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Nigeria : Entführtes Schulmädchen befreit

  • -Aktualisiert am

Dieses Bild verbreitete Boko Haram nach der Entführung der Mädchen vor zwei Jahren. Bild: AP

Mehr als 200 Schulmädchen hat die Terrormiliz Boko Haram vor zwei Jahren entführt. Nun konnte eine der jungen Frauen in Nigeria befreit werden. Besteht damit Hoffnung auch für die anderen?

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          Wenn es stimmt, was Amina Ali erzählt hat, dann besteht große Hoffnung, dass die Mehrzahl der seit zwei Jahren von der Terrormiliz Boko Haram festgehaltenen 219 Schulmädchen von Chibok noch am Leben ist. Die 19 Jahre alte Frau ist die bislang einzige der Schülerinnen, die befreit werden konnte. Sie sagt, dass sechs ihrer Schulkameradinnen inzwischen tot seien, die anderen aber würden im Sambisa-Wald gefangen gehalten.

          Genau dort, in dem Naturschutzgebiet nahe der Grenze zu Kamerun, war Amina Ali am Dienstag von Mitgliedern einer dörflichen Selbstverteidigungsgruppe gefunden worden. Der Sambisa-Wald im Bundesstaat Borno gilt nach wie vor als Rückzugsgebiet von Boko Haram, wenngleich die nigerianische Armee behauptet, die Kämpfer von dort vertrieben zu haben. Die Selbstverteidigungsgruppe hatte eigenen Schilderungen zufolge in einem Weiler namens Kilakesa einen kleinen Trupp von Boko-Haram-Kämpfern aufgestöbert und zur Flucht veranlasst. Einige der Flüchtigen seien gestellt und befragt worden. Unter ihnen sei die junge Frau gewesen, die sich als Geisel von Chibok zu erkennen gab und einen vier Monate alten Säugling auf dem Arm trug. Den mutmaßlichen Kämpfer von Boko Haram in ihrer Begleitung habe Amina Ali als ihren Mann und den Vater ihrer Tochter bezeichnet. Die Identität der jungen Frau wurde wenig später von ihrer Mutter in Chibok bestätigt. Der Ort, an dem Amina Ali gefunden wurde, liegt nur 40 Kilometer von Chibok entfernt.

          Das deckt sich mit den Angaben des ehemaligen britischen Botschafters in Nigeria, Andrew Pocock, der im März der Zeitung „Sunday Times“ gesagt hatte, amerikanische und britische Geheimdienste hätte die entführten Mädchen relativ kurz nach ihrer Entführung im April 2014 anhand von Satellitenbildern im Sambisa-Wald orten können. Die nigerianische Armee, so Polock, habe diese Information nicht genutzt.

          Amina Ali war noch am Dienstag mitsamt Kind und Mann in das Hauptquartier der Armee nach Maiduguri im Bundesstaat Borno gebracht worden, um untersucht zu werden. Der Mann wurde festgenommen. Unbestätigten Informationen zufolge soll er ausgesagt haben, sich nur deshalb der Terrorgruppe angeschlossen zu haben, weil man ihm eine Frau als Belohnung versprochen hatte. Am Donnerstag war die junge Frau nach Abuja gebracht und von Präsident Muhammadu Buhari empfangen worden. Buhari war im vergangenen Sommer unter anderem für das Versprechen gewählt worden, Boko Haram zu besiegen.

          Die Geiseln von Chibok sind die mit Abstand bekanntesten Opfer von Boko Haram, aber nicht die einzigen. Mehr als 2000 Mädchen und Frauen hat die Terrorgruppe im Verlaufe der Jahre entführt. Nach der militärischen Niederlage von Boko Haram in den Ortschaften entlang der tschadischen Grenze waren Hunderte dieser Opfer wieder freigekommen und hatten von Vergewaltigungen, Versklavung und Zwangsehen berichtet. Für viele dieser Opfer aber geht das Leid trotz ihrer Befreiung weiter: insbesondere die jungen Mütter mit Kinder von Kämpfern der Terrorgruppe werden häufig von ihrer Dorfgemeinschaft verstoßen und geächtet.

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