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Frankreich in Afrika : Unter der Trikolore

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Frankreich, so besagt ein Bonmot, sei immer dann groß, wenn es auf die Schultern Afrikas klettere. Zentralafrika aber braucht Paris derzeit.

          Frankreich soll es wieder einmal richten. In der Zentralafrikanischen Republik tobt ein nicht erklärter Bürgerkrieg, die Nachbarländer geben sich entsetzt und schauen reflexartig nach Paris. Alles wie gehabt, alles zig-mal vorexerziert: in Ituri in Kongo, in der Elfenbeinküste, jüngst in Mali, jetzt wieder einmal in Bangui. Die französische Armee kennt sich dort bestens aus. Schließlich hat sie dort 1979 mit der „Opération Barracuda“ den selbsternannten „Kaiser“ Jean-Bédel Bokassa gestürzt und ihn durch David Dacko ersetzt, der vorher mit dem Segen aus Paris von Bokassa gestürzt worden war. Kein Wunder also, dass der neue Afrika-Einsatz von Fremdenlegionären und Fallschirmjägern unter der Trikolore misstrauisch beäugt wird.

          Selbstverständlich beeilten sich französische Diplomaten in der vergangenen Woche zu versichern, dass die Zeiten der „Opération Barracuda“ ein und für alle Mal vorbei seien – und man ist geneigt, ihnen Glauben zu schenken. Tatsächlich hat Frankreich sich im Fall der Zentralafrikanischen Republik nicht vorgedrängt, sondern mehr als sechs Monate lang versucht, die Afrikanische Union dazu zu bewegen, ihre lächerlich kleine Friedenstruppe in Bangui aufzustocken und vernünftig auszurüsten – vergebens. Das Interesse der afrikanischen Nationen, Truppen und Material zu stellen, ist verschwindend gering.

          Nunmehr werden 1000 französische Soldaten mit einem UN-Mandat und als Vorhut der AU-Truppe die Séléka-Rebellen in die Schranken weisen, so dass ihnen die Afrikaner gefahrlos folgen und ihre Stühlchen in die Sonne rücken können. Das Vorbild dafür ist Mali: Wäre der Kampf gegen die Islamisten den Westafrikanern überlassen worden, würden diese mutmaßlich noch palavern, und die Radikalen säßen längst in Bamako.

          Sicherheitspolitisch ist Afrika nach wie vor aufgeteilt wie kurz nach der Berliner Konferenz des Jahres 1885, als die Europäer sich den Kontinent einverleibten. „Sudan, das ist Sache der Amerikaner. Um Somalia kümmern sich die Briten, und wir kümmern uns um das frankophone Afrika“, so beschreibt ein französischer Diplomat das Puzzle. Dass es noch immer so aussieht wie zu Kaisers Zeiten, liegt an dem Totalausfall einer afrikanischen Sicherheitspolitik.

          Eine kohärente Außenpolitik fehlt

          Es ist schon erstaunlich, wie selbstbewusst sich afrikanische Regierungschefs inzwischen weltweit geben, wegen eines durchschnittlichen Wirtschaftswachstums von sechs Prozent und dank der Blankoschecks aus Peking. Nur fehlen zu dieser vermeintlichen Stärke eine kohärente Außenpolitik und damit sicherheitsrelevante Spielregeln. Man kann nicht ständig die alte Kolonialkeule schwingen und gleichzeitig nach den alten Kolonialmächten rufen, sobald die eigene Hütte brennt. Genau das passiert aber. Die einzige Ausnahme: Amison, die Militäroperation der Afrikanischen Union in Somalia – aber auch nur, weil EU und Amerika diese Mission von A bis Z finanzieren.

          Afrika hat keine eigene Ordnungsmacht. Die Hoffnungen, dass Südafrika mit der moralischen Autorität des friedlichen Machtwechsels von Weiß zu Schwarz im Rücken diese Rolle übernehmen könnte, sind zerstoben. Dort wird zwar ständig das Mantra von den „afrikanischen Lösungen für afrikanische Probleme“ heruntergeleiert. Kommt es zum Schwur, wie beispielsweise vor anderthalb Jahren, als die AU den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma bat, eines seiner modernen, in Deutschland gebauten Kriegsschiffe nach Somalia zu entsenden und den Hafen von Kismayo zu blockieren, um den Waffennachschub der Islamisten zu unterbinden, ist von Südafrika nichts mehr zu sehen. Für eine in Frankreich stattfindende „Sicherheitskonferenz für Afrika“ hat Zuma seine Zusage ohne Angaben von Gründen zurückgezogen. Ein Ersatz für Südafrika ist aber nicht in Sicht: Nigeria und Angola, die einzigen anderen afrikanischen Nationen, die das Zeug zu friedenserzwingenden Militäraktionen hätten, sind ausschließlich mit sich selbst beschäftigt.

          Natürlich ist jeder französischen Regierung, egal ob rechts oder links, die vermeintliche Unentbehrlichkeit auf dem Kontinent alles andere als unangenehm. Frankreich, so besagt ein kongolesisches Bonmot, sei immer dann groß, wenn es auf die Schultern Afrikas klettere. Das gilt für das politische Gewicht im UN-Sicherheitsrat wie für wirtschaftliche Interessen. Doch der Generalverdacht, unter dem französische Militäraktionen in Afrika seit je stehen, hat sich spätestens seit der Intervention in Mali relativiert. Bis zum Beweis des Gegenteils muss das auch für die Zentralafrikanische Republik gelten.

          Dort geht es nicht um Gold, Diamanten oder Uran, obwohl das Land davon reichlich hat. Das Land wird inzwischen von sudanesischen und tschadischen Söldnern terrorisiert, in deren Schlepptau radikale Islamisten aufgetaucht sind, die sich den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung zunutze machen. Es droht ein zweites Somalia im Regenwald. Das zu verhindern ist die Raison der französischen Militärintervention. Und das ist es übrigens auch, was einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat rechtfertigt: der geopolitischen Verantwortung Taten folgen zu lassen. Davon ist Afrika weit entfernt.

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