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Boko Haram und IS : Afrikanische Plagiatoren

Lokal verwurzelter Terrorpate oder Mitglied eines transnationalen Terrornetzwerks? Der mutmaßliche Boko Haram-Führer Shekau Bild: AP

Öffentlichkeitswirksam hat die islamistische Terrorgruppe Boko Haram dem IS Treue geschworen - und kopiert in Nigeria Bagdadis Methoden. Umstritten ist, ob mehr hinter dem Treueschwur steckt als ein reines Lippenbekenntnis.

          Von den islamistischen Terrorgruppen im subsaharanischen Afrika hat sich bislang lediglich Boko Haram in Nigeria dem „Islamischen Staat“ (IS) angeschlossen. Der mutmaßliche Anführer von Boko Haram, Abubakar Shekaku, hat in einer Videobotschaft im März 2015 dem selbsternannten Kalifen Abu Bakr al Bagdadi die Treue geschworen. Eine Woche später hatte der IS verkündet, mit Boko Haram kooperieren zu wollen. Ob sich damit aber eine künftige Zusammenarbeit der beiden Terrorgruppen abzeichnet, ist fraglich. Denn Boko Haram bekannte sich just zu dem Zeitpunkt zum IS, als die Gruppe militärisch schwer in Bedrängnis geraten war – nämlich genau einen Tag vor Beginn einer Bodenoffensive durch nigrische und tschadische Truppen. In Nigeria sprechen Beobachter deshalb von einem „Propagandatrick“ der Islamisten.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Allerdings fällt auf, dass Boko Haram die Vorgänge in Syrien und im Irak offenbar schon länger genau beobachtet und zu kopieren versucht. Als der IS in der syrischen Stadt Rakka sein sogenanntes Kalifat ausrief, ging Boko Haram im Norden Nigerias dazu über, Ortschaften nicht mehr nur zu überfallen, sondern zu besetzen und zu verwalten. Wie dem IS geht es Boko Haram inzwischen darum, Geländegewinne in territoriale Ansprüche umzuwandeln. Die Nigerianer imitierten auch die Methoden der Selbstdarstellung des IS und filmten ihre Angriffe. Zuletzt zeigte Boko Haram sogar Videos von Enthauptungen gefangener nigerianischer Soldaten, wie man sie vom IS zur Genüge kennt.

          Ist Boko Haram mehr als eine lokale Terrorgruppe?

          Trotzdem ist unter Sicherheitsexperten umstritten, ob mit dem Treueschwur von Anfang März ein ideologischer Schulterschluss zwischen den auf 6000 Mann geschätzten Kämpfern von Boko Haram und dem IS einhergeht. In den Verlautbarungen von Boko Haram in der Vergangenheit hatte der internationale Dschihad jedenfalls keine Rolle gespielt. Vor allem ging es Boko Haram um nigerianische Themen. Die These von Boko Haram als einer „lokalen Terrorgruppe“ wurde auch dadurch gestützt, dass die Gruppe sich nie mit den Dschihadisten von „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim), die eine Zeitlang den Norden Malis kontrollierten, gemein machte. Zwar hat es nach Erkenntnissen der nigrischen Sicherheitsdienste Kontakte zwischen Boko Haram und Aqim gegeben, doch soll es dabei weniger um strategische Überlegungen gegangen sein als um den Verkauf von Waffen und den Austausch von Fachwissen über den Bau von Sprengfallen. Die aus Boko Haram hervorgegangene Terrorgruppe Ansaru, die sich zum internationalen Terrorismus bekennt und ausdrücklich auf Al Qaida beruft, scheint innerhalb der Struktur von Boko Haram zudem relativ isoliert zu sein.

          Ferner gibt es so gut wie keine belastbaren Hinweise auf ausländische Kämpfer in den Reihen von Boko Haram. Vielmehr scheint das Gegenteil der Fall zu sein: Der harte Kern der Truppe rekrutiert sich aus der Ethnie der Kanuri, die auf nigrischer, tschadischer und nigerianischer Seite des Tschadsees lebt. In Nigeria spricht man deshalb im Zusammenhang mit Boko Haram häufig von einem „ethnischen Konflikt“.

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