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Kommentar : Mahner Obama

Barack Obama fordert von den afrikanischen Staatsoberhäuptern Respekt vor Institutionen. Doch beeindruckt diese Mahnung ihre Zuhörer, wenn sich Chinas süßer Kolonialismus in Afrika darum nicht schert?

          China ist in Afrika präsent, sehr sogar. Es lockt die afrikanischen Eliten mit billigen Krediten, ohne die Vergabe an Menschenrechte oder andere westliche Bedingungen zu knüpfen; chinesische Arbeiter bauen Straßen und Häfen, legen Ölleitungen – das Ganze nach einem strategischen Plan, der vor allem den Interessen Pekings und denen der einheimischen Eliten dient.

          Was der amerikanische Präsident vor der Afrikanischen Union zu sagen hatte, wirkt dagegen fast unschuldig: Afrika müsse den Krebs der Korruption bekämpfen, und afrikanische Präsidenten müssten nach Ende ihrer Amtszeiten abtreten, sollten also die jeweiligen Verfassungen achten und ihren Machthunger, der auch Gier nach materiellem Reichtum ist, besiegen. Obama verlangt nichts anderes als Respekt vor Institutionen.

          Es fragt sich, ob diese Mahnung und das Beharren auf guter Regierungsführung seine Zuhörer beeindrucken, wenn sich Chinas süßer Kolonialismus in Afrika darum nicht schert. Von dem aber darf man nicht erwarten, dass er das wirtschaftliche und politische Potential Afrikas langfristig zur Blüte bringt.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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