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Bundeswehr in Mali : Zeichen an den Bündnispartner

  • -Aktualisiert am

Hubschrauber der französischen Armee in Goa - ihre „Opération Barkhane“ richtet sich gegen militante Islamisten. Bild: AFP

Die Ausweitung des Bundeswehreinsatzes ins nördliche Mali kommt der Bundesregierung zupass. Man zeigt Flagge nicht zuletzt gegenüber dem Bündnispartner Frankreich.

          Die Geschichte der geplanten deutschen Beteiligung an der Minusma-Mission in Mali begann mit einer Fehleinschätzung. Als Frankreich im Januar 2013 militärisch gegen die Islamisten vorging, die zu diesem Zeitpunkt bereits die Hälfte Malis besetzt hielten, wollte Berlin von einer wie auch immer gearteten Beteiligung nichts wissen. Ein hoher deutscher Diplomat erklärte dieser Zeitung gegenüber später, man habe „den Franzosen das nicht zugetraut“ und Deutschland habe sich nicht auf ein „Abenteuer mit ungewissem Ausgang“ einlassen wollen.

          Es kam bekanntlich anders. Knapp zwei Monate nach Beginn der „Opération Serval“ standen französische Soldaten an der Grenze zu Algerien. Viele der Islamisten von Al Qaida im islamischen Maghreb (Aqmi), der „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (Mujao) und von Ansar Dine (die Verteidiger der Religion) waren entweder tot oder ins benachbarte Ausland geflohen. Es ging damals darum, das zurückeroberte Gebiet militärisch zu sichern, womit die viertausend Franzosen alleine überfordert waren. Eine UN-Mission wurde geschaffen: Minusma.

          Wieder entzog sich Deutschland, wenn auch aus verständlichen Gründen. Keine westliche Armee unterstellt ihre Soldaten gerne einem Kommandeur aus einem afrikanischen Land, wie das in Mali der Fall ist. Klar war aber auch, dass die UN-Mission, insbesondere in Timbuktu und in Gao, den beiden Städten am Südrand der Sahara, über eine gewisse Schlagkraft verfügen muss, will sie nicht gleich wieder überrannt werden. In Timbuktu übernahm die tschadische Armee diese Aufgabe, die zusammen mit der französischen Armee die härtesten Kämpfe gegen die Islamisten geführt hatte. Für Gao sprangen die Niederlande ein und stellten der UN-Mission Apache-Kampfhubschrauber, Transporthubschrauber und die aus deutscher Produktion stammenden Panzerspähwagen Fennek einschließlich des erforderlichen Personals zur Verfügung. Die Aufgabe der Niederländer war Aufklärung und Sicherung der Verkehrswege, ihre Truppenstärke beträgt gegenwärtig 420 Mann. Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte hatte stets betont, dass seine Soldaten Mitte 2015 zurückverlegt werden. Diese Botschaft hatte er insbesondere in Richtung Berlin gesandt. Sie scheint angekommen zu sein.

          Dreitausend Franzosen im Kampf gegen Islamisten

          Richtig viel zu tun hatten die Niederländer eigentlich nie in Gao. Zwar starben im März dieses Jahres zwei ihrer Soldaten beim Absturz eines Apache-Hubschraubers, doch der war nach Erkenntnissen des holländischen Generalstabschefs Tom Middendorp einem technischen Defekt geschuldet und nicht feindlichem Beschuss. Die relative Ruhe in Gao ist es, die den Einsatz der Bundeswehr aus Sicht Berlins so interessant macht: Man zeigt Flagge nicht zuletzt gegenüber dem Bündnispartner Frankreich, ohne dafür allzu große Risiken eingehen zu müssen. Auch dieser Zustand ist der französischen Armee geschuldet, genauer gesagt der „Opération Barkhane“, die zum Ziel hat, die Islamisten in der Sahara zu vernichten.

          Die nach einer scharfkantigen, für die Sahara typischen Düne benannte Militärmission der Franzosen umfasst dreitausend Soldaten, die in Tschad, Niger, Mali und in Burkina Faso stationiert sind. Ihr Einsatzgebiet ist der Südrand der Sahara von der sudanesischen Grenze im Osten bis nach Mauretanien im Westen. Die Soldaten sind mit Kampfhubschraubern ausgerüstet, mit Jagd- und Tankflugzeugen, mit Drohnen, Panzern und Artillerie. Es ist die alte „Opération Serval“ mit neuem Namen. Hauptquartier von Barkhane ist N’Djamena in Tschad.

          Unabhängig von der UN und erfolgreich

          Weitere feste Stützpunkte gibt es in Niamey in Niger, in Ouagadougou in Burkina Faso und in Gao in Mali. Dort alleine sind eintausend französische Soldaten stationiert, und ihr Stützpunkt beherbergt ein umfangreich ausgestattetes Feldlazarett, womit die Sorge der Bundeswehr um die medizinische Versorgung ihrer Soldaten mit ein bisschen gutem Willen schnell zu lösen wäre.

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