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Kenia : Terror in Ostafrika

Nie zuvor hat eine derart multinational zusammengesetzte Gruppe von Terroristen einen großen Anschlag verübt wie jetzt in Nairobi. Die Tat könnte ein neues Kapitel des Terrors einleiten.

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          Fünf Tage hatten Terroristen einer somalischen Organisation die Welt in Atem gehalten: Sie hielten in Kenias Hauptstadt Nairobi ein großes Einkaufszentrum besetzt; bis zur Befreiung der Geiseln und endgültigen Wiedererlangung der Kontrolle über den Komplex am Mittwoch wurden viele dutzend Menschen getötet. Mit dem Anschlag kehrt der Terror in Ostafrika an jenen Ort zurück, an dem er vor 15 Jahren seine hässliche Fratze gezeigt hatte: 1998 hatte Al Qaida in ihrem ersten verheerenden Terroranschlag die amerikanischen Botschaften in Nairobi und im tansanischen Daressalam angegriffen. Dieses Mal war das Ziel der Schabaab, die sich offiziell Al Qaida unterstellt haben, ein öffentlich zugängliches Gebäude. Sie gaben an, Kenia dafür „bestrafen“ zu wollen, dass sich dessen Armee an einer Friedensmission der Afrikanischen Union in Somalia beteiligt.

          In den 15 Jahren seit 1998 hat sich der Terror verändert, und das stellt die Terrorabwehr überall vor neue Herausforderungen. Nie zuvor hatte eine derart multinational zusammengesetzte Gruppe von Terroristen einen großen Anschlag verübt wie jetzt in Nairobi; nicht nur Somalier und Kenianer gehörten zu den Angreifern, sondern auch amerikanische und britische Staatsbürger. Sie griffen nicht mehr eine gut bewachte Botschaft an, sondern ein „weiches Ziel“, dessen Sicherheitspersonal gegen die Terroristen auf verlorenem Posten stand. Die Angreifer hatten den Anschlag, ohne dass die Sicherheitsdienste davon Kenntnis bekommen hätten, über lange Zeit präzise vorbereitet.

          Wie der Anschlag von 1998 könnte der von 2013 ein neues Kapitel des Terrors einleiten. Denn von der Arabischen Halbinsel bis nach Ostafrika ist eine Achse des Terrors entstanden - mit saudischem Geld, einem Rückzugsgebiet im Jemen, mit Kämpfern aus dem Jemen und aus Somalia. Die Schabaab, aus Somalia vertrieben, tragen ihren Terror in die Nachbarstaaten Kenia und Uganda. In der weiteren Nachbarschaft liegen die Staaten der Sahelzone und Länder wie Sudan und Südsudan, die alle instabil sind. Es rächt sich, dass die Staatengemeinschaft nicht genug getan hat, um in Somalia die Anarchie zu beenden. Somalia ist ein „gescheiterter Staat“, dessen Krebs metastasiert. Die Schabaab haben sich als Arm von Al Qaida regeneriert und bedrohen nun die Nachbarstaaten. Der Anschlag von Nairobi hat den transnationalen Terror um eine Dimension erweitert.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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