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Kenia : Kenyatta bei Präsidentenwahl in Führung

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Uhuru Kenyatta bei der Stimmabgabe Bild: dpa

Nach Auszählung der Wahlzettel von rund 40 Prozent aller Wahllokale kommt Uhuru Kenyatta auf 54 Prozent der Stimmen, Ministerpräsident Raila Odinga erhielt 42 Prozent. Der Wahltag verlief verhältnismäßig friedlich.

          Bei den Wahlen in Kenia liegt nach Auszählung von 42 Prozent aller Wahllokale der Finanzminister der scheidenden Regierung, Uhuru Kenyatta, überraschend deutlich in Führung. Nach Angaben der Nationalen Wahlkommission entfielen auf Kenyatta 54 Prozent der Stimmen. Ministerpräsident Raila Odinga, der als Favorit gehandelt worden war, kam demnach nur auf 42 Prozent. Beide Lager beeilten sich zu versichern, dies sei nicht als Vorentscheidung zu verstehen, zumal die großen Wahlbezirke wie etwa die Hauptstadt Nairobi, in der alleine 1,7 Millionen Wähler von 14,3 Millionen Wahlberechtigter registriert sind, bis zum Dienstagabend nur bruchstückhaft ausgezählt seien.

          Gleichwohl kommt die deutliche Führung Kenyattas einer handfesten Überraschung gleich. Die Wahlbeteiligung bezifferte die Nationale Wahlkommission auf „deutlich über 70 Prozent“. Für einen Sieg bei der Präsidentschaftswahl sind 50 Prozent plus eine Stimme notwendig sowie mindestens 25 Prozent aller Stimmen in der Hälfte der 47 kenianischen Regierungsbezirke (Counties). Sollte keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erringen, ist für Mitte April eine Stichwahl geplant.

          Sechs Prozent aller bis Dienstagabend ausgezählten Stimmen waren allerdings ungültig, was die Wahlkommission mit dem komplizierten Wahlverfahren zu erklären versuchte. Neben einen neuen Präsidenten werden in Kenia ein Parlament, ein Senat, die Gouverneure und die Regionalparlamente gewählt. Alles in allem mussten die kenianischen Wähler sechs verschiedene Urnen bedienen.

          Teilergebnisse in Echtzeit

          Wie schon bei den blutig verlaufenen Wahlen im Jahr 2007 steht auch dieses Mal wieder die Nationale Wahlkommission wegen der angeblich nur schleppenden Auszählung der Stimmen im Zentrum der Kritik. Deren Leiter Ahmed Issack Hassan verwahrte sich am Dienstag in ungewöhnlich scharfer Form gegen die Anwürfe. An die Adresse der Parteien sagte er: „Ihr seid da, um an der Wahl teilzunehmen. Wir sind da, um diese zu organisieren“. Im Gegensatz zu den letzten Wahlen veröffentlicht die Wahlkommission dieses Jahr die Teilergebnisse in Echtzeit. Die Verzögerungen erklärte Hassan mit der schieren Zahl an Urnen, die ausgezählt werden müssen.

          Bis auf die Angriffe in der Hafenstadt Mombasa, bei denen in der Nacht zum vergangenen Montag insgesamt zehn Polizisten mutmaßlich von einer Separatistengruppe namens „Mombasa Republican Council“ (MRC) ermordet worden waren, verlief der Wahltag ausgesprochen friedlich. Auch am Dienstag waren keine größeren Zwischenfälle gemeldet worden. Angesichts des vorläufigen Vorsprungs von Uhuru Kenyatta aber gärte es am Dienstag bereits in Kisumu, der Hochburg der Odinga-Anhänger. In Kenia wird nicht nach politischen Gesichtspunkten gewählt, sondern nach ethnischer Zugehörigkeit. Odinga ist ein Luo und Kisumu ist Luo-Land. Uhuru Kenyatta hingegen ist ein Kikuyu. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag verdächtigt ihn, die bürgerkriegsähnlichen Unruhen nach den Wahlen in 2007, bei denen mehr als 1000 Menschen starben, systematisch geschürt zu haben.

          Auch in Kibera, dem größten Slum der Hauptstadt Nairobis und fest in den Händen von Luo, zeigten sich etliche Gesprächspartner am Dienstag zumindest verwundert über die Teilergebnisse. Kibera war während der Unruhen nach der Verkündigung der Wahlergebnisse 2007 tagelang Schauplatz von blutigen Straßenkämpfen gewesen. Dieses Mal soll alles anders werden. „Solange der Wahlkommission keine Manipulation nachgewiesen wird, werden wir gleich welches Ergebnis akzeptieren“, sagte ein Luo, der sich als „Dauti“ vorstellte.

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