bergland, wo es einen blühenden Schwarzmarkt für Waffen gibt, haben sie sich einen Rückzugsraum geschaffen. Der Zulauf für die Dschihadisten ist in jüngster Zeit auch deshalb größer geworden, weil sich die Lebensbedingungen in den unterentwickelten Regionen nicht verbessert haben. So verschmelzen dort kriminelle und islamistische Milieus. Zudem haben sich zwei Millionen Libyer in Tunesien vor der Anarchie in ihrer Heimat in Sicherheit gebracht, aber ihre Konflikte haben sie nicht zurückgelassen.

          Tunesien war es als einzigem Land in der arabischen Welt gelungen, die Proteste des Jahres 2011 in eine Demokratisierung zu überführen. Das bedeutet aber nicht, wie sich jetzt zeigt, dass das Land immun gegen den Terror und die Gewalt in der Region ist. Tunesien kann sich nicht aus den Konflikten in der Region heraushalten, selbst wenn die Regierung das versucht. Das oberste Gebot muss nun sein zu verhindern, dass auch Tunesien in den Sog der Gewalt gerät - das Land, das neben wenigen anderen in der arabischen Welt Anlass zu Hoffnung gibt.

          Präsident Essebsi und seine Regierung haben dem Terror schon vor Monaten den Kampf angesagt, sie haben die Sicherheit zur obersten Priorität gemacht. Die Schießerei vor dem Parlament in Tunis und die blutige Geiselnahme im Nationalmuseum zeigen, dass selbst in Tunesien nicht mehr allein die Demokratisierung im Vordergrund steht, sondern eben auch die Sicherheit. In ihrem Kampf gegen den Terror sollten sich die Tunesier auf den Westen verlassen können. Der Terror, der von der arabischen Welt und islamistischen Extremisten ausgeht, bedroht uns alle.

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