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Nach Anschlag in Kenia : Luftwaffe bombardiert Dschihadisten in Somalia

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Mitarbeiter des Roten Kreuzes helfen an der Universität Garissa den Angehörigen der Opfer. Bild: AP

Die kenianische Luftwaffe hat Ziele der dschihadistischen Shabaab-Miliz im Nachbarland Somalia angegriffen. Damit reagierte das Land auf den Anschlag auf die Universität in Garissa, bei dem 147 Menschen starben.

          Kenias Luftwaffe hat in der Nacht von Sonntag auf Montag Stellungen der islamistischen Al Shabaab-Miliz in Somalia bombardiert. Die Luftschläge hätten zwei Camps in der Region Gedo getroffen, sagte ein Militär-Sprecher dem britischen TV-Sender BBC. Informationen zu möglichen Toten gab es zunächst nicht. Nach dem Anschlag auf eine kenianische Universität, bei dem am Donnerstag mindestens 147 Menschen starben, hatte Kenias Präsident Uhuru Kenyatta angekündigt, gegen die Islamisten zurückzuschlagen. In Kenia herrscht seit Ostersonntag für drei Tage Staatstrauer.

          Al Shabaab nutzte die Stellungen in der Grenzregion den Angaben zufolge, um Anschläge in Kenia zu planen. Die islamistische Miliz kontrolliert weite Teile Somalias und verübte immer wieder Anschläge in Kenia. Kenianische Truppen gehen seit 2011 gegen Al Shabaab im Nachbarland Somalia vor.

          Präsident Kenyatta sagte am Wochenende, seine Regierung werde nach der Geiselnahme von Garissa den Anti-Terror-Kampf noch verstärken und „so scharf wie irgend möglich“ auf den Anschlag reagieren. Al Shabaab drohte am Samstag bereits mit einem „neuen Blutbad“ in Kenia gedroht, sollten die Truppen nicht aus Somalia abgezogen werden.

          Kämpfer der Miliz hatten am Donnerstag die Universität in der Stadt Garissa gestürmt, um sich geschossen und Hunderte christliche Studenten als Geiseln genommen. Unter den Toten sind mehr als 140 Studenten, drei Wachmänner und drei Polizisten. Auch vier Angreifer seien getötet worden, hieß es. Einer davon soll der Sohn eines Regierungsmitarbeiters sein, berichtete die Zeitung „The Star“ (Montagsausgabe). Fünf weitere Personen wurden festgenommen.

          Unterdessen wehen die Flaggen überall in Kenia auf Halbmast. Präsident Kenyatta hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet, die bis einschließlich Dienstag dauert. In den Ostergottesdiensten gedachten die Menschen der Toten. Auch Papst Franziskus betete für verfolgte Christen und nannte in seiner Osterbotschaft am Sonntag in Rom speziell die Opfer der Geiselnahme von Garissa.

          Jeder in Kenia müsse dazu beitragen, die Gewalt und das Misstrauen untereinander zu beenden, sagte der Erzbischof der anglikanischen Kirche Kenias, Eliud Wabukala, am Ostersonntag. Die Gottesdienste fanden unter teilweise schweren Sicherheitsvorkehrungen und unter Polizei-Schutz statt, wie die Zeitung „Daily Nation“ berichtete.

          Kenias Behörden waren in die Kritik geraten, weil sie vor dem Anschlag Hinweise des Geheimdienstes ignoriert und zu langsam reagiert haben sollen. Das Militär habe die Universität in Garissa „schnell erreicht“, sagte dagegen der Sprecher von Präsident Kenyatta, Manoah Esipisu, dem Radiosender BBC World Service am Montag.

          Für Kenia ist die Geiselnahme in Garissa der blutigste Terrorangriff seit dem al Qaida-Anschlag auf die amerikanische Botschaft in der Hauptstadt Nairobi 1998, bei dem rund 200 Menschen starben. In den vergangenen Jahren verübte die Al-Shabaab-Gruppe, die sich al Qaida angeschlossen hat, immer wieder Anschläge in Kenia. Im September 2013 stürmten Kämpfer das „Westgate“-Einkaufszentrum in Nairobi. Damals wurden 67 Menschen getötet. Ende Februar rief
          Al Shabaab auch zu Anschlägen auf Einkaufszentren in Europa und Amerika auf.

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