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Bundeswehr in Mali : Deutschlands Freiheit wird bald auch in der Sahara verteidigt

  • -Aktualisiert am

Verbündete in Not: Malische Regierungstruppen unweit der Stadt Timbuktu Bild: AFP

Der Bundeswehreinsatz im nördlichen Mali könnte größer und gefährlicher werden, als die Bundesregierung bisher verlautet hat. Interne Berichte gehen von einer kriegerischen Bedrohungslage aus, wie die deutschen Soldaten sie in Afghanistan erleben mussten.

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          Anfang Oktober kehrte ein Erkundungstrupp der Bundeswehr aus Mali zurück. Er hatte sich einige Tage in der Stadt Gao im Norden des Landes aufgehalten. In Gao sollen von Januar an deutsche Soldaten im Rahmen der UN-Mission Minusma stationiert werden. Fünf Tage nach der Rückkehr lag der Bericht des Erkundungsteams vor. Darin werden der künftige Auftrag, die Sicherheitslage im Einsatzgebiet und der Bedarf an Soldaten, Waffen und Gerät beschrieben.

          Wenn man nicht wüsste, dass es sich um einen Einsatz in Mali handelt, könnte man annehmen, es ginge um Afghanistan. In dem Erkundungsbericht wird das so formuliert: „Die Bedrohungslage und der zu erwartende Auftrag der deutschen Kräfte erfordern die Befähigung zur eigenständigen und robusten Operationsführung.“ Es klingt so, als stünde die Bundeswehr vor ihrem nächsten Einsatz in einem Kriegsgebiet.

          Eine der gefährlichsten UN-Missionen

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat das so bisher nicht formuliert. Als sie am 18. Oktober ankündigte, den Einsatz in Mali ausweiten zu wollen, sprach sie lediglich von Aufklärung, um Milizen und Terroristen ausfindig zu machen. Was das heißt, ließ sie im Unklaren. Es geht jedoch aus dem Bericht des Erkundungsteams und einem internen Dokument des Verteidigungsministeriums hervor. Beide lassen darauf schließen, dass offenbar eine erhebliche Ausweitung des deutschen Einsatzes in Mali geplant ist. Bisher hat die Bundeswehr gut zweihundert Soldaten in einer EU-Trainingsmission im sicheren Süden des Landes eingesetzt.

          Bei der UN-Mission im zwischen der malischen Regierung und Tuareg-Rebellen umkämpften Norden sind dagegen nur neun Soldaten stationiert. Künftig könnten es bis zu siebenhundert werden, vermutet der Obmann der Union im Verteidigungsausschuss, Ingo Gädechens. Auch Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD, rechnet mit einem größeren Truppenkontingent. „Da werden manche vielleicht erschrecken“, sagt er. Aber vierhundert bis fünfhundert Soldaten kämen schnell zusammen, wenn er den an Ort und Stelle ermittelten Bedarf sehe.

          Die Bundeswehr soll als Teil der UN-Stabilisierungstruppe Minusma in Gao eingesetzt werden. Der Mission gehören derzeit etwa neuntausend Soldaten aus knapp fünfzig Staaten an. Minusma gilt als eine der gefährlichsten UN-Missionen. Seit ihrem Beginn im April 2013 wurden 56 Soldaten getötet. Die Soldaten sollen den Waffenstillstand zwischen der Regierung in Bamako und den nach Autonomie strebenden Tuareg-Rebellen überwachen sowie die großen Städte in Nordmali und deren Verbindungsstraßen vor Angriffen schützen. Von Gao verlaufen wichtige Verbindungsstraßen in die Hauptstadt Bamako im Südwesten und nach Kidal im Nordosten.

          „Erhebliche Bedrohungen“ für die Soldaten

          Vor allem die Straße nach Kidal wird von Kriminellen und Tuareg-Milizen unsicher gemacht. In Gao befindet sich das Hauptquartier des Einsatzverbandes Ost der UN-Truppen in Mali. Die Straße nach Kidal wird also zum Einsatzgebiet der Bundeswehr gehören, ebenso die südlich Gaos gelegenen Gebiete entlang der Grenze zu Niger. Das Erkundungsteam der Bundeswehr warnt in seinem Bericht eindringlich vor der IED-Bedrohung und empfiehlt den Einsatz von Minenräumern. Die Islamistenmiliz Ansar Dine soll auch im Raum Gao versteckte Sprengsätze (IED) einsetzen, um malische Regierungstruppen und Minusma zu bekämpfen.

          Ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Bamako berichtet von gewaltsamen Ausschreitungen in Gao, bei denen UN-Soldaten mit Steinen beworfen worden seien. In der Vergangenheit sei es dort regelmäßig zu Demonstrationen gegen Minusma gekommen. Die Bevölkerung akzeptiere den Einsatz nicht, sagt der Mitarbeiter dieser Zeitung. Auch die malische Regierung in Bamako sehe die Anwesenheit der UN kritisch. Sie hatte ihren Widerstand gegen Minusma vor zweieinhalb Jahren erst auf Druck Frankreichs aufgegeben. In einem internen Bericht geht das Verteidigungsministerium von einer insgesamt „erheblichen bzw. hohen Bedrohung“ für die Soldaten aus.

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