https://www.faz.net/-gq5-7humb

Kenia : Geiselnahme in Einkaufszentrum beendet

  • Aktualisiert am

Präsident Kenyatta erklärte in einer Fernsehansprache, bei den Auseinandersetzungen seien mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Bild: reuters

Die Terroristen im Einkaufszentrum der kenianischen Hauptstadt Nairobi sind nach 80 Stunden besiegt. Der Anschlag endet in einem Blutbad. Dutzende Zivilisten und mehrere Soldaten sind tot.

          Das Geiseldrama in Kenias Hauptstadt Nairobi ist nach rund vier Tagen blutig beendet worden. „Wir haben die Angreifer besiegt und gedemütigt“, äußerte Kenias Präsident Uhuru Kenyatta am am Dienstagabend in einer Fernsehansprache. Mehr als 70 Menschen wurden nach seinen Angaben während der Geiselnahme im Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi getötet. Zu dem Angriff bekannte sich die islamistische Shabaab-Miliz.

          „Unsere Verluste sind riesig“, sagte Kenyatta. Unter den Opfern seien 61 Zivilisten und sechs Sicherheitskräfte. Fünf Geiselnehmer seien getötet worden. Unter den Trümmern des teilweise eingefallenen Zentrums sollen weitere Leichen liegen. Nach Angaben des kenianischen Roten Kreuzes gelten 63 Menschen als vermisst. Zudem seien bei dem Angriff auch bis zu 200 Menschen verletzt worden. Die Shabaab-Miliz sprach am Mittwoch von 137 getöteten Geiseln.

          Mindestens 16 Ausländer wurden nach kenianischen Behördenangaben getötet. Kenyatta ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

          Elf Verdächtige seien inhaftiert worden, sagte Kenyatta. Die Angreifer und ihre Hintermänner würden zur Rechenschaft gezogen. Unter den Angreifern sollen amerikanische Bürger und weitere Ausländer gewesen sein. Kenyatta kündigte dazu forensische Untersuchungen an. Nicht mitgeteilt wurde zunächst, wo die Verdächtigen gefasst worden, ob es Angreifer oder mutmaßliche Helfer waren.

          Das zehn- bis 15-köpfige Kommando der mit Al Qaida verbündeten somalischen Shabaab-Miliz hatte das Einkaufszentrum am Samstag überfallen. Maskierte Milizionäre schossen mit Maschinengewehren und warfen Granaten. Anschließend verschanzten sie sich mit Geiseln in dem Gebäude und lieferten sich tagelang Gefechte mit Sicherheitskräften. Als Grund für den Angriff nannten sie Kenias Militärintervention gegen die Shabaab in Somalia.  Sie drohten mit weiteren Anschlägen und Attacken, sollte Kenia seine Soldaten nicht abziehen.

          Seit Samstag bekämpfen kenianische Soldaten die Terroristen im Einkaufszentrum

          Unter den Toten auch frühere Clinton-Mitarbeiterin

          Der somalische Ministerpräsident Abdi Farah Shirdon verteidigte im Sender France 24 den Einsatz Kenias in seinem Land. Beide Staaten „arbeiten gemeinsam gegen den Terror“. Er sei sicher, dass die Shabaab besiegt werde.

          Die Miliz wies im Kurznachrichtendienst Twitter Spekulationen zurück, an ihrem Kommando sei eine Frau beteiligt gewesen. „Wir setzen unsere Schwestern bei solchen Aktionen nicht ein“, hieß es.  Zuvor hatte die kenianische Außenministerin Amina Muhammad angedeutet, die terrorverdächtige Britin Samantha Lewthwaite sei an dem Angriff beteiligt gewesen. Augenzeugen berichteten, die Shabaab-Mitglieder hätten gezielt nicht-muslimische Geiseln getötet. Mehrere Überlebende sagte, sie hätten sich tot gestellt, unter Autos auf dem Parkplatz versteckt oder sich in Läden verbarrikadiert.

          Unter den Todesopfern waren nach Aussagen von Freunden die hochschwangere Niederländerin Elif Yavuz und ihr Mann, der australisch-britische Architekt Ross Langdon. Ein Foto auf ihrer Facebook-Seite zeigte die Malaria-Expertin mit dem früheren amerikanischen Präsidenten Bill Clinton. Dieser äußerte sich betroffen über den Tod der jungen Frau, die auch für seine Stiftung zur Bekämpfung von Aids und Malaria tätig war.

          Der Angriff vom Samstag war der folgenschwerste in Kenia seit dem Selbstmordanschlag auf die amerikanische Botschaft in Nairobi, bei dem 1998 mehr als 200 Menschen getötet wurden. Das Westgate-Einkaufszentrum gehört in Teilen israelischen Geschäftsleuten. In Kenia hatte es in der Vergangenheit mehrfach auch Angriffe auf israelische Einrichtungen gegeben. Die islamistische Shabaab-Miliz fordert einen Abzug kenianischer Truppen aus dem Nachbarland. Diese waren 2011 in Somalia einmarschiert, um die Islamisten zu bekämpfen.

          Topmeldungen

          Annegret Kramp-Karrenbauer am Samstag beim feierlichen Gelöbnis neuer Rekruten zusammen mit Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr

          Annegret Kramp-Karrenbauer : Ein Versprechen beim Gelöbnis

          Als Parteichefin hat Kramp-Karrenbauer schwere Wahlkämpfe vor sich. Gleichzeitig will sie ihr Ministerium und die Truppe besser kennenlernen. Eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Sie verspricht nun, diese ernsthaft anzugehen – und verdient dabei Unterstützung, gerade aus der Bundeswehr.
          Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.
          Emanuel Buchmann (vorne) und Thibaut Pinot (Zweiter von vorne) bei der Tour de France

          Tour de France : Buchmanns Glanzstück am Tourmalet

          Bei der Fahrt auf den berüchtigten Tourmalet ist Thibaut Pinot am Schnellsten. Zweiter wird ebenfalls ein Franzose, der das Gelbe Trikot behält. Emanuel Buchmann landet nach einer starken Leistung auf Platz vier.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.