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IS in Libyen : Neue Brutstätte des Terrors

Gefährlicher Zusammenschluss: Inzwischen schwören auch die libyschen Islamisten von Ansar-al-Shariah dem IS Treue. Hier bei einer Demonstration in Benghazi. Bild: AP

Im von Bürgerkrieg und Zerfall bedrohten Libyen findet die Dschihadistenmiliz des IS den idealen Nährboden für ihr Expansionsstreben - und gefährdet damit die Sicherheit des gesamten Maghreb.

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          Für den IS ist das im Chaos versinkende Libyen ein idealer Ort, um sich einzunisten und auszubreiten. Während sich die konkurrierenden Regierungen in Tobruk und Tripolis bekriegen, erzielt die Terrororganisation Geländegewinne. Zwei libysche Städte sind IS-Milizionären schon in die Hände gefallen. Zu mehreren Anschlägen, unter anderem auf ein Hotel in Tripolis, hat sich der IS bekannt. Libyen ist das nordafrikanische Vorzimmer für die Dschihadreisen ins levantinische Kernland der Organisation. Hier bilden die Anziehungskraft des IS und seiner Ideologie und der Zerfall des Staates eine gefährliche Mischung.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Im Oktober 2014 verkündete der „Schura-Rat der Islamischen Jugend“ seine Loyalität zum selbsternannten Kalifen Abu Bakr al Bagdadi. Darna sei fortan Zentrum der IS-Provinz Barqa (Cyrenaika). Länger als ein Jahr war die Stadt da schon unter der Kontrolle von Dschihadistenmilizen gewesen. Auch Sirte, die Heimatstadt des gestürzten Gewaltherrschers Muammar al Gaddafi, wurde von IS-Extremisten eingenommen und zur IS-Provinz erklärt. Im Februar 2015 verbreitete die IS-Propaganda ein Video, das die Enthauptung von 21 Christen in der Nähe der Stadt zeigt. Im Süden des Landes hat sich eine Dschihadistengruppe zur IS-Provinz Fezzan erklärt.

          Viele von denen, die jetzt in Libyen unter dem Banner des IS kämpfen, entstammen der Extremistengruppe Ansar al Scharia, die eine zentrale Rolle bei der Vermittlung junger Dschihadisten aus der Region auf die Schlachtfelder in der Levante spielt. Eine große Zahl der heutigen IS-Kämpfer in Libyen hatte selbst in Syrien oder im Irak gekämpft. Der IS wird sich in Libyen angesichts der Stärke anderer örtlicher Akteure (auch islamistischer Konkurrenz) nicht allzu einfach ausbreiten können. Aber er ist zu einem Rivalen für die etablierten Gruppen radikaler Islamisten geworden – nicht zuletzt im Wettbewerb um Kämpfer und Rekruten.

          Tausende Tunesier kämpfen in Syrien

          Letzteres gilt auch in den Nachbarländern Tunesien und Algerien, wo sich Splittergruppen auf den IS berufen. So hat sich die algerische Gruppe Dschund al Khilafa von der maghrebinischen Al-Qaida-Filiale abgespalten und Bagdadi die Treue geschworen. Im September 2014 ermordete die Gruppe den von ihr entführten Franzosen Hervé Gourdel; sie hatte ein Ende der französischen Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak gefordert. In Tunesien gibt es inzwischen ebenfalls Gruppen, die sich auf den IS berufen. Wie ein hoher Regierungsfunktionär berichtet, sollen sich Kommandeure der tunesischen Ansar-al-Scharia-Gruppe Bagdadi angeschlossen haben. Die Gruppe soll in Libyen Ausbildungslager für Syrien-Kämpfer unterhalten.

          Im Irak und in Syrien kämpfen mehrere tausend junger Tunesier in den Reihen des IS. Sie sind auch in der Verwaltung vertreten, einige haben es gar in die militärische Kommandoebene geschafft. Mit seinem Bekenntnis, hinter dem Terroranschlag auf das Nationalmuseum in Tunis zu stecken, hat der IS noch einmal seine Ambitionen in Tunesien unterstrichen. Die Brigade Okba Ibn Nafaa, die nach Angaben der Regierung hinter dem Anschlag steckt und sich im Grenzgebiet zu Algerien eingenistet hat, steht mit Al Qaida im Bunde – hat aber auch verkündet, den IS zu unterstützen.

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