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Hutu-Rebellen in Kongo : Kämpfer in Gummistiefeln

  • -Aktualisiert am

Er hätte ihnen leicht aus dem Weg gehen können, stattdessen fühlte sich Vincent magisch angezogen von seinen Landsleuten. „Da stand einer meiner Todfeinde vor mir, einer, von dem mir immer gesagt worden war, dass er der leibhaftige Teufel sei, und trug das blaue Barett der Vereinten Nationen. Ich verstand die Welt nicht mehr.“ Zwei Wochen lang schlich der Hutu um das Lager der Ruander, bis er sich ein Herz fasste, einen der Soldaten auf Kinyarwanda ansprach und dem verdutzten Tutsi sein Leben beichtete. „Ich war darauf gefasst, erschossen zu werden“, erinnert sich Vincent. Stattdessen spendierte der ruandische Kommandeur dem ehemaligen FDLR-Kämpfer ein neues Hemd und eine neue Hose und setzte ihn in das nächste Flugzeug nach Ruanda.

Drei Wochen ist das jetzt her. Seither bewohnt Vincent ein kleines Zimmer in einem staatlichen Auffanglager für ehemalige FDLR-Kämpfer in Motobo im Nordwesten Ruandas. Wenn er aus dem Fenster schaut, sieht er die grünen Hänge des Volcanoes-Nationalparks, der für seine Berggorillas berühmt ist. Es ist das erste Mal in seinem Leben, dass der 37 Jahre alte Vincent seinen Schlafraum nicht mit anderen teilen muss und dass er eine Tür hinter sich schließen kann, ohne vorher um Erlaubnis zu bitten. Er sitzt auf seinem Bett und wirkt stolz auf seinen Mut, sich endlich gestellt zu haben, aber auch verwirrt über das Leben, das vor ihm liegt. Der ruandische Militärgeheimdienst hat inzwischen bestätigt, dass Vincent Imanatulikumwe nicht am Völkermord teilgenommen hat.

Damit ist er ein freier Mann, der kommen und gehen kann, wie es ihm passt. Man hat ihm angeboten, ein Handwerk zu erlernen, Maurer, Klempner, irgendetwas, die Regierung übernimmt die Kosten. Die Großzügigkeit, mit der Vincent in Ruanda empfangen wurde, hat den Hutu sprachlos gemacht. „Wenn wir das gewusst hätten, wären heute viele Menschen noch am Leben“, sagt er mit Bitterkeit in der Stimme. Die beiden politischen Führer der Hutu-Bewegung, Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni, stehen seit zwei Jahren in Deutschland wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen vor Gericht. Im Osten Kongos sollen nach unterschiedlichen Angaben noch zwischen 1000 und 1500 FDLR-Kämpfer ausharren, die, so hört man, von ihren Kommandeuren regelrecht als Geiseln gehalten werden. Die FDLR, und das ist endlich einmal eine gute Nachricht aus Kongo, ist am Ende.

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