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Joseph Kony in Zentralafrika : Hilferuf vom Schlächter

  • -Aktualisiert am

Joseph Kony auf einem Archivbild von 2006 Bild: AP

Der als Massenmörder gesuchte ugandische Rebellenführer Joseph Kony soll schwer krank sein und beim zentralafrikanischen Putschpräsidenten Zuflucht suchen.

          Der Putschpräsident der Zentralafrikanischen Republik, Michel Djotodia, hat angeblich Kontakt zu dem ugandischen Rebellenführer Joseph Kony und verhandelt mit diesem über ein Ende des Terrors der „Lord’s Resistance Army“ (LRA), wie Konys Mörderbande sich nennt. Das berichtete der Sonderbeauftragte der Afrikanischen Union (AU) für die Zentralafrikanische Republik, Francisco Madeira, am Mittwochabend dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die Nachricht von dem vermeintlichen Kontakt Djotodias zu einem der meistgesuchten Verbrecher Afrikas kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem der Putschist selbst Gegenstand massiver internationaler Kritik geworden ist: Nach Einschätzung sowohl der amerikanischen als auch der französischen Regierung steht die Zentralafrikanische Republik zehn Monate nach der blutigen Machtergreifung durch Djotodia „am Rande eines Völkermordes“.

          Joseph Kony ist der mit Abstand brutalste Kriegsfürst des Kontinents. Als er vor rund 25 Jahren im Norden Ugandas die „Lord’s Resistance Army“ gründete und den Kampf gegen die Regierung aufnahm, ging es ihm angeblich um die Schaffung eines Staates, der auf den zehn biblischen Geboten beruht. Im Laufe der Jahre wurde aus dem christlichen Fundamentalisten einer der schlimmsten Schlächter Afrikas. Die LRA wird für mehr als 100000 Morde verantwortlich gemacht und soll in den vergangenen beiden Jahrzehnten zwischen 60000 und 100000 Kinder verschleppt haben, die zum Kämpfen gezwungen wurden und wie Sklaven gehalten wurden. Allein im Jahr 2012 soll die LRA 212 Überfälle auf Dörfer in Kongo, Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik verübt haben, bei denen 45 Personen getötet wurden. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag sucht Kony wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die amerikanische Regierung hat ein Belohnung von fünf Millionen Dollar für Hinweise ausgelobt, die zu seiner Ergreifung führen.

          Gleichwohl ist der Mann nicht zu fassen. Nach der Vertreibung aus Uganda hatten sich Kony und die LRA zunächst nach Südsudan abgesetzt, um kurz darauf in Kongo und in der Zentralafrikanischen Republik aufzutauchen. Seit 2008 jagt die ugandische Armee die LRA gemeinsam mit 280 amerikanischen Soldaten über die eigenen Grenzen hinweg, doch bislang gingen ihnen nur einige Kompanieführer der Gruppe ins Netz. Die Geschichte der LRA und ihres Führers ging 2012 um die Welt, als eine amerikanische Aktivistengruppe namens „Invisible Children“ ein entsprechendes Video ins Netz stellte, das innerhalb von wenigen Tagen rund 50 Millionen Menschen erreichte.

          Djotodia braucht Kony

          Nun sagt Djotodia, Kony sei schwer krank und suche nach einem sicheren Ort, um sich niederzulassen. Der zentralafrikanische Präsident hat dem Massenmörder angeblich auch Lebensmittel und Medikamente geschickt. Dabei drängt sich der Verdacht auf, dass da einer versucht, angesichts seines drohenden politischen Endes die Bekanntheit des „Falles Kony“ insbesondere in Amerika zu nutzen, um sich als unentbehrlich erscheinen zu lassen.

          Wenn sich Kony ausgerechnet die Zentralafrikanische Republik ausgesucht hat, dann auch deshalb, weil dieser Staat faktisch aufgehört hat zu existieren. Besonders gut regiert wurde die ehemalige Kolonie noch nie, doch seit Djotodia im März dieses Jahres Präsident François Bozizé stürzte, herrscht dort das Chaos. Der französische Außenminister Laurent Fabius nannte die Zahl von 1,5 Millionen Menschen, die „buchstäblich nichts haben: kein Essen, keine medizinische Versorgung, kein Dach über dem Kopf“. Verantwortlich dafür ist die Rebellenallianz Séléka, die Djotodia an die Macht brachte und sich seither an der Bevölkerung schadlos hält. Ganze Landstriche sind inzwischen entvölkert, weil die Menschen vor den marodierenden Banden in den Wald geflohen sind. Viele Dörfer haben Bürgerwehren aufgestellt, um sich gegen die Séléka zur Wehr zu setzen. Dieser Krieg gegen Zivilisten erhält zusätzliche Dramatik durch eine religiöse Komponente, von der man eigentlich geglaubt hatte, sie spiele in dem Land keine Rolle. Die Séléka-Rebellen sind in ihrer Mehrzahl Muslime, die an der Grenze zum Sudan leben, die Mehrheit der Zentralafrikaner aber sind Christen. Die Auseinandersetzung droht nach Einschätzung der amerikanischen Regierung „völlig außer Kontrolle zu geraten und in einen Völkermord zu münden“.

          Eine Eingreiftruppe der Afrikanischen Union soll im Auftrag der Vereinten Nationen in den kommenden Monaten versuchen, zumindest in der Hauptstadt Bangui für Ordnung zu sorgen. Washington unterstützt das Vorhaben mit 40 Millionen Dollar. In Liberia endete Anfang des Jahrhunderts eine ähnliche Militärmission mit dem Sturz von Präsident Charles Taylor. Es kann deshalb durchaus sein, dass Djotodia Kony im Moment dringender braucht, als umgekehrt.

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