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IS bekennt sich : Mehr als 100 Tote bei Anschlagsserie im Jemen

  • Aktualisiert am

Das zerstörte Auto vor einer Moschee in Sanaa macht die Wucht der Detonation deutlich. Bild: dpa

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hat sich zu Selbstmordanschlägen auf zwei Moscheen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa bekannt. Berichten zufolge starben mindestens 137 Menschen.

          Bei einem der blutigsten Terrorakte in der Geschichte des Landes haben Selbstmordattentäter im Jemen mindestens 137 Menschen mit in den Tod gerissen. Jeweils zwei Männer sprengten sich während des traditionellen Freitagsgebets kurz nacheinander in zwei schiitischen Moscheen der Hauptstadt Sanaa in die Luft. Jemenitische Medien berichteten von mindestens 345 Verletzten. Die sunnitische Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannte sich zu den Anschlägen. Damit stürzt das Land in ein immer größeres Chaos.

          TV-Bilder zeigten die verwüsteten Moscheen Badr und Hashush, in denen zugedeckte Leichen auf dem Boden lagen. Die Anschläge erfolgten nach demselben Muster, wie die Nachrichtenseite Barakish.net berichtete. Jeweils ein Attentäter sprengte sich bei den Sicherheitskontrollen am Eingang der Moscheen in die Luft, jeweils ein weiterer Extremist stürmte in die Gebäude und zündete Sprengstoffgürtel.

          UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die blutigen Anschläge scharf. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, die Tat sei „ein weiterer zynischer Versuch, Hass und Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen anzuheizen“.

          Die Anschläge galten den schiitischen Houthi-Rebellen, deren Anhänger die beiden Moscheen vor allem nutzten. Unter den Toten ist auch einer der wichtigsten schiitischen Geistlichen des Landes, wie die Houthis mitteilten. Die Rebellen liefern sich seit Monaten einen Machtkampf mit Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi.

          Zwei Moscheen in Sanaa waren Ziel der Attacken. Bilderstrecke

          Die Houthis brachten in den vergangenen Monaten den Norden des Landes und die Hauptstadt unter ihre Kontrolle. Vor einigen Wochen setzten sie Hadi und die Regierung ab, auch das Parlament lösten sie auf. Der Präsident floh im Februar ins südjemenitische Aden.

          Vier „Ritter“ hätten sich in den Moscheen der „Ungläubigen“ in die Luft gesprengt, heißt es in einer IS-Botschaft, die im Internet kursierte. Die Anschläge seien erst der Anfang einer „kommenden Flut“, wird weiter gedroht. Der IS bekannte sich auch zu einem weiteren Anschlag in der Houthi-Hochburg Saada im Norden des Landes.

          Zunächst ließ sich nicht überprüfen, ob das IS-Bekennerschreiben echt ist. Die Terrormiliz hatte sich in dieser Woche bereits zu dem Attentat auf das Nationalmuseum in Tunis bekannt. Sollte der IS hinter den Anschlägen stehen, wäre es das erste Mal, dass er im Jemen mit einer solchen Tat in Erscheinung tritt.

          Bislang galt das arme Land im Süden der Arabischen Halbinsel als Hochburg eines mächtigen Ablegers des Terrornetzwerks al Qaida. Der IS und al Qaida vertreten zwar eine ähnliche Ideologie - sie sind aber miteinander verfeindet und kämpfen um die Vorherrschaft im globalen Heiligen Krieg. Weitere IS-Gräueltaten könnten das Chaos in dem ohnehin schon instabilen Land weiter verschlimmern.

          Auch der Machtkampf zwischen den Houthis und Präsident Hadi ging am Freitag weiter. In Aden bombardierten abermals Kampfflugzeuge den Amtssitz des Präsidenten. Die Lage in der Stadt sei so angespannt wie noch nie, hieß es aus Sicherheitskreisen.

          Bereits am Donnerstag hatten Kampfjets Hadis Amtssitz in Aden angegriffen. Der Staatschef warf den Houthis vor, sie hätten zusammen mit Vertretern des „alten Regimes“ einen Putsch gegen ihn versucht. Die Rebellen sind mit dem früheren Präsidenten Ali Abdullah Salih verbündet, der 2012 nach Massenprotesten zurückgetreten war.

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