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Kampf gegen Islamisten : Nigerias Präsident will Boko Haram in drei Monaten besiegen

  • -Aktualisiert am

Ehemals General, heute Präsident: Muhammadu Buhari Bild: AP

Vor Kurzem hat Nigerias Präsident Muhammadu Buhari die gesamte Armeespitze gefeuert. Von seinen neuen Generälen verlangt er nun schnelle Resultate. Und auch mit der Korruption in der staatlichen Erdölgesellschaft will er aufräumen.

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          Nigerias Präsident Muhammadu Buhari mag es zackig. Das hat nun auch die neue Generalität zu spüren bekommen. „Drei Monate habt ihr Zeit“, sagte Buhari nun bei der Vereidigung der neuen Kommandeure von Armee, Luftwaffe und Marine in Abuja und meinte damit den Zeitrahmen, in dem er die Islamisten von Boko Haram besiegt sehen will. Ob das eine realistische Einschätzung ist, bleibt dahingestellt. Schließlich wütet Boko Haram seit 2009 und hat in dieser Zeit mehr als 15.000 Menschen getötet. Immerhin belässt es Buhari nicht bei Worten: Mit dem Rauswurf der gesamten Armeespitze vor drei Wochen hat der ehemalige General Buhari bewiesen, dass er keinen Wert auf Treueschwüre legt, sondern Resultate sehen will.

          Ähnlich robust verfährt Buhari gegenwärtig mit der „Nigerian National Petroleum Corporation“ (NNPC), der staatlichen Erdölgesellschaft. Nigeria ist der größte Rohölproduzent des Kontinents, und die NNPC ist die Milchkuh der Nation. 90 Prozent seiner Deviseneinnahmen erwirtschaftet Nigeria mit dem Export von Rohöl. Gleichzeitig aber gilt die NNCP als Sinnbild der Korruption im Land.

          Den Chef der NNCP hatte Buhari ohne großes Federlesen im Juli gefeuert und durch Emmanuel Kachikwu ersetzt. Dem Mann eilt der Ruf eines kompetenten Machers voraus. Der Harvard-Absolvent war zuvor als stellvertretender Vorsitzender von ExxonMobil Africa beschäftigt und hat in dieser Zeit die NNCP von allen Seiten kennengelernt. Seine erste Amtshandlung bestand darin, 38 weitere Manager vor die Tür zu setzen. Am Donnerstag kündigte Kachikwu an, den Konzern für die Jahre 2014 und 2015 einer Buchprüfung zu unterziehen, vor deren Ergebnissen „keiner sicher sein wird“.

          Das Jahr 2014 hatte es für die NNCP tatsächlich in sich: Damals waren 20 Milliarden Dollar von den Konten „verschwunden“, und als der Chef der nigerianischen Zentralbank, Laminu Sanusi, dies öffentlich machte, wurde er vom damaligen Präsident Goodluck Jonathan gefeuert. Der war zu diesem Zeitpunkt dabei gewesen, sich Loyalität für den bevorstehenden Wahlkampf zu kaufen, und dafür gilt die NNCP seit jeher als Selbstbedienungsladen.

          Ob Buhari die Schlacht um die NNCP gewinnen wird, ist allerdings eine andere Frage. Mit dem Ölgeschäft Vertraute halten den Konzern für derart verrottet, dass nur seine Auflösung und ein Neuanfang mit frischem Personal eine Wende bringen kann. Buhari hat sich mit seiner wenig zimperlichen Vorgehensweise bereits viele Feinde gemacht. Doch es scheint ihm ernst zu sein mit seinem Anliegen. Bei seinem Amtsantritt hatte Buhari die endemische Korruption in Nigeria als „schlimmer als Terrorismus“ bezeichnet. In Nigeria bedingt das eine freilich das andere. Die alles durchdringende Korruption und die daraus resultierte Erkenntnis für den Einzelnen, nichts erreichen zu können, ohne Schmiergeld zu zahlen, hat erst den Aufstieg von Boko Haram ermöglicht. Es scheint, als habe Nigerias Präsident diesen Zusammenhang erkannt.

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