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Obama in Afrika : Ein Luo im Land der Vorfahren

  • -Aktualisiert am

Der große Sohn ist zurück: Kenianer bejubeln Obamas Konvoi in Nairobi Bild: Reuters

Im Mittelpunkt von Barack Obamas überfälliger Ostafrikareise steht die Bekämpfung des radikalen Islamismus. Dafür drückt er auch mal ein diplomatisches Auge zu.

          Es war ein Heimspiel für Barack Obama, im besten Sinne des Wortes. Denn wenn man den Kenianern glaubt, ist der 44. Präsident der Vereinigten Staaten eigentlich einer von ihnen: ein Luo aus Kogelo am Viktoria-See, um genau zu sein. Die Luo gelten als ein bisschen stur und streitsüchtig, aber darüber haben sie hinweggesehen, die Kikuyu und die Kamba, die Kalendjin und die Masai, als Obama am Wochenende dem Land seines Vaters den ersten Besuch als Staatschef abstattete. Sie jubelten ihm vielmehr zu, als er von 10.000 Polizisten beschützt durch Nairobi fuhr.

          Überfällig war dieser Besuch schon lange. Nicht nur, dass Obamas Halbschwester Auma Obama in Kenia lebt und die dritte Ehefrau von Obamas Großvater, die er „Granny Sarah“ nennt, auch nicht jünger wird. Kenia ist aus amerikanischer Sicht zusammen mit Äthiopien, der zweiten Etappe von Obamas Reise, einer der engsten Verbündeten im Kampf gegen die radikalen Islamisten aus Somalia und zudem ein Land, dessen wirtschaftliches und soziales Potential ständig gelobt werden.

          Nur ermittelte der Internationale Strafgerichtshof bis vor kurzem gegen den amtierenden Präsidenten Uhuru Kenyatta wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das brachte nicht nur die Amerikaner in die vertrackte Lage, jemandem offiziell die kalte Schulter zu zeigen, mit dem man eigentlich dringend reden muss. Die Chinesen kennen solche Probleme nicht, weshalb nahezu alle in den vergangenen Jahren angeschobenen Großprojekte in Kenia – der Bau des Hafens von Lamu und die Eisenbahnlinie von Mombasa über Nairobi bis an die ugandische Grenze – die Handschrift aus Fernost tragen.

          Die Ermittlungen gegen Kenyatta wurden inzwischen eingestellt, wofür der Strafgerichtshof „mangelnde Kooperation“ der kenianischen Behörden verantwortlich macht und Kenia „mangelnde Beweise“ des Strafgerichtshofes. Dass dieser Mann im Nachgang zu den Wahlen 2009 ethnische Konflikte geschürt haben soll, ließ sich Obama jedenfalls nicht anmerken. Stattdessen gab es eine Umarmung für den Kenianer, die möglicherweise auch einem entfernt familiären Hintergrund geschuldet war: Obamas Vater stieg in Kenia zu einem einflussreichen Regierungsberater auf, nachdem er Obamas Mutter mit dem drei Jahre alten Barack auf Hawaii hatte sitzen lassen. Präsident zu diesem Zeitpunkt war Jomo Kenyatta, der Vater von Uhuru Kenyatta.

          Obama: Korruption ist eine Wachstumsbremse

          Bei so viel Eintracht fielen die kritischen Töne folglich gemäßigt auf. Obama mahnte wie erwartet mehr Rechte für Homosexuelle an, denen in etlichen afrikanischen Ländern systematisch nachgestellt wird, seit amerikanische Freikirchen auf das Thema aufsprangen und damit schlafende Hunde weckten. Kenyatta erwiderte höflich, dass er eine andere Meinung vertrete und dabei die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich wisse.

          Obama mahnte mehr Anstrengungen im Kampf gegen die Korruption an, die er als „Wachstumsbremse“ bezeichnete, und da war er mit Kenyatta wieder einer Meinung. Schließlich hat sich noch jede kenianische Regierung diesen Kampf auf die Fahne geschrieben, weil es erstens Stimmen bringt und zweitens genau das ist, was der Westen hören will. Dabei passen die Namen der ehrlichen Minister in Kenia nach Einschätzung eines früheren britischen Botschafters „auf die Rückseite einer Briefmarke“ – fairerweise muss erwähnt werden, dass dieses britische Bonmot auf die Vorgängerregierung unter Mwai Kibaki gemünzt war, in der Uhuru Kenyatta als Finanzminister diente.

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