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Bundeswehr in Mali : Deutschlands Freiheit wird bald auch in der Sahara verteidigt

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Erkundungsgebiet der Größe Deutschlands

Kern des deutschen Einsatzverbandes wird eine verstärkte Aufklärungskompanie sein, die im kommenden Frühjahr in Gao stationiert werden soll. Die etwa zweihundert Soldaten werden zu großen Teilen aus dem Aufklärungsbataillon 6 aus Eutin kommen. Sie sollen vor allem Informationen über die Aktivitäten von Milizen, Terroristen, Kriminellen, Regierungstruppen und der Bevölkerung sammeln. Im Sprachgebrauch des Militärs wird das als „Gewinnung und Verdichtung des Lagebildes“ bezeichnet. Unklar ist noch, in welchem Gebiet die Aufklärungskräfte eingesetzt werden. Der Erkundungsbericht geht von ganz Nordmali als Einsatzgebiet aus. Das wäre eine Fläche von der Größe Deutschlands. Im Verteidigungsministerium wird das offenbar aber nicht so gesehen. In dem internen Bericht ist nur noch von Gao und seinem Umfeld die Rede.

Die Aufklärungskompanie besteht aus mehreren Spähtrupps, zu denen jeweils sechs Soldaten gehören. Dem Erkundungsbericht zufolge sollen sie mit Panzerspähwagen vom Typ Fennek und anderen gepanzerten Fahrzeugen ausgerüstet sein. Der Fennek ist ein leichter Radpanzer mit Infrarot- und Digitalkameras und einem Nachtsichtgerät, die an einem Mast anderthalb Meter weit ausgefahren werden können. Die Technik ermöglicht es den Soldaten, über Tage oder Wochen auf sich gestellt ein Gebiet am Boden zu überwachen.

In der Luft sollen Aufklärungsdrohnen vom Typ Luna zum Einsatz kommen. Sie können etwa acht bis zwölf Stunden lang ein Gebiet in einem Radius von zirka achtzig Kilometer beobachten. Der im Erkundungsbericht empfohlene Einsatz der leistungsstärkeren Heron-1-Drohne wurde vom Verteidigungsministerium verworfen. Einen Grund wollte ein Sprecher nicht nennen. Allerdings verfügt die Bundeswehr nur über drei große Drohnen, die sie von Israel geleast hat. Sie befinden sich derzeit in Afghanistan.

Die deutschen Soldaten sollen im Camp Castor in der Nähe des südöstlich von Gao gelegenen Flugplatzes untergebracht werden und einen Großteil der dort stationierten niederländischen Soldaten ersetzen. Die niederländische Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert hatte Verteidigungsministerin von der Leyen in diesem Jahr gebeten, die seit Anfang 2014 in Nordmali eingesetzten niederländischen Truppen abzulösen. Dazu gehören auch in Gao stationierte Kampfhubschrauber vom Typ Apache und Transporthubschrauber vom Typ Chinook. Sie sollen vorerst aber bis Ende 2016 dort bleiben. Ob anschließend die Bundeswehr auch Hubschrauber nach Mali schickt, bleibt zunächst offen. „Zumindest Transporthubschrauber wären vorstellbar“, sagt Rainer Arnold.

Mehr Verantwortung in der Welt übernehmen

Das würde allerdings den Umfang der Mission deutlich erhöhen, da der Einsatz von Hubschraubern sehr viel Personal erfordert. Unabhängig davon verfügt die Bundeswehr nur über wenige einsatzbereite Transporthubschrauber, deren Rumpf gegen Beschuss gepanzert ist und deren Triebwerke mit Sandfiltern für den Einsatz in Wüstengebieten ausgerüstet sind. Der Bundestag soll noch in diesem Jahr über das Mandat abstimmen. Sowohl Union als auch SPD haben schon grundsätzliche Zustimmung signalisiert. Auch die Grünen schließen eine Befürwortung nicht aus.

Deutschland müsste nun seiner Ankündigung, mehr Verantwortung in der Welt übernehmen zu wollen, auch Taten folgen lassen, sagt der CDU-Politiker Ingo Gädechens. SPD-Mann Rainer Arnold sagt, Mali müsse vor dem Zerfall bewahrt werden. Agnieszka Brugger von den Grünen sagt, ein Frieden in Mali werde zentral davon abhängen, ob es gelinge, den Waffenstillstand durchzusetzen. In den nächsten ein bis zwei Jahren entscheide sich, ob das Land zusammengehalten werden könne.

Bevor das Mandat zur Abstimmung steht, schickt die Bundeswehr Anfang November noch einmal ein Erkundungsteam nach Gao. Es soll klären, wie etwa gewährleistet werden könne, dass verwundete Soldaten innerhalb der vorgeschriebenen Frist in ein Lazarett gebracht werden können. Nach den deutschen Vorschriften muss das innerhalb einer Stunde erfolgen. Das kann nur durch den Einsatz von Hubschraubern sichergestellt werden. Doch die Bundeswehr geht davon aus, dass nicht sie, sondern andere die Rettungshubschrauber bereitstellen.

Ob der Einsatz tatsächlich Anfang Januar beginnen kann, hängt noch von einem zweiten Faktor ab. Die in Mali benötigten Kräfte sind derzeit noch für einen möglichen Einsatz in der Ostukraine eingeplant. Die Bundesregierung hat sie der OSZE für eine eventuelle bewaffnete Beobachtermission angeboten. In Berlin gilt ein solcher Einsatz allerdings als unwahrscheinlich. „Und wenn ich mir Afrika anschaue, dann brauchen wir da bald ein paar Beruhigungsanker, damit sich nicht der ganze Kontinent in eine bessere Welt aufmacht“, sagt CDU-Politiker Gädechens.

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