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Bundeswehr in Mali : Zeichen an den Bündnispartner

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Von Gao aus werden die Einsätze von Barkhane insbesondere in dem nordmalischen Gebirgszug Adrar des Ifoghas geplant, der als einer der Rückzugsgebiete der Islamisten gilt. Hinzu kommen vorgeschobene Posten im tschadischen Faya-Largeau, in der ehemaligen Wüstenfestung Madama in Niger und im malischen Tessalit am Fuße des Adrar des Ifoghas. Dieser Gebirgszug ist 380 Kilometer von Gao entfernt und nur über eine üble Sandpiste zu erreichen.

Barkhane operiert unabhängig von der UN-Mission in Mali und ist wahrscheinlich deshalb so erfolgreich. Nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums haben französische Soldaten alleine in der Region Kidal im Adrar des Ifoghas bis zum Juli dieses Jahres 150 Waffenverstecke mit zwanzig Tonnen Waffen und Munition ausgehoben. Im April dieses Jahres gelang ihnen nahe Tessalit die Befreiung des Niederländers Sjaak Rijke, der im November 2011 in Timbuktu von Aqmi entführt worden war. 125 ranghohe Islamisten sowohl von Ansar Dine als auch von Aqmi wurden von Barkhane-Soldaten entweder getötet oder gefangen genommen. Die meisten dieser Gefechte spielten sich im Adrar des Ifoghas ab. Im Grunde ist es so, dass die Minusma-Kommandeure die Franzosen immer dann anrufen, wenn es brenzlig zu werden droht.

Dass die Soldaten von Barkhane quasi nebenher auch 3,5 Tonnen Drogen fanden, sagt etwas aus über die Islamisten in diesem Teil der Welt. Über die tatsächliche Stärke von Aqmi und der von Tuareg gegründeten zweiten Terrorgruppe Ansar Dine existieren nur vage Informationen, die von sechshundert (Aqmi) bis siebenhundert Kämpfern (Ansar Dine) reichen. Gesichert scheint hingegen zu sein, dass sie ihre Stützpunkte in Libyen haben und von dort aus versuchen, über Algerien nach Niger und Mali einzusickern. Was die Lage relativ unübersichtlich macht, sind die zahlreichen bewaffneten Tuareg-Gruppen sowohl in Mali als auch in Niger, die je nach Geschäftslage Allianzen mit den Islamisten eingehen. Die Region um die Tuareg-Stadt Kidal lebt seit jeher vom Schmuggel. Früher waren es Sklaven und Gold, heute sind es Waffen, Drogen, auch kommt es immer wieder zu Raubüberfällen. Zur Erinnerung: Die Besetzung des Nordens von Mali durch radikale Islamisten begann mit einem Tuareg-Aufstand im Januar 2012.

Im Juni dieses Jahres schloss die malische Regierung einen Frieden mit den Tuareg, der unter anderem vorsieht, dass alle diese Bewaffneten in die malische Armee integriert werden. Das heißt, dass auch Kriminelle bald Uniform tragen. Die Regierung in Bamako glaubt aber, nur so eine Art Kontrolle über die bewaffneten Gruppen im Norden erlangen zu können. Bedeutsamer ist ohnehin ein anderer Aspekt dieses Friedensvertrages: Die malischen Unterhändler haben es geschickt verstanden, den bislang dominierenden Clan unter den Tuareg, die Ifoghas aus Kidal, zu isolieren. Der Gründer von Ansar Dine, Iyad Ag Ghaly, ist ein Targi vom Clan der Ifoghas. Um sich nicht weiter den Zorn des anderen Clans zuzuziehen, willigten die Ifoghas ein, Ag Ghaly fallenzulassen. Dass sie sich daran halten, darf bezweifelt werden. Ag Ghaly soll sich nach unbestätigten Informationen in Tunesien aufhalten.

Die Bedrohung durch radikale Islamisten in Mali ist nach wie vor sehr real, wie zuletzt die Geiselnahme mit zwölf Toten in einem Hotel in Sévaré im August gezeigt hat. Zu massiven, quasimilitärischen Angriffen aber scheinen die Islamisten dank der Operation Barkhane zumindest in der Region von Kidal und dem weiter südlich gelegenen Gao nach heutigem Stand nicht mehr in der Lage zu sein. Obwohl Barkhane im Adrar des Ifoghas nach wie vor sehr präsent ist, scheint das Augenmerk der Franzosen inzwischen ohnehin auf Niger zu liegen, genau gesagt dem „Passe de Salvador“ auf dem Mangeni-Plateau. Dort treffen die Grenzen von Libyen, Niger und Algerien aufeinander.

Vor knapp zwei Wochen waren in diesem unwirtlichen Sandmeer ein ranghoher Kommandeur von Ansar Dine sowie ein ehemaliger Kommandeur der malischen Armee von französischen Soldaten getötet worden. Südlich dieses Passes liegt die Bergbaustadt Arlit, wo der französische Konzern Areva Uran abbaut. Dass die Islamisten diese Uranminen als strategisches Ziel betrachten, ist bekannt. Mit der Lage in Gao hat das allerdings nichts zu tun. Zwischen Arlit und der malischen Stadt am Nigerfluss liegen neunhundert Kilometer Wüste.

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