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Reichste Frau Afrikas : Das Märchen von der Prinzessin, die Eier verkaufte

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Die Anekdote kam in Angola schlecht an. Die Leute machen sich bis heute lustig darüber, aber eigentlich sind sie wütend. Die Milliardärin beleidigt ihre Intelligenz, finden sie. Denn es kommt ja leider nicht jeder zu drei Milliarden Dollar, nur weil er als Kind Eier verkauft hat. Die Angolaner halten die Geschichte für den plumpen Versuch, Korruption zu verschleiern. Es gibt viele Karikaturen über die Eiergeschichte, und am Computer hat jemand das Bild von Isabel dos Santos vor einen Haufen goldener Eier montiert.

Aber was die Angolaner von ihr denken, kümmert Isabel dos Santos ohnehin nicht groß. Falls sie in den vergangenen Monaten überhaupt in Angola war, hat die breite Öffentlichkeit davon keine Kenntnis genommen. Isabel dos Santos hält sich viel in Portugal auf oder reist herum. Hin und wieder drucken angolanische Klatschzeitungen Fotos von ihr und ihrem Mann, einem kongolesischen Unternehmer, mit dem sie drei Kinder hat. Auf den Bildern trägt sie bezaubernde Kleider, Edelsteine und ihr strahlendes Lächeln. Jetset irgendwo auf der Welt. Mit Angola hat das nichts zu tun.

Vermögensverwalterin im korrupten Ein-Familien-Staat

Tatsächlich war Isabel dos Santos nie die ganz normale Isabel, die sie behauptet zu sein. Kein Aschenputtel, sondern immer schon die reiche „Prinzessin“. So nennen die Leute in Angola sie. Vielleicht hat Isabel dos Santos ja wirklich Eier verkauft, als sie sechs war; aber sie hatte es mit Sicherheit nicht nötig. Ihr Vater wurde im gleichen Jahr, 1979, Präsident von Angola. Seitdem regiert er und sitzt auch seiner Partei vor, der MPLA. Ausländische Beobachter sagen, Angola sei heute zwar kein Ein-Parteien-Staat – es gibt immerhin eine Opposition –, aber ein Ein-Familien-Staat. Der Präsident und seine Verwandten kommen an Posten und Aufträge, von denen normale Angolaner nicht einmal träumen. Die Anti-Korruptions-Organisation „Transparency International“ führt ihr Land als eines von denen, deren Beamte und Politiker als besonders korrupt wahrgenommen werden. Angola belegt Platz 161 von 175 Ländern weltweit.

Isabel dos Santos hat es gut in diesem System, als älteste Tochter des Präsidenten. Sie entstammt seiner ersten Ehe mit einer russischen Schachmeisterin. Die Eltern trennten sich nach ein paar Jahren, Isabel zog mit ihrer Mutter nach London. Dort machte sie am ehrwürdigen King’s College ihren Abschluss in Ingenieurswesen. Aber dem Vater ging die Tochter in der Fremde nicht verloren. Ganz im Gegenteil. In England lernte sie Dinge, die ihr und ihrer Familie heute nützlich sind.

Zum Beispiel spricht sie ein schönes britisches Englisch. Damit kann sie Fragen von Journalisten aus der ganzen Welt geschmeidig ausweichen. Als ein chinesischer Reporter sie einmal nach dem Geheimnis ihres Erfolgs fragte, zählte sie allerlei Möglichkeiten auf, in Angola Geld zu verdienen: zum Beispiel durch Landwirtschaft. Dabei lächelte sie fein – es war wieder ziemlich nah dran am Obst und Gemüse ihrer Großmutter. Der Chinese nahm es hin.

Mit einer Mobilfunklizenz hat es angefangen

Aber Isabel dos Santos wäre auch dumm, wenn sie einem Reporter ihr Geschäftsmodell darlegen würde. Sie versucht es schließlich zu verschleiern, seit sie das große Geld macht. Nach dem Studium stieg sie in Luanda in eine Stadtreinigungsfirma ein. Und sie führte im Vergnügungsviertel der Stadt ein Restaurant namens „Miami Beach“; ein Ort für die Reichen und Schönen. Das war aber nur der Anfang. Das ganz große Geld kam, als sie Ende der Neunziger die öffentliche Ausschreibung für eine Mobilfunklizenz gewann. Der Markt war noch kaum erschlossen - ein Riesengeschäft, erst recht nach dem Ende des Bürgerkriegs. Da begannen auch die Ölmilliarden zu fließen, Angolas Wirtschaft boomte.

Inzwischen gilt Isabel dos Santos als Vermögensverwalterin ihrer Familie. Über die genaue Herkunft ihrer Milliarden sagt die Sippe verständlicherweise wenig; unbequeme Journalisten landen in Angola auch schon mal vor Gericht. Ein aus Angola stammender, in Deutschland lebender Reporter hat anderes erlebt: Nach einer Reihe von Santos-kritischen Artikeln habe er mal einen Vortrag in Deutschland gehalten. Als er fertig war, habe ihn eine Frau angesprochen, die sich als Abgesandte der angolanischen Regierung vorstellte. Man könne doch über alles reden; aber bitte nicht so.

Auf der Bühne des Wirtschaftsforums in Gabun wich Isabel dos Santos den Fragen nach ihrem Geld routiniert aus. Nett guckte sie erst wieder, als der Interviewer sie fragte, was sie in ihrer Freizeit tue, zum Vergnügen. „Gute Frage“, sagte Isabel dos Santos, „was haben Sie später noch vor?“ Und lächelte entwaffnend.

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