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Boko Haram in Niger : Im Grenzgebiet des Terrors

Brücke über den Koumadougou: Nigrische Soldaten an der Grenze zu Nigeria Bild: F.A.Z.-Foto Jochen Stahnke

Boko Haram weitet seinen Einfluss von Nigeria auf Niger aus. Das ärmste Land der Welt ist mit dem Kampf gegen die Terroristen überfordert. Eindrücke aus dem Kampfgebiet.

          8 Min.

          Der erste Tote liegt zweihundert Meter hinter der Grenze. Fliegen sirren durch die stickige Luft. Mit jedem Schritt wird das Summen lauter, drückt der süßliche Duft schwerer. Ein Schatten im Sand neben der Schotterpiste. „Boko Haram. Boko Haram“, sagt Leutnant Issoufou Umara. Der Tote liegt auf dem Rücken. Ein Mann mit flaumigem Bart und einem von der Sonne ockerfarben gebleichten Gewand. Der Stoff über der Bauchgegend ist braun eingefärbt, dort, wo die Kugeln durchschlugen. Die Haut hat sich von den dürren nackten Beinen gelöst. Hellrot das Fleisch, weiß das Fett.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Wenige Meter weiter der nächste Kämpfer, vom Sand verweht: Turnschuhe an den Füßen, eine verfärbte Wollmütze noch auf dem Kopf. Jeder weitere Schritt führt tiefer nach Borno hinein, in den Bundesstaat im Norden Nigerias, woher die islamistische Terrorgruppe Boko Haram kommt.

          Niemand lässt sich auf der anderen Seite der Grenze blicken. Die nigerianische Armee ist geflohen, das Grenzerhäuschen zerschossen, der Schlagbaum nach oben gerichtet. Ein Metallschild, auf dem „Zoll“ steht, wurde mitsamt der Betonverankerung aus dem Boden gerissen und umgestürzt. Eine Hängematte hängt schlaff zwischen zwei Bäumen.

          Nigrische Sicherheitskräfte in Diffa

          Wo ist er, der bevölkerungsreichste und wirtschaftsstärkste Staat Afrikas? „Die letzte Fahne, die hier wehte, war die schwarze von Boko Haram“, sagt Leutnant Umara, der auf der nigrischen Seite der Grenze das Sagen hat. „Sie hatten sie über Nacht aufgehängt, und wir haben sie wieder abgenommen.“

          Leutnant Umara und seine fünfzig Soldaten der nigrischen Gendarmerie haben sich hinter der Betonbrücke auf der anderen Seite eingegraben. Die Brücke über den Koumadougou ist von Kugeln durchsiebt. Der Grenzfluss zwischen Niger und Nigeria ist hier keine zehn Meter breit, denn die Regenzeit hat noch immer nicht begonnen. Palmen ziehen sich das Wasser entlang. In ihre Sandlöcher haben die Soldaten bunte Matratzen zum Schlafen gelegt, daneben Munitionskisten. Fünf Geländewagen hat Umara zur Verfügung. Auf dreien sind schwere Maschinengewehre verankert, auf zweien Luftabwehrgeschütze verschweißt. Die Läufe zeigen nach Nigeria.

          Vor zwei Monaten hatte Umaras Truppe ihr jüngstes Gefecht. Es dauerte eine Stunde. Umara behauptet, hundert Islamisten seien getötet worden, auf eigener Seite habe er nur fünf Verletzte gehabt. Die meisten ihrer Toten habe die Terrorgruppe mitgenommen. Die anderen blieben einfach liegen. Seither kam hier niemand auf die Idee, die Leichen zu begraben. „Pfff“ schnaubt Leutnant Umara auf die entsprechende Frage. „Warum? Das sind keine Menschen.“

          Längst hat sich Boko Haram auch in Niger festgesetzt. Die Region Diffa im Südosten Nigers ist die ärmste Region des ärmsten Landes der Erde. Immer wieder greift Boko Haram die Grenzstädte um Diffa und Bosso entlang des Koumadougou an. Der Krieg hat Diffa hart getroffen. Auf dem zentralen Markt, kaum fünf Kilometer vom Grenzübergang entfernt, liegen noch die verkohlten Fahrzeugreste eines Selbstmordanschlags vom Februar.

          Seit in Diffa die Grenze nach Nigeria geschlossen wurde und auch die Fischer des Tschadsees flohen, sind die Märkte leer. Fast alle Waren der Region werden aus Nigeria importiert. Nun müssen die Händler lange Umwege nehmen.

          Stattdessen fahren Soldaten durch die Stadt. Sie gehören zu zwei Armeen: der Nigers und der Tschads, das das Nachbarland seit Januar im Kampf gegen Boko Haram unterstützt. Auf die Motorhauben ihrer Geländewagen haben die Tschader polyesterglänzende Landesflaggen geknotet. Auf dem Flugfeld von Diffa hat Tschad zwei schwere Kampfhubschrauber vom Typ Mil Mi-24 stehen. Bewacht wird es von nigrischen und französischen Soldaten.

          Direkt daneben ist die Kaserne: Eine breite Mauer umgibt eine einen Quadratkilometer große überdimensionale Sandkiste, in der sich ein Dutzend Gebäude für die nigrischen Mannschaften, ein Fuhrpark und ein kleines Stabsgebäude verlieren. In der Mitte befinden sich zwei ganz eigene Kasernen inmitten der Kaserne: Die eine mit hohen Schanzkörben und Infrarotgerät gesicherte Trutzburg gehört den 50 amerikanischen und kanadischen Spezialkräften, die andere den rund 50 Franzosen. „Die geben uns Aufklärung“, sagt Colonel Major Moussa Salaou Barmou, der Regionalkommandeur für die Stadt und die Region Diffa.

          Colonel Major Moussa Salaou Barmou, Regionalkommandeur für die Stadt und die Region Diffa

          Insgesamt drei Drohnen werden in der Region eingesetzt. Abgesehen davon erhalten die Nigrer von Frankreich und Amerika Beratung sowie „nicht-tödliche“ Ausrüstung. „Mehr wäre gut“, sagt Salaou. Der Befehlshaber sitzt barfuß hinter dem Schreibtisch, seine amerikanischen Kampfstiefel neben dem Bürostuhl.

          Es fehlen Soldaten und Material

          Die Gefechte müssen die Afrikaner alleine führen. Mit den Tschadern hat Salaou einen gemeinsamen Befehlsstand. Aber die Zusammenarbeit mit den Nigerianern gestaltet sich schwierig. Nigerias Soldaten wurden immer wieder von Boko Haram überrannt, flohen oder sollen unter der Hand teilweise sogar Waffen an die Terroristen verkauft haben. Gemeinsamen Operationen mit den Nachbarländern verweigerte sich das stolze Land meist. „Immerhin gestatten uns die Nigerianer mittlerweile, dass wir einen Verbindungsoffizier in Maiduguri haben“, sagt Salaou.

          In Maiduguri, dem Gründungsort von Boko Haram, befindet sich der größte Stützpunkt der nigerianischen Armee in der Region. Wo es Nigeria an Willen und Organisation mangelt, fehlt es Niger an Soldaten und Material. Allein am Koumadougou-Fluss liegen rund zweihundert Siedlungen auf beiden Seiten der Grenze. Für Niger mit seiner 14000 Mann starken Armee ist es unmöglich, die alle zu halten.

          „Das größte Problem ist, dass wir hier nicht wissen, wer wer ist“, sagt Salaou. Viele Familien würden ständig die Grenzen wechseln. Alle haben Angehörige in allen angrenzenden Ländern. Das mache die Kontrolle schwierig. „Es gibt entlang des Koumadougous Dörfer, die sind Nester von Boko Haram.“ Salaou nennt Bagara. „Fast jeder Haushalt in Bagara hat eine Person an Boko Haram gegeben.“

          Kouli Ali, die in Gefangenschaft ein Kind zur Welt brachte

          Bagara ist ein Nest wenige Kilometer vor Diffa. Von sechs Uhr an herrscht Ausgangssperre, aber am Nachmittag ist das ganze Dorf auf den Beinen. Kinder spielen auf den Straßen, ein Mann auf einem Karren treibt seinen Esel an. Madou Boukar, der Dorfvorsteher, setzt sich auf einen Stuhl vor sein Haus. Sofort kommen Dutzende Jungen und Männer und hocken sich um ihn herum auf den Boden. Alle tragen die Ziernarben der Kanuri im Gesicht: vier Wundmale, die sich über die Wangen bis zum Kinn ziehen. Die Bevölkerungsmehrheit der Region gehört zur Ethnie der Kanuri. So wie die meisten Kämpfer von Boko Haram.

          Boukar sagt, dreißig Männer aus Bagara hätten sich Boko Haram angeschlossen. Es sei kaum abzusehen gewesen. „Die waren auch nicht anders als die anderen, die gingen nicht mal in die Koranschule.“ Boukar sagt, Nigrer schlössen sich Boko Haram an, weil sie arm seien. Die Islamisten würden einem 300.000 Francs-CFA, rund 450 Euro geben, dazu ein Motorrad und eine Frau.

          „Das Geld kommt aus Nigeria“, sagt Boukar. Überhaupt sei die Terrorgruppe eine Erfindung der nigerianischen Regierung. Vor einem Monat erst sei des Nachts eine Gruppe Kämpfer über die Grenze ins Dorf gekommen und habe Nahrungsmittel und zwei Jungen mitgenommen. „Die wollten wohl Männer werden“, sagt Boukar.

          Terroropfer: Eine Frau mit Brandwunden im Krankenhaus von Diffa

          Dann steht er auf, führt zur Lehmhütte einer Frau, von deren acht Kindern drei Söhne im Gefängnis sitzen. Sie wurden verhaftet, weil sie in Diffa für Boko Haram Nahrung und Ausrüstung eingekauft haben sollen. „Vor drei Monaten war das“, sagt die Frau. „Seit drei Monaten sitzen sie in Diffa im Gefängnis, ohne Prozess.“ Sie sagt, aus Angst schließe sie schon seit einiger Zeit alle Fenster und Türen. Ihr Mann sei in eine andere Stadt geflohen. Die Mutter erzählt, ihre junge Tochter, die an der Feuerstelle im Hof Teig klopft, erhalte über ihr Handy ständig Drohungen. „Wir kriegen dich, sagen die Leute von Boko Haram.“

          Die einheimischen Würdenträger des Kanuri-Dorfs sind dagegen machtlos. Der Imam sitzt in einem stickigen Raum neben seiner kleinen Moschee. An die vier Lehmwände hat er mit Kreide arabische Schriftzeichen gemalt, in der Ecke stehen Holztafeln mit handgeschriebenen Koranversen. Der Imam sagt, seine Familie habe er aus Sicherheitsgründen ins Landesinnere geschickt.

          „Es gibt einige Koranschüler, die hier den Koran falsch lesen, aber meine Koranschüler gehen nicht zu Boko Haram.“ Wer Boko Haram sei, wisse er nicht. „Aber ich weiß, dass arme Leute so eine Organisation nicht aufbauen können.“ Der Imam sagt, seit das Militär am Ortsausgang steht, habe er Bagara nicht mehr verlassen. „Ich habe Angst vor den Soldaten.“

          Niger lehnte UN-Flüchtlingscamps zunächst ab

          Der Krieg zwischen Boko Haram und den Sicherheitskräften wird mit aller Härte geführt. Die Bevölkerung leidet nicht nur unter dem Kreuzfeuer, sondern auch unter Strafaktionen beider Seiten. Insgesamt 150.000 Menschen sollen allein aus Nigeria nach Niger geflohen sein. Lange Zeit verweigerte Niger dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR den Aufbau von Flüchtlingslagern, weil man fürchtete, die Geflohenen dann dauerhaft im Land zu haben und dass in ihrem Gefolge Teile von Boko Haram nach Niger einsickern und sich in den Lagern schadlos halten könnten. Die meisten Flüchtlinge kommen in Diffa allerdings ohnehin bei Bekannten und Verwandten unter.

          So auch Kouli Ali, eine hübsche Frau, die zwei Wochen lang in der Gefangenschaft von Boko Haram war. „Sie kamen früh am Morgen nach Damasak“, sagt Kouli, „es waren mehr als 1000 junge Männer und zwei Alte, die gesagt haben, was die Kämpfer machen sollten.“

          Kouli ist 21 Jahre alt. Sie sitzt zwischen ihren Verwandten und Nachbarn unter einem Baum am Stadtrand von Diffa. Wenn Kouli erzählt, bilden sich Grübchen in ihren Wangen. Sie sagt, einige der Kämpfer hätten Militärkleidung getragen, andere normale Sachen. „Die meisten hatten ein Gewehr, und es gab auch Waffen auf Fahrzeugen.“ Die nigerianischen Soldaten flohen nach einem kurzen Schusswechsel. Die Terroristen gingen von Haus zu Haus, erzählt Kouli. „Sie schrien ‚Allahu Akbar‘, und dann – Taktaktaktak.“

          Kouli und jene die konnten flohen an den Fluss und versteckten sich in den Büschen. „Sie fanden uns schnell“, sagt Kouli. „Die Männer wurden gefesselt und in den Fluss geworfen, später trieben sie tot an der Wasseroberfläche.“ Jene, die sich nicht fesseln lassen wollten, seien erwürgt oder erschossen worden. „Über die Alten sagten sie: ‚die sind ja schon tot‘, die haben sie leben gelassen.“ Untereinander hätten die Islamisten Kanuri gesprochen. Die Häuser der Umgebung hätten die Boko-Haram-Kämpfer nach Nahrungsmitteln und Wertgegenständen abgesucht. „Wenn sie an einem Toten vorbeigingen, riefen sie immer: ‚La ilaha illa allah‘ (es gibt keinen Gott außer Gott).“

          Kouli sagt, sie sei mit Dutzenden anderen Frauen und Kindern in einem Haus eingeschlossen worden. Nach zwei Tagen seien die Islamisten dann zu den ganz jungen gekommen. „Sie sagten zu den Mädchen, die 13, 14, 15 Jahre alt waren: ‚Ihr seid jetzt verheiratet.‘ Dann nahmen sie sie mit.“ Kouli hatte Glück. „Weil ich schwanger war, haben sie sich nicht für mich interessiert.“ Drei Tage später brachte Kouli in Gefangenschaft ihr Kind zur Welt, das sie heute im Arm hält und stillt, während sie erzählt. Die anderen Frauen halfen ihr bei der Geburt.

          Auf der Flucht: 40.000 Bewohner der Inseln im Tschadsee haben sich vor den Angriffen Boko Harams und den befürchteten Strafaktionen der Armee in Sicherheit gebracht. Diese Flüchtlinge sind von Diffa auf dem Weg nach Nigeria.

          „Jeden Morgen mussten wir uns vor dem Haus versammeln und beten. Sie sagten, wir seien jetzt die gleichen Muslime wie sie, bessere Muslime als vorher.“ Die Kämpfer von Boko Haram taten den älteren Frauen nichts und verloren bald das Interesse. Nach zwei Wochen gelang Kouli und einigen anderen Frauen die Flucht aus dem Haus, als die Tür offen stand und kein Aufpasser in der Nähe war.

          Die ganze Nacht seien sie marschiert, bis sie in ein Dorf kamen, wo jemand ein Handy hatte. Damit, sagt Kouli, habe sie ihren Vater angerufen – denn ihr Mann lebe mit seiner zweiten Frau an einem anderen Ort. Ihr Vater sitzt auch während des Gesprächs neben ihr. „Das ist das Kind von Shekau“, sagt ein Nachbar über Koulis Baby und lacht dreckig. Abubakar Shekau ist der Anführer von Boko Haram. Kouli und die Bewohner ihrer Siedlung gehören zur Peul-Ethnie. Den Herren um sie herum fällt es leicht zu behaupten, dass Boko Haram „alles Kanuri“ seien.

          Regionalkommandeur Salaou sagt, zwar sei Boko Haram „definitiv auch eine Kanuri-Sache“. Aber damit habe es sich lange nicht. „Oben in Nigeria“ gebe es viele Banden und Gangs, die früher für Politiker gekämpft und gegen Bezahlung die jeweiligen politischen Konkurrenten eingeschüchtert hätten. „Und als die Politiker dann Macht bekamen, vergaßen sie diese Leute“, sagt Salaou. „Aber die fordern jetzt ihren Anteil.“

          Der Innenminister Nigers will sich auf so eine Überlegung nicht einlassen. „Boko Haram sind keine Rebellen“, sagt Hassoumi Massoudou in der Hauptstadt Niamey. „Das sind Kriminelle. Wenn die ein Dorf überfallen, töten sie fast alle, versklaven die jungen Mädchen und stehlen alles von Wert. Sie haben keine Botschaft. Man kann in dieser Bande keine Logik erkennen. Wenn sie Terrain okkupieren wollen, dann müssen sie dort eine Politik machen, dann muss man die Bevölkerung überzeugen. Aber das machen sie alles nicht.“ Der Innenminister sagt, mindestens tausend Mitglieder von Boko Haram habe man in Niger in den Gefängnissen einsitzen. „Viele davon kommen auch aus unserem Land.“

          Vor wenigen Wochen hat das nigrische Parlament eine Erhöhung der Militärausgaben auf offiziell drei Milliarden Euro gebilligt. „Wir können diese Bedrohung nicht allein stemmen“, sagt Massoudou. Niger sei immer stärker betroffen. Weil die nigerianische Armee endlich begonnen hat, Boko Haram weiter südlich in den Wäldern von Sambisa zu bekämpfen, seien viele Kämpfer Richtung Norden auf die Inseln des Tschadsees ausgewichen. „Deswegen mussten wir die Bevölkerung dort wegbringen“, sagt Innenminister Massoudou.

          Was er nicht sagt, ist, dass seine Regierung verkündete, wer am Tschadsee jetzt noch angetroffen werde, den halte man für einen von Boko Haram. Das veranlasste Zehntausende weitere Menschen zur Flucht, worauf sich Nigers Regierung in keiner Weise vorbereitet hatte. „Bald“ sei mit Luftangriffen zu rechnen, sagt der Minister. Doch solange die Nigerianer nicht von Süden her drückten, sei eine Offensive schwer.

          So ruhen alle Hoffnungen auf dem neuen Präsidenten Nigerias. Seine erste Auslandsreise nach Amtsantritt führte Muhammadu Buhari vor wenigen Tagen nach Niger. Buhari dankte dem Nachbarland für die „Opfer, die Niger auf sich genommen hat, der Bedrohung durch Boko Haram zu begegnen“. Buhari kündigte die Rückkehr der nigerianischen Armee in die Grenzorte an: „Der Aufstand der tödlichen Sekte wird bald niedergeschlagen sein. Inschallah.“

          Buhari wirbt für internationale Koalition gegen Boko Haram

          Der neue nigerianische Präsident Muhammadu Buhari hat beim G-7-Gipfel auf Schloss Elmau für Unterstützung im Kampf gegen die Terrorgruppe Boko Haram geworben. Seit seinem Amtsantritt vor einer Woche sind mindestens 82 Menschen Opfer von Anschlägen Boko Harams geworden. Das jüngste große Attentat ereignete sich am Donnerstag vergangener Woche in der Stadt Yola im Bundesstaat Adamawa, als sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft sprengten und 31 Menschen mit in den Tod rissen.

          Der ehemalige General Buhari hat den Kampf gegen die Islamisten zu seiner vordringlichsten Aufgabe gemacht und setzt dabei offensichtlich auf regionale Kooperation. Seine erste Auslandsreise unmittelbar nach seiner Vereidigung hatte ihn nach Niger und Tschad geführt. Die Armeen beider Länder sind seit Februar aktiv in der Bekämpfung der Islamisten in Nigeria involviert.

          In der tschadischen Hauptstadt N’Djamena bedankte sich Buhari ausdrücklich für die Unterstützung der ausländischen Armeen und forderte einen Einsatz der nominell 8700 Mann starken schnellen Eingreiftruppe der Afrikanischen Union (AU). Diese existiert bislang nur auf dem Papier. Bereits 2014 hatten Nigeria, Niger, Tschad, Kamerun und Benin beschlossen, 3000 Soldaten in der nigerianischen Stadt Baga am Tschadsee zu stationieren, um der Islamisten Herr zu werden.

          Die Tschader waren die ersten, die sich aus Frust über die Nigerianer aus dieser Koalition verabschiedet hatten. Insofern ist der Appell Buharis zur Bildung einer internationalen Militärkoalition tatsächlich ein Kurswechsel in der nigerianischen Politik. Der tschadische Präsident Idriss Déby hatte sich in den vergangenen Monaten häufig über Buharis Vorgänger Goodluck Jonathan und dessen Untätigkeit beschwert. So sei es wiederholt vorgekommen, dass die nigerianische Armee sich geweigert habe in Ortschaften einzurücken, die zuvor von der tschadischen Armee freigekämpft worden waren. Um die Einsätze sowohl ausländischer als auch eigener Soldaten besser koordinieren zu können, hat Buhari das Hauptquartier der nigerianischen Armee von Abuja nach Maiduguri verlegen lassen.

          Trotz der jüngsten Attentate ist die Bilanz des Kampfes gegen die Islamisten zuletzt positiv ausgefallen. Die nigerianische Armee hat dank der Unterstützung südafrikanischer Söldner große Geländegewinne in den zuvor von Boko Haram besetzten Landesteilen erzielen können. Über den Einsatz dieser ehemaligen Mitglieder diverser südafrikanischer Spezialeinheiten aus der Apartheidzeit ist nur wenig bekannt.

          Allerdings scheinen sie die entscheidende Rolle bei Kommandoaktionen zu spielen, mit denen gezielt Jagd auf Kommandeure der Islamisten gemacht wird. Ob sich unter den Opfern dieser nächtlichen Angriffe auch Abubakar Shekau, der mutmaßliche Anführer der Islamisten befindet, ist gegenwärtig Gegenstand zahlreicher Spekulationen. In dem jüngst von Boko Haram verbreiteten Video jedenfalls fehlt der wortgewaltige Terrorist. (tos.)

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